London, um 1825: Der kompromisslose Kunstmaler William Turner gilt als exaltierte Persönlichkeit und Sonderling seiner Zunft. Vor allem seine für jene Zeit ungewöhnlichen Landschaftsbilder werfen in der Kunstwelt ihre Schatten voraus.

Doch privat ist es im Leben des Künstlers nicht so rosig bestellt. Er lebt nicht etwa mit seiner Frau und den Töchtern zusammen, sondern mit seinem Vater und der Haushälterin, deren Verehrung und Zuneigung er schamlos für seine sexuellen Gelüste auszunutzen weiß. Neben seinem Handwerk widmet sich der eigenwillige Zeitgenosse Bordellbesuchen und längeren Reisen.

Außerdem umgibt sich gerne mit adligen Nichtsnutzen, wenn er nicht gerade mal wieder in der Royal Academy of Arts großspurig Kollegen bloßstellt. Als er incognito in die Küstenstadt Margate reist, beginnt er dort eine heimliche Affäre mit seiner Zimmervermieterin. Der Tod seiner Vaters treibt den ruhelosen Künstler schließlich in eine tiefe Sinnkrise ...

Phänomenale, bildgewaltige Künstlerbiografie

Der renommierte britische Filmemacher Mike Leigh (mit dem Sozialdrama "Lügen und Geheimnisse" gewann er 1996 in Cannes die Goldene Palme) widmete sich diesmal keinem ungeschminkten zeitgenössischen Sozialthema wie in "Nackt", "All or Nothing" oder "Happy-Go-Lucky", sondern liefert eine phänomenale, bildgewaltige Künstlerbiografie über Joseph Mallord William Turner (1775 - 1851), den Vorreiter des Expressionismus.

Dabei konzentrierte er sich auf die letzten 25 Lebensjahre des anarchischen Maler-Genies, tauchte mit aufwändigen Kostümen ins 19. Jahrhundert und zeichnete mit einer exzellenten Kamera von Dick Pope das atemberaubende Bild einer ruhelosen Künstlerseele, die auch die Gefahr nicht scheut, wenn es darum geht, die Kraft der Elemente am eigenen Leib zu erfahren (Turner ließ sich bei einem gewaltigen Sturm auf See an einen Schiffsmast binden).

Ein paar Handlungssprünge

Mit Timothy Spall fand Leigh einen der wohl besten britischen Schauspieler, der die Rolle des begnadeten Landschaftsmalers grandios auszufüllen weiß. Lediglich ein paar Handlungssprünge wirken manchmal etwas kantig und lassen nur erahnen, um wie viele Jahre der Protagonist nun gealtert sein soll.