Alain Resnais

Immer für Überraschungen gut: Regisseur Alain Resnais Vergrößern
Immer für Überraschungen gut: Regisseur Alain Resnais
Alain Resnais
Geboren: 03.06.1922 in Vannes, Bretagne, Frankreich
Gestorben: 01.03.2014 in Paris, Frankreich

Man hat ihn den "Schönberg des neuen Films" genannt: Alain Resnais. Dieser Vergleich ist gar nicht so abwegig, denn der kultivierte, gebildete Herr, der etwas jünger wirkt, als seine Biographie ausweist, ist ein Intellektueller, auch wenn er selbst von sich behauptet, dass er seine Filme für die Masse dreht. Bevor er am Pariser IDHEC eine Ausbildung als Cutter absolviert, hat er Schauspielerei studiert. Schon seine frühen dokumentarischen Filme bewegen sich abseits der konventionellen Filmkunst.

Bis 1948 arbeitet er als Cutter, dann gibt ihm Produzent Pierre Braunberger Gelegenheit, seinen in Heimarbeit auf 16 mm gebastelten "Van Gogh"-Dokumentarfilm neu auf 35 mm zu drehen. 1950 entstehen kurz hintereinander Dokumentafilme über Gaugin und "Guernica", den Film über Picassos berühmtes Gemälde kommentiert Paul Elouard. Jetzt wird man auf Resnais aufmerksam. Mit Chris Marker dreht er "Les statues meurent aussi" (1953), eine antikolonialistische Studie über den Verfall afrikanischer Kunst. Als Resnais mit Jean Cayrol 1955 "Nacht und Nebel" dreht, wird der Film auf Einspruch der Bundesrepublik bei den Filmfestspielen in Cannes zurückgezogen: Es ist ein filmisches Requiem zur Erinnerung an die Konzentrationslager der Nazis.

Sein berühmtester Dokumentarfilm ist die Studie über die Pariser Nationalbibliothek "Toute la memoire du monde" (1957). Die große Zahl von Kurzfilmen zeichnen schon einen konsequenten Stilwillen vor: ausgedehnte Kamerafahrten, ein starker Zwang zur formalen Komposition. Stets arbeitet er mit etablierten Avantgarde-Schriftstellern zusammen wie Cayrol, Elouard und Raymond Queneau, der einen seiner Kurzfilme kommentiert. Und so ist es keine Überraschung, dass er für seinen ersten Spielfilm Marguerite Duras für das Drehbuch gewinnt. "Hiroshima mon amour" (1959) ist ein ungewöhnliches Debüt: Eineinhalb Jahrzehnte nach dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima: In der Trümmerkulisse will eine französische Filmemacherin eine Geschichte von Liebe und Krieg verwirklichen. Alain Resnais' Film beginnt mit Bildern von sich umarmenden Menschen. Auf der in Großaufnahme abgebildeten Haut sieht man bald Wasser-, bald Sandperlen: die menschliche Haut als Wüstenlandschaft. Eine sehr persönliche, poesievolle Auseinandersetzung mit dem Grauen, mit der Gewalt, mit dem Tod. Ungewöhnlich ist die Balance von Worten, Bildern, Musik, wie sich Vergangenheit und Gegenwart mischen und zu einem neuen Zeitbegriff werden.

Auch für seinen zweiten Film "Letztes Jahr in Marienbad" (1960) arbeitet Resnais mit einem Drehbuchautoren aus der Welt des Nouveau roman zusammen, für den Film Neuland ist: Alain Robbe-Grillet. Er wird übrigens später, angeregt durch die Anfänge, selbst Filme zu drehen wie Marguerite Duras. Der neue Film funktioniert nach dem gleichen Stilprinzip wie "Hiroshima, mon amour": Die Erinnerung bringt das Heute mit dem Gestern zusammen. Drei Menschen sprechen über Gefühle und Erinnerungen. Robbe-Grillet hat das sehr spröde geschrieben, Resnais macht es dem Zuschauer nicht leicht, sich durch die Gedanken-Labyrinthe und Assoziationen hindurchzufinden. Ein brillanter Dialog verbindet Vergangenes und Gegenwärtiges, Bewusstes und Unbewusstes.

Bei "Muriel - oder die Zeit der Wiederkehr" (1963) arbeitet Resnais noch einmal mit Jean Cayrol zusammen: Hier erzählt Resnais keine Geschichte, sondern zeigt assoziierte Gedanken, bebildert banale und tiefsinnige Dialoge, wobei die Arrangements die Wirklichkeit, ihr Trugbild und ihre verschiedenen Möglichkeiten erkennen lassen. Eine Mischung aus poetisch erklärter Wirklichkeit, Lügen von nicht erlebten Kriegserlebnissen. Eine realistischere Themenwahl, doch Raisnais wählt eine bruchstückhafte Schnitt-Technik, die durch Musikpartikel von Hans Werner Henze noch mehr verfremdet werden.

