"Fern von Vietnam" ist eine Gemeinschaftsarbeit von französischen Cineasten. Jean-Luc Godard, Joris Ivens, William Klein, Claude Lelouch, Alain Resnais, Chris Marker und Agnés Varda schlossen sich Anfang 1967 zu einem Kollektiv zusammen, um in gemeinsamer filmischer Aktion gegen den Vietnam-Krieg Protest einzulegen. Das Ergebnis ist dieser Film, der nicht zuletzt deshalb "Fern von Vietnam" genannt wurde, weil er weniger am Kriegsschauplatz selbst als im Bewusstsein der Koautoren stattfand. Anders als der Vietnam-Krieg, der im Fernsehen und auf der Leinwand dargestellt wurde und mit immer gleichen Dokumenten des Grauens die Reaktion des Zuschauers abstumpfte (ihn am Ende gar auf den beruhigenden Weg der Gewöhnung führte), ist dies ein Film über die Reaktionen auf Vietnam: in Westeuropa, in den USA, in Vietnam selbst.

Gezeigt wurden Versuche, gegenüber dem Kriegsereignis Haltungen zu finden und zu formulieren: Zeichen des Einverständnisses, Zeichen des Skrupels, der Verzweiflung, des Protestes. Dass dabei letztere überwiegen, versteht sich von selbst: Sinn dieses Films ist es, gegen den Krieg in Vietnam zu agitieren. Zum Teil haben die Regisseure ihr Material vorgefunden: Demonstrationen in verschiedenen Hauptstädten, ein Fernsehauftritt General Westmorelands, Agitprop-Inszenierungen in Hanoi. Einen Teil haben sie selbst geschaffen. So hat z. B. Alain Resnais die Ratlosigkeit eines französischen Intellektuellen mit einem Schauspieler in Szene gesetzt. Aus heutiger Sicht ist "Fern von Vietnam", bei aller Parteilichkeit, ein wichtiges und hochinteressantes Dokument seiner Entstehungszeit.