Mike Leigh

Fängt den britischen Alltag ein: Mike Leigh in jungen Jahren Vergrößern
Fängt den britischen Alltag ein: Mike Leigh in jungen Jahren
Mike Leigh
Geboren: 20.02.1943 in Salford, Greater Manchester, England, Großbritannien

Mike Leigh zählt zu den bekanntesten und meist geschätzten Filmregisseuren und Drehbuchautoren unserer Zeit. Diesen außerordentlichen Ruf erwarb er sich durch seine unkonventionellen und höchst eindringlichen filmischen Porträts sogenannter einfacher Menschen aus der "working class", die sich tapfer durch ihren harten Alltag kämpfen. Sein künstlerisches Credo heißt "Realismus". Der unverwechselbare Stil seiner Arbeiten ist der Effekt von Leighs charakteristischer Herangehensweise: Er dreht seine Filme ohne ein detailliert ausgearbeitetes Skript. Auf diese Weise weiß er nie, wie seine Geschichten enden werden, bis zu dem Zeitpunkt, wo die letzte Klappe fällt.

Obwohl Leigh seinen ersten Film bereits im Alter von 29 Jahren drehte, begann er seine Karriere als Schauspieler. Nachdem er seine Ausbildung an der Londoner Royal Academic of Art sowie an der London Film School absolviert hatte, wirkte er zunächst in einigen Bühnenproduktionen mit, unter anderem in "The Box Play" und "Bleak Moments". Dann, im Jahr 1971, drehte Leigh seinen ersten Kinofilm, "Freudlose Augenblicke", eine Adaption des gleichnamigen Theaterstücks, in dem er zuvor als Darsteller zu sehen war. So begeistert die Kritik den ambitionierten Erstling aufnahm, so wenig fand er Anklang beim Publikum. Trotz enthusiastischer Rezensionen mündete das Projekt somit unvermeidlich in ein großes finanzielles Desaster. Enttäuscht aber keineswegs resigniert wandte sich der Regisseur daraufhin dem Fernsehen zu und realisierte die erfolgreichen TV-Filme "Meantime" und "Four Days in July".

Erst 1988 kehrte Mike Leigh mit "Hohe Erwartungen" zum Kino zurück. Der Steifen, der in bestechender Weise das Lebensgefühl im England der späten Achtzigerjahre einfängt, wurde auf dem Filmfestival von Venedig prompt mit dem Kritiker-Preis ausgezeichnet. An diesen Erfolg konnte 1990 "Das süße Leben", die einfühlsam erzählte Lebensgeschichte einer ängstlichen und von Selbstzweifeln geplagten Frau, anknüpfen. Nicht nur Hauptdarstellerin Jane Horrocks erhielt für ihre großartige Leistung darin zahlreiche Preise, auch Leigh selbst heimste für seine Regie viel Kritikerlob ein.

Der endgültige Durchbruch als Regisseur gelang Leigh 1993 mit dem Film "Nackt", der auf dem Filmfest in Cannes mit der begehrten Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus wurden Leigh und Daniel Thewlis an der Cote d'Azur mit den Preisen für die beste Regie beziehungsweise für den besten Hauptdarsteller prämiert. Nicht nur den Beifall der Kritik, sondern endlich auch den des Publikums erntete der Regisseur 1996 mit seiner Tragikomödie "Lügen und Geheimnisse". Der Film erzählt die bewegende Geschichte einer jungen Frau, die sich nach dem Tod ihrer Adoptiveltern auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter macht. Die internationale Aufmerksamkeit, die "Lügen und Geheimnisse" erlangte, dokumentiert sich eindrucksvoll anhand der zahlreichen Ehrungen, die ihm zuteil wurden. Dazu zählen eine Goldene Palme sowie fünf Oscar-Nominierungen in den Kategorien bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, beste Hauptdarstellerin (Brenda Blethyn) und beste Nebendarstellerin (Marianne Jean-Babtiste). Als beste Schauspielerin nahm Brenda Blethyn überdies einen Golden Globe und den Jury-Preis des Filmfestivals von Cannes entgegen.

Nachdem auch Leighs nächstes Projekt, "Karriere Girls" (1997) nicht nur vom Fachpublikum positiv aufgenommen worden war, wagte sich der Regisseur mit der biographischen Komödie "Topsy-Turvy - Auf den Kopf gestellt" (1999), insofern auf Neuland, als er damit erstmals seinen traditionellen realistischen Stil in Richtung auf mehr offene, experimentelle Erzählformen modifizierte. "Topsy-Turvy" spielt im England des späten 19. Jahrhunderts und zeichnet die Lebens- und Erfolgsgeschichte des Komponistenduos Gilbert und Sullivan nach. Die Handlung wird immer wieder durch musikalisch-gesanglich untermalte szenische Einlagen unterbrochen, so dass der Streifen sich sehr stark dem Genre des Musical-Films annähert. Neben zwei Nominierungen für das beste Original-Drehbuch und die beste Ausstattung heimste "Topsy-Turvy - Auf den Kopf gestellt" bei den 72. Academy Awards im Frühjahr 2000 zwei goldene Trophäen für die besten Kostüme und das beste Make-up ein.

Weitere Filme von Mike Leigh: "All or Nothing" (2002), "Vera Drake" (2004, mit dem Goldenen Löwen von Venedig ausgezeichnet), "Happy-Go-Lucky", "Another Year" (2010).

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