"Da ist mir der Boden unter den Füßen weggezogen worden", sagt man, wenn's knüppeldick kommt. Der Volksmund weiß, wovon er spricht. Passiert es nicht alle Tage, dass sich das Schicksal urplötzlich auf breiter Front gegen einen Menschen wendet? Und ihm, wie Hiob im Alten Testament, jegliches Glück zerstört? Was damals im Lande Uz zwischen Gott und Satan ausgemacht wurde, spielt sich heute im Lande Internet ab, in der Welt der Daten, die eben nicht nur rasend zirkulieren, sondern auch geklaut und missbraucht werden. "Im Netz" beginnt mit einem Überfall, Schlag zwei Uhr nachts. Eine Unternehmensberaterin (Caroline Peters) schlummert an der Seite ihres Freundes, als die Schlafzimmertür aufgetreten wird. Lichtstrahler blenden, Kommandos ertönen. Die Polizei ist nicht zimperlich. Abführen, beide!

Damit beginnt für Caroline Peters, bekannt auch als Mord mit Aussicht, eine Opfer-Odyssee in die totale Machtlosigkeit. Im Verhör erfährt sie: Von ihrem Konto und unter ihrem Namen werden Waffengeschäfte getätigt; mit ihrem Geld sind Wohnungen angemietet worden, die sie nicht kennt. Sie steht unter Verdacht, islamistischem Terror zuzuarbeiten. Dass sich eine fremde Person ihrer Identität bedient, wie kann das angehen? Dass sie über Laptop, Handy und Postkasten ausgespäht wird, unglaublich, aber wahr. Ihre Existenz schrumpft auf Marionettengröße. Irgend jemand führt sie am Seil. Hast du deine Identität verloren, hast du alles verloren. Wer kann helfen? Die Polizei misstraut ihr auf Schritt und Tritt. Der Freund? Versucht ihren Fall für sich auszuschlachten. Der nette Kollege? Erweist sich als Schwein. Der Chef? Schmeißt sie raus. Ein Nachbar? Benimmt sich verdächtig. Bleibt nur eine, sie selbst. So gerät eine Frau, deren Welt gestern noch in Ordnung schien, in Hiob'sche Not – und in einen Kampf um die Heimkehr zum verlorenen Ich. dh

Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen