Martina Gedeck

Schauspielerin Martina Gedeck. Vergrößern
Schauspielerin Martina Gedeck.
Fotoquelle: Denis Makarenko/shutterstock.com
Martina Gedeck
Geboren: 14.09.1961 in München, Deutschland

Martina Gedeck verbringt ihre Kindheit in Landshut und Berlin. Dort besucht sie das Schadow-Gymnasium. Vor Abschluss der Schulausbildung geht sie für ein Jahr in die USA und beginnt nach dem Abitur ein Studium der Germanistik und Geschichte an der FU in Berlin. Von 1982 bis 1986 besucht sie das Max-Reinhardt-Seminar an der Berliner Hochschule der Künste. Hier wird sie als Schauspielerin ausgebildet. Nach ihrem Debüt am Frankfurter Theater am Turm als Prinz in "Aschenkinder" lockt das Hamburger Schauspielhaus. Wilfried Minks inszeniert Molières "Der Geizige", doch Martina Gedeck strauchelt auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Zum Glück lässt sie sich nicht beirren: Es bleibt bei diesem einen Ausrutscher. Sie spielt Theater in Basel und Berlin, noch einmal in Frankfurt und Hamburg. Jürgen Kruses Inszenierung von "Die Sieben gegen Theben" von Aischylos ist eine Co-Produktion der Städtischen Bühnen Frankfurt und der Salzburger Festspiele. Einen Namen macht sich Martina Gedeck bald in Fernsehen und Kino. Dominik Graf gibt ihr die weibliche Hauptrolle in dem TV-Film "Die Beute" (1988), bald darauf besetzt sie der Münchner Regisseur in dem Film "Tiger, Löwe, Panther" (1988).

Man sieht sie von 1989 bis 1993 an der Seite von Manfred Krug in "Liebling, Kreuzberg", in weiteren TV-Serien ("Eurocops", "Ein Fall für zwei", "Adelheid und ihre Mörder", "A.S.", "Wolffs Revier", "Die Kommissarin". "Faust", "Frauenarzt Dr. Markus Merthin", "Unser Lehrer, Doktor Specht", "Friedemann Brix - Eine Schwäche für Mord" und "Die Unbestechliche"), dann in der erfolgreichen fünfteiligen Ost-West-Komödie "Schulz & Schulz" (ab 1989) mit Götz George, und jetzt nimmt man Martina Gedeck erst wirklich wahr. Sie erhält ein Bundesfilmband in Gold für die Rolle der Bronka in dem Trümmerfilm "Krücke" (1992) an der Seite von Heinz Hoenig, zwei Jahre später einen Bayerischen Filmpreis für ihre beeindruckende Darstellung der "Hölleisengretl" von Jo Baier.

Kinoerfolge wie Sönke Wortmanns "Der bewegte Mann" (1994), Rainer Kaufmanns "Stadtgespräch" (1995), Helmut Dietls "Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" (1996) und Wolfgang Beckers "Das Leben ist eine Baustelle" (1996) machen Martina Gedeck zum Star. Man sieht sie aber auch in Komödien wie "Frauen lügen nicht" (1996) oder "Frau Rettich, die Czerni und ich" (1998).

Foto: Kinowelt

Die Rollen, die Arbeit:

Das langgestreckte Gesicht, der vorgeschobene Unterkiefer, das gerade Profil, das verleiht ihr Strenge, Unnahbarkeit, Distanz. Der ganze Gesichtsausdruck signalisiert: Sie gibt wenig von sich selbst zu erkennen. Sie spielt die Kellnerin und Gelegenheitsdetektivin Nelly in Dominik Grafs "Die Beute". Nelly gerät ausgerechnet mit jenem Mann in eine Affäre, auf dessen Spur sie ist.

Martina Gedeck hat hier eine ganz eigene Art, sich geschmeidig zu bewegen, ganz anders als später in "Tiger, Löwe und Panther" als Lehrerin und Hobby-Journalistin Nicoletta. Die ist noch unentschlossen in Beruf und Beziehung, läßt sich von Ehemann Florian bekochen und schreibt zu den Bildern ihres Hausfreunds Philipp platte Gedichte. Nicoletta liebt die Männer, sie läßt sich verwöhnen, umgarnen. Sie ist spontan, erfindungsreich und vor allem lebenslustig. Die Tante Isabella, die Martina Gedeck 1996 bei Gabriela Zerhau in dem Fernsehfilm "Der Neffe" spielt, ist ein ganz ähnlicher Typ wie Nicoletta. "Das stimmt", sagt Martina Gedeck, "die Isabella ist nur eben ein bißchen fertiger, erwachsener als Nicoletta. Die wußte nicht so recht, will sie nun den oder den oder einen anderen, und Isabella ist jemand, der sagt, ich nehme beide oder alle drei."

Selten sieht man im Fernsehen so lustvoll sinnliches Spiel wie hier bei Regisseurin Gabriela Zerhau. Wenn Alfred, 13, endlich die beiden 'Alten' los ist (sie holen nach zwölf Jahren Ehe die Hochzeitsreise nach) und Tante Isabella/Martina Gedeck ihr Amt als 'Babysitter' antritt, kommt Leben ins Haus, und es beginnt zu prickeln. Ohne einen langweiligen Familienalltag zu sehen, erfährt der Zuschauer im Zeitraffer, wie es in diesem Haus normalerweise zugeht: Der Hausfreund und Familienzahnarzt ist eigentlich der Liebhaber der Frau, doch ihre Schwester ist ihm während deren Abwesenheit ein ganz lieber Ersatz.

Jetzt genießt Isabella das andere Leben: Sie gibt den 'Signalen' des Zahnarztes nach, holt sich aber bald, vom ewigen Einerlei gelangweilt, einen hübschen kleinen Studenten ins Schlafzimmer und bringt damit - ohne es zu beabsichtigen - den eifersüchtigen Neffen zur Weißglut. Denn Alfred ist nicht nur begeistert, daß seine Tante gar nicht so schlimm ist, wie er sich das vorgestellt hatte, sondern er hat sich ganz schön in sie verknallt. Und wenn am Ende der Alltag wieder anbricht, hat Isabella einige Spuren hinterlassen...

Britta/Martina Gedeck ist die Geliebte von Wolfgang Schultz/Götz George, dem erfolgreichen Werbemanager in Hamburg. Doch als eines Tages Wolfgangs Zwillingsbruder Walter mit jenem den Paß tauscht und den Bruder für ein paar Tage ersetzt, ist das für Britta aufregend. Die Britta in "Schulz & Schulz" war für Martina Gedeck eine schöne Arbeit.

"Für mich spielt der Regisseur eine ganz wichtige Rolle, und mit Ilse Hofmann habe ich sehr gerne gearbeitet. Sie ist eine wunderbare Regisseurin, die ihren Schauspielern viel Vertrauen und Sicherheit gibt."

In Rainer Kaufmanns "Stadtgespräch" ist sie die Sabine Kirsch, Freundin der Radio-Moderatorin/Katja Riemann, die Morgen für Morgen ihre Zuhörer mit aufmunternden Lebenshilfen versorgt. Sabine ist eine leidenschaftliche Hausfrau und Mutter, liebevolle und treusorgende Ehefrau, die Knöpfe annäht, Kuchen backt und Essen kocht und dabei immer noch gute Laune verbreitet. Die Frauen lernen sich im Sportstudio kennen, wobei keine der beiden die intime Beziehung der anderen zu demselben Mann kennt.

Die Rollen, die Arbeit:

Lebensfreude und Leidenschaft sind bei Martina Gedeck gelegentlich hinter einer strengen Maske versteckt, um so energischer treten sie dann in Erscheinung, wenn sie einmal zum Ausbruch kommen. Verschlossen, die Haare streng hochgesteckt, wirkt sie als Serafina, die schöne italienische Kellnerin im Münchner Szene-Restaurant Rossini. Mit ihren Blicken umgarnt sie den schüchtern-unsicheren Bestseller-Autor Jakob Windisch, in den sie sich verliebt hat. Ihm will sie sich ganz hingeben. Aber der entsetzt sie durch seine standhafte Weigerung, ihren Verführungskünsten zu erliegen: "Ich bin Dichter, nicht Realist!" ist sein Schlagwort. Serafina, die Schöne, die ihre ganze Körperlichkeit einsetzt, weiß nicht, wie ihr geschieht.

Ihre ganze Körperlichkeit bringt Martina Gedeck auch in Jo Baiers eindringlichen Film "Hölleisengretl" ein. Jahrelang lebt die schöne, stolze Gretl ohne Mann auf dem ertragreichen Bauernhof. Wegen einer Rückgratverkrümmung verlacht und verspottet man sie. Und eines Tages kommt einer aus Russland zurück, der in den Hof einheiraten will, aber da erlebt die Frau eine ganz böse Überraschung.

Martina Gedecks Rollengestaltung ist faszinierend: die schlanke, hager wirkende Frau, die die Männer anstarren, der sie mit Häme begegnen. Sie reckt den Kopf noch etwas höher, wird noch etwas steifer, schiebt das Kinn vor, aus kalten Augen starrt sie ihr Gegenüber an, fixiert ihn. Ihr hat man den Hof ohnehin widerwillig vererbt, aber die Brüder sind im Krieg geblieben, und wenn dem Vater auch die bucklige Tochter nicht recht war - was soll man schon machen?

Die Starrheit wird nur gelegentlich unterbrochen, wenn Gretl/Gedeck in den alten Fotos wühlt, da wird ihr Blick weicher, fast träumerisch - und dann stemmt sie die Hände in die Hüften zu einer einzigen kraftvollen Bewegung, die Natürlichkeit und Gewohnheit gleichermaßen ausdrückt. Dazu gehört auch die Sprache, knapp im Dialekt, keine Grimassen, nur ruckartige Kopfbewegungen. Sie führt den Hof nach ihrem Gutdünken, milde und streng zugleich, wie sie etwa dem alten Thomas mit seinen Schrullen begegnet, wie sie den Tagelöhner zum Knecht macht - nicht aus Nächstenliebe oder Gutmütigkeit, sondern weil sie auf den strammen Kerl scharf ist. Ein rasches Aufflammen von Lust, von Leidenschaft und Gier...

