Irgendwo im süditalienischen Apulien im heißen Sommer des Jahres 1978: Die Sonne brennt vom tiefblauen Himmel, das Leben scheint paralysiert. In einem winzigen Dorf inmitten der ausgedehnten Kornfelder stehen ein paar Häuser. Die Erwachsenen versuchen der Hitze zu entgehen, die Kinder jagen der Abwechslung hinterher, sehnen sich nach Abenteuern. Hier lebt der neunjährige Michele (Giuseppe Cristiano, Foto) mit seiner Schwester Maria und den Eltern. Als er mit Freunden an einem verlassenen Gutshaus spielt, entdeckt er im Erdboden ein tiefes Loch. Er schaut neugierig hinein, und in der Dunkelheit macht er eine blasse, menschenähnliche Gestalt aus. Michele erschrickt und sucht das Weite. Doch das Wesen im Loch lässt ihm keine Ruhe, er kehrt zurück und erkennt die Wahrheit. Wie ein Hund wird ein Junge in der Grube gefangen gehalten, spricht wirr und ist der festen Überzeugung, schon tot zu sein. Michele wagt nicht, mit jemandem darüber zu reden, versorgt den Wolfsjungen mit Wasser und Brot. Bald kommt Michele der furchtbaren Wahrheit auf die Spur ...

Mit diesem atmosphärisch dicht inszenierten Drama stellt Oscar-Preisträger Gabriele Salvatores ("Mediterraneo") einmal mehr die Vielfältigkeit seines Schaffens unter Beweis. In poetischen Landschaftsbildern und stimmungsvollen Szenarien fängt er den schmerzhaften Prozess des Erwachsenwerdens ein. Er preist den Mut des Einzelnen, für Gerechtigkeit einzustehen und skizziert kritisch das ökonomische Gefälle zwischen Nord- und Süditalien. "Ich habe keine Angst" war 2003 im Wettbewerb der Berlinale zu sehen und lief in Italien mit großem Erfolg bei Publikum und Kritik. Bei der Vergabe des italienischen Oscars David-di-Donatello 2003 war das Drama nach dem Roman "Die Herren des Hügels" von Niccolò Ammaniti einer der großen Gewinner und wurde unter anderem für Regie, Nebendarsteller und Bildgestaltung prämiert.

Foto: Kinowelt