Der Kambodschaner Rithy Panh ist gerade einmal 13 Jahre alt, als die Roten Khmer den Großteil seiner Familie auslöschen. Tag für Tag wird er im Arbeitslager mit Tod und Grauen konfrontiert. Mit einem Schlag vertreibt der Völkermord ein friedliches Glück - ein Leben mit Musik und einer liebevollen Familie - und die Erinnerungen an das für immer Verlorene sind nur schwer zu ertragen. Die Bilder des Genozids und des Elternhauses in Phnom Penh haben sich in sein Gedächtnis eingebrannt, doch reale Aufnahmen der damaligen Zeit gibt es nicht. Daher greift der Filmemacher auf eine ganz eigene Methode zurück. Ein Mensch, so sagt er, das seien Erde, Wasser, Reisfelder und Erinnerungen. Man könne ihn wachrufen, solange man nur den Willen dazu habe. Er denke beispielsweise an den weißen Anzug und die dunkle Krawatte seines Vaters, den er einfach nur in die Arme schließen möchte.

Mit Hilfe der Magie des Kinos und der schlichten Kommentare werden bemalte, handgeformte Tonfiguren zum Leben erweckt und um Accessoires und einen Hintergrund ergänzt. In emotionsreichen Bildern gelingt es Rithy Panh, das auszudrücken, was für viele nach wie vor unaussprechlich ist: das tagtägliche Leiden, der Schmerz der Überlebenden, die Liebe für die Verstorbenen. Viel menschlicher als ein Archivbild es sein könnte, veranschaulichen die winzigen Tonfiguren die Unmenschlichkeit des vierjährigen Terrorregimes der Roten Khmer. Mit viel Feingefühl, Humor und der erschütternden Poesie seiner Tonfiguren gibt der Filmemacher dem Zuschauer Einblick in die Verletzlichkeit des Menschen Rithy Panh. Er zeigt seinen ganz eigenen Kampf gegen das Schweigen und Vergessen, dass alle Peiniger der Welt seit jeher durchzusetzen versuchen.

Foto: arte F/© Films Distribution