Prag im Jahre 1919: Düstere Gassen mit Kopfsteinpflaster, kaum Fahrzeuge, das alte Schloß, dessen Silhouette bedrohlich über der Stadt zu stehen scheint, finstere Gebäude, schemenhafte, angsteinflößende Gestalten, Schatten die vorüber schleichen. In dieser Welt versucht sich Kafka, ein Versicherungsangestellter, zurechtzufinden. Tagsüber spielt er den Bückling in der Firma und des Nächtens betätigt er sich als Schriftsteller. Als ein Kollege durch mysteriöse Umstände zu Tode kommt, recherchiert Kafka auf eigene Faust, da er der offiziellen Selbstmordtheorie keinen Glauben schenkt...

Der Film stellt die These auf, dass Kafka infolge eigener Erlebnisse seine finster-makabren Surrealitäten niederschrieb. Doch dies ist natürlich keine Biographie des Schriftstellers. Soderbergh ging es offensichtlich eher um die Neuerschaffung einer farblosen Welt des Expressionismus der Stummfilmzeit, der Düsternis von Carol Reeds "Der dritte Mann" und Terry Gilliams "Brazil". Außerdem arbeitet er mit Versatzstücken von - logischerweise - Kafka, aber auch Alfred Hitchcock, M.C. Escher, Rodchenko und dem russischen Konstruktivismus. Bis auf eine Farbsequenz im Schloss bietet der Film beeindruckende Schwarz/Weiß-Bilder - wer Prag kennt, weiß, wie einen die zeitlich scheinbar eingefrorene Stadt in ihren Bann ziehen kann. Ab und an wirken allerdings einige Andeutungen bzw. Zitate auf die ohnehin offensichtlichen Vorbilder (der Name Dr. Murnau, die Akte Orloc) recht plakativ. Leider zeigt Alec Guinness als Versicherungschef wenig von seiner einstigen Größe und der Niederländer Jeroen Krabbé bekam als Kafkas Fan, der immer wie ein Schutzengel hilfreich an der richtigen Stelle erscheint, eine mitunter lachhafte Rolle. Insgesamt ist dies aber ein kineastisch visuelles Vergnügen, wie es heutzutage immer seltener präsentiert wird.

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