Anfang der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts steckte die italienische Filmwirtschaft in der Krise. Monumentalfilme, wie sie das Publikum liebte, konnten aus Kostengründen nicht mehr finanziert werden. Zur gleichen Zeit wurde in Deutschland "Winnetou" gedreht, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde und einen Boom des Westerns auslöste. Einige Regisseure und Autoren in Italien - maßgeblich Sergio Leone, der die internationale Filmszene kannte wie kein Zweiter - entschieden sich ebenfalls für den Western, ein Genre, das bis dahin fast ausschließlich den Amerikanern vorbehalten war. Aus dem riskanten Unternehmen, Low-Budget Western zu produzieren - in europäischen Studios, in Kiesgruben, wüstenähnlichen Landschaften in der Umgebung von Rom und im spanischen Almeria - entwickelte sich ein eigenes Sub-Genre, das schnell Kult-Charakter bekam.

Vor allem, weil sich die Macher der Italo-Western bemühten, grundsätzlich alles anders zu machen, als man es vom herkömmlichen Western gewohnt war: Die Helden sind keine edlen Schützen oder Cowboys, sondern Outlaws, bezahlte Killer, Kopfgeldjäger oder schlichtweg Banditen. Es ging nicht um die Vermittlung moralischer Werte, die Verteidigung des Gesetzes oder um den Kampf gegen Indianer - Inbegriff des Bösen -, es ging um niedere Motive wie Geld ("Für eine Handvoll Dollar") oder Rache ("Spiel mir das Lied vom Tod"). Der Held war schmutzig wie seine Umgebung. Ehrenkodex oder Freundschaft waren reiner Luxus, den er sich nicht leisten konnte, wollte er überleben. Er redete kaum, handelte dafür umso mehr. Die Kunstfertigkeit an der Waffe und das skrupellose, gewissenlose Töten waren entscheidend, nicht der edle Charakter. An die 600 Italowestern entstanden in der Folgezeit. Hans-Jürgen Panitz und sein Koautor Peter Dollinger erzählen die Erfolgsgeschichte dieses Genres, das lange Zeit als "Schmuddelkino" vernachlässigt wurde und dabei großen Einfluss auf die Entwicklung des Kinos hatte. Filmausschnitte aus mehr als 30 Western und selten gezeigtes Archivmaterial widerlegen dieses Image. Außerdem kommen wichtige Protagonisten zu Wort, darunter Franco Nero, Pierre Brice und Bud Spencer.

Foto: ZDF/ORF/Movieman