Australien im Jahr 1900: Im vornehmen Mädchenpensionat von Mrs. Appleyard werden nur Bewerberinnen aus sehr gutem Hause aufgenommen. Unter der strengen Aufsicht der Direktorin lernen sie dort, wie sich eine Frau in der viktorianischen Gesellschaft zu benehmen hat. Am Valentinstag veranstaltet das Pensionat einen Ausflug zum Hanging Rock, einer bizarren Felsformation im australischen Busch, die die Aborigines als Heiligtum verehren. In ausgelassener Stimmung lässt sich die Gruppe in Sichtweite der Felsen nieder. Unter strengen Ermahnungen brechen die drei ältesten Mädchen Irma, Marion und die schöne Miranda zu einer kleinen Wanderung auf. Die jüngere Edith und eine Lehrerin schließen sich ihnen an. Stunden später kehrt Edith allein zum Rest der Gruppe zurück - aufgelöst, verwirrt und ohne sich an etwas erinnern zu können; die anderen bleiben verschwunden. Tagelange Suchaktionen sind erfolglos. Schließlich finden zwei junge Männer die bewusstlose Irma in den Felsen. Auch sie kann sich an nichts erinnern...

Regisseur Peter Weir verfilmte hier den Bestsellerroman von Joan Lindsay, wobei er mit Erklärungen spart und vieles offen lässt. Wichtiger als grelle Effekte und Auflösung sind ihm unterschwellige Stimmungen und schwelende Konflikte, die das Klima in der strengen viktorianischen Erziehungsanstalt prägen. Autorin Joan Lindsay, die 1984 starb, hatte testamentarisch verfügt, dass das erklärende Schlusskapitel ihres Romans erst am dritten Valentinstag nach ihrem Tod veröffentlicht werden durfte. Die unheimliche Stimmung in "Picknick am Valentinstag" ist hauptsächlich das Werk von Kameramann Russell Boyd, der für seine hervorragenden Aufnahmen mehrere Auszeichnungen erhielt, darunter den britischen BAFTA. Boyd spielt förmlich mit der gleißenden australischen Mittagssonne und den hellen, viktorianischen Gewändern der Schülerinnen und lädt die scheinbar idyllischen Bilder mit knisternder Spannung auf. Der Bezug zwischen der erwachenden, vom prüden Zeitgeist unterdrückten Sexualität der Mädchen und der urwüchsigen-unheimlichen Kraft der wilden Natur wird betont, indem Traumsequenzen und Naturbilder ineinander übergehen und die Grenze zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwimmt.

Foto: arte F/Mc Elroy & Mc Elroy