Um Heimat und Heimweh, um Leben in der Fremde und politische Isolation in der Fremde geht es in "Der Krieg ist vorbei" (1966) nach einem Drehbuch von Jorge Semprun. Yves Montand spielt hier einen alternden Revolutionär, der den Anschluss an die Zeit verloren hat. Ein eigenwilliger, poetisch schöner Film aus der Frühzeit der Nouvelle vague. 1967 drehte Resnais eine Episode für den kollektiven Protestfilm der jungen Franzosen "Loin de Vietnam". Dabei war sein Partner der belgische Schriftsteller Jacques Steinberg, mit dem er auch den nächsten Film "Ich liebe, du liebst" drehte. Unterhaltsames Kino war - oberflächlich gesehen - die Geschichte des Hochstaplers "Stavisky" (1974), die Resnais gemeinsam mit Jorge Semprun schrieb. Belmondo spielt den Helden, doch Resnais erzählt natürlich nicht das Abenteuer, ihm geht es vielmehr um die Hohlheit und Ödnis des Erfolgreichen, der Ende der 20er Jahre Millionen umgesetzte und sich im Glanz seines Erfolges sonnte. Doch hinter der Fassade ist dieser Held mit der roten Nelke im Knopfloch ein armer Wicht.

"Providence" (1977) lässt die Erinnerung an "Letztes Jahr in Marienbad" wachwerden. Eine Geschichte zwischen Fiktion und Wirklichkeit, zwischen Wahrheit und grotesker Phantasterei. Der Schriftsteller Clive Langham alias John Gielgud in der Nacht vor seinem 78. Geburtstag. Aus Schmerz und Todesangst betrinkt er sich, seine traumhaften Phantasien fügt er zu einem letzten Romanentwurf zusammen. In der Phantasie verbinden sich Realität und Fiktion, die Kinder spielen die Rollen, die seinen Gefühlen für sie entsprechen. Am nächsten Morgen erscheinen die Traumfiguren in ihrer realen Angepasstheit und Bürgerlichkeit. Ein Film voller Witz und Geistesblitze in prächtigen Farben.

Ein eher warmherziger, humorvoller Film ist "Mein Onkel aus Amerika" (1980): Drei Lebensläufe und parallel dazu die Ansichten eines Verhaltensforschers dienen als Spielmaterial für verschiedene Theorien. "Das Leben ist ein Roman" (1983) ist eine verspielte, originell intonierte und verschachtelte Komödie um das ewige Streben nach Glück, Liebe und Fortschritt. "Mélo" (1986) erzählt von dem Violinvirtuosen Marcel, der seinen weniger erfolgreichen Freund und Kollegen Pierre besucht, der offensichtlich ein sehr glückliches Eheleben führt. Marcel erzählt von seiner unglücklichen Liebe, von der Frau, die ihn so schrecklich betrog. Damit beginnt ein grotesk bitteres Spiel, an dessem Ende die Lüge über die Wahrheit siegt.

Resnais nahm hier den Begriff "Farbfilm" wörtlich, er spielt mit verschiedenen Farbtönen, vom roten Bühnenvorhang zu Beginn und am Ende über den samtblauen Sternenhimmel bis zu den grauen und braunen Tönen, die - je nach Stimmung - das Bild beherrschen. Durch die Farben - mehr als durch das Spiel - wird das Meldodram immer wieder rücksichtslos seiner Emotionalität beraubt. "I Want to Go Home" (1989) ist ein ganz eigenwillig komische Farce über einen amerikanischen Cartoonisten in Paris und die Liebe der Franzosen zur amerikanischen Kunst, über Sprachlosigkeit und Geschwätz, über die Kunst, die über Sprachbarrieren hinwegführt.

"Smoking - No Smoking" (1993) sind zwei Filme, die mit dem Gedanken spielen, ein Leben zweimal leben zu können und damit einmal gemachte Fehler zu revidieren. Die Doppelbödigkeit, was geschah - was hätte geschehen können, wenn... - war bereits Resnais Thema in "Letztes Jahr in Marienbad". Diesmal wird gefragt: Nehme ich eine Zigarette oder nicht? - und die Frage wird in den beiden Filmen unterschiedlich beantwortet. Im dörflichen Milieu angesiedelt, rangt sich das Zwei-Personen-Stück um Menschen unterschiedlicher Art, dabei liefert das Schauspieler-Duo Sabine Azéma und Pierre Arditti ein verblüffendes Spiel mit sehr unterschiedlichen Gesten und Bewegungen. Am Ende des fast fünfstündigen Doppelfilms hat man kaum den Eindruck, so lange im Kino - oder vor dem Bildschirm - gesessen zu haben.

Dagegen erhob Resnais in der gelungenen Gesellschaftskomödie "Das Leben ist ein Chanson" (1997) den Titel zum Programm, während die mit drei Césars ausgezeichnete Komödie "Pas sur la bouche" (2003) wieder einmal die menschlichen Verkettungen und Beziehungen im Paris der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts zeigte. 2006 legte Resnais sein amibitioniertes Alterswerk "Herzen" vor, in dem er einmal mehr mit gewohnt guter Besetzung über die Liebeswirren von sechs Personen im zeitgenössischen Paris reflektierte. Und ebenfalls gelungen war sein Drama "Vorsicht Sehnsucht" (2009). Alain Resnais starb am ersten März 2014 im Alter von 91 Jahren im Kreise seiner Familie.

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