Betty, die alleinerziehende Mutter der 15-jährigen Elise, ist sich ihrer Rolle als Elternteil nicht ganz so bewusst, wie sie es sich sein müsste. Während sie in ihrem Job als Krankenschwester durchaus überzeugen kann, versagt sie als Erziehungsberechtigte vollkommen. Sie flüchtet sich in Alkohol, Partys und One-Night-Stands. Dabei verliert sie ihr Leben und den Kontakt zu ihrer Tochter komplett aus den Augen. Das Verhalten ihrer Mutter zwingt Elise währenddessen dazu, schnell erwachsen zu werden. Sie kümmert sich nicht nur um den Haushalt, sondern behält auch die Finanzen im Blick. Eine Flucht aus der Realität gelingt ihr nur dann, wenn sie sich ans Klavier setzt und sich in der Musik verliert. Als Betty Ludwig kennenlernt, ändert sich alles für das ungleiche Duo ...

Wolfgang Dinslage liefert mit seinem Mutter-Tochter-Drama ein durchaus gelungenes Regiedebüt ab. Dank der differenzierten Zeichnung der Charaktere entwickelt sich die Story nicht zu einer Ansammlung stereotyper Plattitüden, sondern lässt ausreichend Platz für Nuancen und Überraschungen. Die gut aufspielenden Darsteller - allen voran Jasna Fritzi Bauer - sorgen dafür, dass die Geschichte interessant und unterhaltend bleibt und nicht auf ein Sozialdrama mit pädagogischem Mehrwert reduziert wird. Bauer, die hier sehr gekonnt und durchaus überzeugend den Part der 15-jährigen Elise übernimmt, wurde 1989 in Wiesbaden geboren. Zuvor punktete die Aktrice als junge Ausreißerin Stella in Christian Petzolds "Barbara" (2012) und spielte sich als Mädchen mit Tourette-Syndrom in "Ein Tick anders" (2011) in das Gedächtnis der Zuschauer und die Herzen der Kritiker.



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