Theo Van Gogh

Theo Van Gogh
Geboren: 23.07.1957 in Wassenaar, Süd-Holland, Niederlande
Gestorben: 02.11.2004 in Amsterdam, Niederlande

Auch wenn sich der niederländische Regisseur, TV-Macher und Kolumnist Theo Van Gogh nur als "entfernter Verwandter" des großen niederländischen Malers Vincent van Gogh (1853-1890) ausgab, so war er tatsächlich der Urenkel von Vincents Bruder Theo van Gogh (1857-1891).

Van Gogh wurde in Wassenaar nahe der Regierungsstadt Den Haag geboren und entschied sich, nachdem er sein Jurastudium abgebrochen hatte, eine Laufbahn als Regisseur einzuschlagen. Sein Debüt war der eigenwillige Schwarzweiß-Film "Luger" (1982). Darin nimmt der faschistische Psychopath Chris Luger eine schwachsinnige Millionärstochter als Geisel. Doch der reiche Vater weigert sich, Lösegeld zu zahlen. Van Goghs Werk stieß teilweise auf große Ablehnung, weil hier der Frauen- und Tiere-Hasser Luger etwa auch junge Katzen in eine Waschmaschine steckt.

Van Gogh machte sich schnell einen Namen als typischer Darstellerregisseur, denn die Qualität seiner Filme besteht vornehmlich darin, ungeahnte Fähigkeiten aus Schauspielern herauszuholen. So sind in seinen Filmen die Geschichte und die Schauspieler stets wichtiger als die filmische Umsetzung. So sehr er sich in Kolumnen und Debatten möglichst provokant gebar, so liebenswürdig gab er sich laut Mitarbeitern am Dreh-Set, auch wenn Van Gogh selbst dieses Verhalten als "reinen Opportunismus" bezeichnete, denn "Schauspieler geben nur ihr bestes, wenn sie liebevoll behandelt werden".

Zunächst ließ Van Gogh geschickt auf einen schockierenden Film eine sittsame Literaturverfilmung folgen. So drehte er nach "Luger" die Heere-Heeresma-Verfilmung "Een dagje naar het strand" (1984), in der ein Vater mit seiner leicht behinderten Tochter einen Tag am Strand verbringt und allerlei seltsame Gestalten trifft. In "Charley" (1986) hingegen ist eine Serienmörderin mit Inzestvergangenheit die Hauptfigur. "Terug naar Oegstgeest" (1987) basiert auf drei Kurzgeschichten des berühmten Schriftstellers Jan Wolkers ("Türkische Früchte") und erzählt Episoden aus den Dreißiger- und Vierzigerjahren. Bei Van Goghs nächstem Projekt, dem sadomasochistisch geprägten "Loos" (1989), zog der Sender Veronica seine Beteiligung zurück. Hier gerät Rechtsanwalt und Strafverteidiger Loos nach einem Lustmord in die Unterwelt von Rotterdam und findet heraus, dass sein Mandant vielleicht doch nicht so unschuldig ist, wie er sich gibt. Durch eine mysteriöse Schönheit gerät Loos immer tiefer in einen Sumpf aus Sex, Lügen und Verbrechen.

Ab den Neunzigerjahren schien sich Van Gogh eher auf spannende Beziehungsfilme zu konzentrieren, wobei er meist auf Geschichten von Schriftstellern wie Theodor Holman, Justus van Oel und Tomas Ross zurückgriff. "Vals licht" (1993) nach dem Roman von Joost Zwagerman bezeichnete Van Gogh selbst als missglücktes Werk: Hier geht es um einen Studenten, der eine Wohnung im Nuttenviertel bekommt, bald von einer dubiosen Hure im Fenster fasziniert ist und mit ihr, nachdem er ihr nach einer Misshandlung helfen konnte, ein Verhältnis beginnt. Doch da der Student mehr über ihre Vergangenheit wissen will, muss er sich schon bald mit finsteren Gestalten abgeben.

Mit "06" (1994), der Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Johan van Doesburg über eine Telefonsex-Beziehung, die aus dem Ruder läuft, gelang Van Gogh ein beachtenswerter finanzieller Erfolg. So avancierte das Werk 1994 in den Niederlanden zu dem erfolgreichsten Streifen aus eigenem Land. Mit "Blind Date" (1996) gelang Van Gogh ein weiterer Erfolg, der sogar mit drei Goldenen Kälbern (Beste Regie, bester Schauspieler - Peer Mascini - und beste Schauspielerin - Renée Fokker) gekürt wurde. In diesem Film geht es um ein Paar, das die gemeinsame dreijährige Tochter verliert und fortan gemeinsam und gegeneinander mit dieser Tatsache umzugehen versucht. Mit "Hoe ik mijn moeder vermoordde" (1996) lieferte Van Gogh dann einen Beitrag zur Sterbehilfe, der fast wie ein Dokumentation wirkt: "Het Parool"-Kolumnist Theo Holman besucht mit seiner Freundin seine sterbenskranke Mutter, die schon kurz nach der Ankunft um Sterbehilfe bittet.

