Kaum ein anderer Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat die eigene Existenz so ausschließlich zu seinem Thema gemacht wie der am 5. Juni 1998 verstorbene Dieter Roth. Er setzte alle verfügbaren Medien ein und kombinierte sie miteinander, um der Vergänglichkeit und Fülle des Lebens Ausdruck zu verleihen. Sein Werk wurde so zu einem überbordenden Universum aus Büchern, Zeichnungen, Druckgraphiken, Fotos, Videos, Bildern und Objekten, die organische Materialien und Alltagsgegenstände wie selbstverständlich mit einbezogen. Dass die eigene Realität sich durch die Ordnungssysteme der hohen Kunst ebenso wenig direkt vermittelt wie durch jene der Sprache, wurde zu Roths Hauptthema und verbindet ihn mit anderen alternativen Positionen der Sechziger- und Siebzigerjahre.

Dieter Roth trat in eigenen Videos auf, als Performer oder Selbstdarsteller seines Alltags. Diese Dokumente und die Werke bilden Mitte und Ausgangspunkt, sie führen an die Schauplätze seines Wirkens und zu seinen Mitarbeitern, Weggefährtinnen und Weggefährten - auch sie sind in Dokumenten festgehalten. Sie erzählen und erinnern aus dem Heute an schöpferische, wilde, zärtliche und traurige Augenblicke mit Dieter Roth. Hauptperson ist sein Sohn Björn, er hat die letzten zwanzig Jahre zusammen mit seinem Vater gearbeitet.