Martina Gedecks Kapital ist es, sich immer wieder andere Rollen anzueignen, in jedem Film ein anderes Gesicht zu zeigen: "Es ist langweilig, immer wieder die gleiche Rolle zu spielen, für mich wie fürs Publikum, daher suche ich nach einer Vielfalt. Und da habe ich ja im Augenblick immer wieder Glück."

Glück hat sie auch mit der Rolle der Lilo in dem insgesamt heillos überfrachteten Berlin-Film "Das Leben ist eine Baustelle". Sie lebt mit dem Ekelpaket Harri (Armin Rohde in einer seiner typischen Proll-Rollen) zusammen und ist immer sehr genervt von ihrer vorlauten kleinen Tochter Jenny. Für Jenny ist Lilos Bruder Jan Neben/Jürgen Vogel eine wichtige Bezugsperson. Er liebt Jenny, kümmert sich um sie und sorgt dafür, daß es ihr an nichts fehlt.

"Das ist für mich eine ganz wichtige Figur", sagt Martina Gedeck, "die Rolle war wie ein Geschenk, und auch meine neue Rolle in der Fernsehfolge von 'Bella Block' - ich drehe das gerade - ist eine Frau aus ganz einfachen Verhältnissen, eine Trinkerin, deren Tochter auf den Babystrich geht. Sie versucht vergeblich, aus den miesen Verhältnissen herauszukommen. Der Schweizer Markus Imboden inszeniert das, es ist - vor allem auch mit Hannelore Hoger - eine schöne Arbeit."

Weitere Filme mit Martina Gedeck: "Goldjunge" (1988), "Eine Frau für Alfie" (1989), "Der doppelte Nötzli" (1990), "Leo und Charlotte" (TV-Mini-Serie), "Hausmänner" (beide 1991), "Endstation Harembar", "Mutter und Söhne" (beide 1992), "Barmherzige Schwestern", "Der Augenzeuge" (1993), "Nur eine kleine Affäre" (TV-Mini-Serie), "Alles außer Mord - Todkäppchen", "Das Schwein - Eine deutsche Karriere", "Die Spiele zu zweit", "Rosa Roth" (alle 1994), "Man(n) sucht Frau", "How I got rhythm", "Wer Kollegen hat, braucht keine Feinde" (alle 1995), "Der schönste Tag im Leben" wiederum von Jo Baier, "Rosa Roth - Nirgendwohin", "Harald - Der Chaot aus dem Weltall", "Der Neffe" (alle 1996), "Lea Katz - Die Kriminalpsychologin", "Lea Katz - Die Kriminalpsychologin: Einer von uns beiden", "Bella Block: Tod eines Mädchens", "Single Bells" von Xaver Schwarzenberger (alle 1997), "Lea Katz - Die Kriminalpsychologin: Das wilde Kind", "Viehjud Levi", "Deine besten Jahre" wieder von Dominik Graf, "Der Laden" (alle 1998) erneut von Jo Baier,"Alles Bob!", "Grüne Wüste", "Marianne Hoppe - Die Königin", "Ich habe Nein gesagt", "Die beste Party - Heimatabend 1999" (alle 1999), "Scheidung auf Amerikanisch", "Romeo", "Harte Jungs", Die "Single Bells"- Fortsetzung "O Palmenbaum", "Jenseits der Liebe", "Happy Hour oder Glück und Glas ..." (alle 2000), "Bella Martha", "Verlorenes Land" (beide 2001), "Andreas Hofer" und "Die Mutter" (beide 2002), "Unsre Mutter ist halt anders", "Ins Leben zurück", "Das blaue Wunder" (alle 2003), "Hunger auf Leben", "Der Stich des Skorpion", "Feuer in der Nacht" (alle 2004), das Oscar-prämierte Drama "Das Leben der Anderen", "Ein perfekter Freund" (beide 2005), "Elementarteilchen", "Auf ewig und einen Tag", "Sommer '04", "Der gute Hirte" (alle 2006), "Verlassen", "Meine schöne Bescherung" (beide 2007), "Delfine und Wale 3D" (Sprecherin), "Der Baader Meinhof Komplex", "Geliebte Clara" (alle 2008), "Sisi", "Aghet - ein Völkermord" (Sprecherin, beide 2009), "Jud Süß - Film ohne Gewissen", "Tatort - Wie einst Lilly" (beide 2010), "Die Wand", "Bastard" (beide 2011), "Halbe Hundert", "Hinter der Tür", "Nachtzug nach Lissabon", "Die Auslöschung", "Die Nonne" (alle 2012), "Am Hang" (2013), "Ich bin dann mal weg" (2015).


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