Jean Seberg

Jean Dorothy Seberg
Geboren: 13.11.1938 in Marshalltown, Iowa, USA
Gestorben: 31.08.1979 in Paris, Frankreich

Schon als 19-jährige wird Jean Seberg von der Schule weg für die Titelrolle in Otto Premingers Film "Die heilige Johanna" (1957) nach dem Theaterstück von George Bernard Shaw engagiert. Auf einen Schlag ist sie berühmt. Ein Jahr später heiratet sie François Mareuil, von dem sie schon 1960 geschieden wird. 1958 spielt sie - wieder bei Preminger - in "Bonjour Tristesse", einer damals von den Amerikanern als skandalös empfundenen Françoise-Sagan-Verfilmung. Hier vereitelt sie als verwöhntes Mädchen die Heirat ihres Vaters und verursacht den Selbstmord seiner Geliebten.

Ganz anders ist die nächste große Rolle: 1959 besetzt sie Jean-Luc Godard in "Außer Atem" mit Jean-Paul Belmondo. Dieser ungewöhnliche Gangsterfilm hat wie kaum ein anderes Werk Filmgeschichte geschrieben. Er erzählt auf locker assoziative Weise die Geschichte eines kleinen Gangsters, der mit dem Aussehen des netten Jungen von nebenan kaltblütig ein Auto knackt und einen Polizisten erschießt. Er kreuzt bei einer alten Freundin auf, bestiehlt sie und versteckt sich in Paris bei einer kleinen Amerikanerin (Jean Seberg). Sie verliebt sich in ihn, liefert ihn aber dennoch der Polizei aus. Auf dem Nachttisch steht ein Bild von Humphrey Bogart, und auch sonst ist die Bewunderung für den film noir unverkennbar.

Der britische Film "Die Maus, die brüllte" entsteht ebenfalls 1959 und zeigt Jean Seberg wieder von einer anderen Seite. B-Regisseur Jack Arnold inszeniert den Film mit Peter Sellers. In einem fiktiven Zwergherzogtum hat der pfiffige Premierminister eine blendende Idee: Da die US-Regierung dafür bekannt ist, ihren Besiegten großzügige Anleihen zu machen, beschließt man, New York zu überfallen und den Krieg zu verlieren, um damit dem verarmten Ländchen zum Wohlstand zu verhelfen. Doch der Plan mißlingt: der Überfall erfolgt während einer Luftschutzübung, die Agressoren siegen und erbeuten die gefährliche Q-Bombe. Und Feldmarschall Tully verliebt sich in Jean Seberg, das Töchterchen des Wissenschaftlers. Die kuriose Story beruht auf einem Roman von Leonard Wibberley.

Jean Seberg spielt in den unterschiedlichsten Rollen bei ganz unterschiedlich motivierten Regisseuren. Jean Becker, der Sohn des großen Jacques inszeniert 1964 "Der Boß hat sich was ausgedacht" mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg und Gert Fröbe. Becker verläßt sich in seinen ersten Filmen allein auf den Namen des Vaters und auf seine Stars. Es gibt eine Reihe hübscher Einfälle, die Story hat Esprit; doch die Inszenierung und auch die Schauspielführung bleiben weit hinter dem vergnüglichen Kriminalstoff zurück.

Dann kommt Robert Rossens "Lilith" (1964), das schwerblütige Melodram nach dem Roman von J. R. Salamanca: Das psychisch gestörte Mädchen Lilith verführt ihren Betreuer, der selbst irre wird. Eine großartige Rollengestaltung, doch wie bei "Die heilige Johanna" gibt es noch nicht einmal eine Oscar-Nominierung.



"Diamantenbillard" (1965) von Nicolas Gessner ist eine subversive Attacke auf die heiligsten Gesetze unserer Ordnung. 1966 folgt Jean Sebergs erste Zusammenarbeit mit Claude Chabrol in "Die Demarkationslinie" als Ehefrau von Maurice Ronet. Chabrol und Ronet versuchen sie auch für "Champagnermörder" zu engagieren, doch sie steht nicht zur Verfügung: Von ihrem zweiten Mann, dem Schriftsteller Romain Gary (1963 bis 1969) wird sie für den Film "Vögel sterben in Peru" engagiert.

Chabrol holt Jean Seberg zurück für "Straße von Korinth", wieder mit Maurice Ronet als Partner. Der Film wird von der Kritik zerfetzt, vom Publikum nicht verstanden - doch es ist eine wunderbare Arbeit, eine Gangster-Groteske zwischen antiken griechischen Säulen, mit Kolportage-Gangstern und Abziehbild-Polizisten und Jean Seberg als Heldin, die sich zwischen all dem behauptet.

Danach spielt sie bei Joshua Logan in dem Musical "Westwärts zieht der Wind" (1969) und in dem Katastrophenfilm "Airport" (1969) von George Seaton neben Burt Lancaster, Dean Martin, und Jacqueline Bisset. "Macho Callahan" (1970) heißt ein Film von Bernard L. Kowalski mit David Janssen, Lee J. Cobb, und David Carradine. Die schöne Witwe Jean Seberg erleidet ein seltsames Schicksal: Auf der Jagd nach dem Mörder ihres Offiziers-Gatten merkt sie nach einigen Umwegen, daß dieser Mann mehr wert ist als der tote Held. Sie verliebt sich in ihn, verliert ihn aber an die Kopfgeldjäger, die sie ihm auf den Hals gehetzt hat und die natürlich kassieren wollen.

In "Andersons Rache" (1974) von Daniel Petrie verlässt sie als Ehefrau von Kirk Douglas mit dem gemeinsamen Sohn Haus und Ehe. Der Verlassene gerät ganz schön aus der Fassung, begeht gar einen Mord und versucht, sie in die Gewalt zu bekommen. Ein bißchen oberflächlich erzählt der Film die Psychoprobleme eines vormals ganz normalen Bürgers, der Amok läuft. 1974 versucht sie sich vergeblich als Regisseurin mit "Ballade für Billy the Kid". Danach spielt sie in Henrik Ibsens "Die Wildente" (1976) unter der Regie von Hans W. Geissendörfer neben Anne Bennent und Bruno Ganz.

Das bleibt Jean Sebergs letzte Rolle. Sie engagiert sich für die "Black Panther"-Bewegung, gerät ins Kreuzfeuer der Kritik, wird vom FBI verfolgt, verliert ein ungeborenes Kind und stirbt 1979 in Paris an einer Überdosis Schlaftabletten. Sie wurde tot in ihrem Wagen gefunden.

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