Die zunächst als sarkastische Comedy-Serie fürs Fernsehen konzipierte Reihe "Au" (1997) wurde nie gesendet. Van Gogh versuchte aus dem Material einen Kinofilm zu montieren, doch auch dort fand das Werk nicht statt. So erfuhr die Filmversion nur eine Veröffentlichung auf Video. Auch das nachfolgende Werk "De Pijnbank" (1998) erwies sich trotz namhafter Besetzung (Paul de Leeuw, Jack Wouterse, Roeland Fernhout) als Flop. Hier geht es um Bankangestellte, die sich in ihrer Filiale das Leben zur Hölle machen. In dem Thriller "Baby Blue" (2001) bekommt ein Ehepaar mit einem amerikanischen Fotografen und seiner wesentlich jüngeren Freundin neue Nachbarn. Der Mann beginnt schon bald mit der jungen Nachbarin eine fatale Affäre.

"De nacht van Aalbers" (2001) ist ein Polit-Thriller über den PvdA-Vorsitzenden Frits Aalbers, der in einen mysteriösen Mord verwickelt wird. Um der politischen Karriere nicht zu schaden, versucht er die Wahrheit zu vertuschen. Doch eine ambitionierte Journalistin (Kim Van Kooten) kommt ihm auf die Schliche. In der TV-Serie "Najib en Julia" (2002) geht es um die unmögliche Liebe zwischen einem Hockey-Mädchen aus Den Haag und einem marokkanischen Pizza-Kurier. In dem ungewöhnlichen Werk "Das Interview" (2003) spielt sich TV-Star Katja Schuurman ("Costa") selbst. Sie wird von einem renommierten Journalisten in ihrer Wohnung interviewt, obwohl der eigentlich keine Lust dazu hat. So gerät das Interview bald aus dem Ruder und entwickelt eine ungeahnte Eigendynamik. Obwohl dieser Film nur 8000 Besucher hatte, plante Van Gogh eine US- und eine Indien-Variante des Themas, die er selbst verfilmen wollte. Für die US-Version war niemand geringeres als Madonna vorgesehen. Doch daraus wurde nichts mehr.

Meist waren Van Goghs Filme Low-Budget-Produktionen, was sich erst nach seinen Erfolgen "06" und "Blind Date" änderte. Denn danach fand sich etwas leichter ein Geldgeber für seine Projekte. In dem Kurzfilm "Submission" (2004) setzt sich Van Gogh mit dem Koran und der frauenverachtenden Auslegung von einigen Moslems äußerst kritisch auseinander. Hierin geht es um eine Frau, die gegen ihren Willen verheiratet wird und nach der Vergewaltigung durch ihren Schwager als untreue Ehefrau - nachdem ihr Koranverse auf die Haut geschrieben wurden - verstoßen wird. Nach der Ausstrahlung des Films wurden Morddrohungen gegen Van Gogh ausgesprochen und der Regisseur wurde kurzzeitig unter Polizeischutz gestellt.

Mit "Cool" (2004) lieferte Van Gogh seinen Beitrag über kriminelle Jungendbanden. Hier übernahm erneut Katja Schuurman eine Rolle, die hier ein wohlbetuchtes Mädchen spielt, das sich nur aus Thrill den Gangsterkreisen anschließt. Danach inszenierte Van Gogh "Ter Ziele", ein Werk über zwei Ambulanz-Fahrer, die über das Leben, die Frauen usw. philosophieren, wenn sie nicht gerade wieder durch einen Einsatz daran gehindert werden. Van Goghs letztes, von ihm selbst beendetes Werk ist der Streifen "Der sechste Mai", der die Ermordung des populären Rechtspolitikers Pim Fortuyn thematisiert und den Mord in einer Mischung aus dokumentierten Fakten und fiktiver Story als Tat des niederländischen Geheimdiensts ausweist. Noch fertig stellen konnte Van Gogh die TV-Serie "Medea", eine moderne Version der klassischen griechischen Tragödie wiederum mit Katja Schuurman. Für 2005 plante er ein "lesbisches Roadmovie" mit dem Titel "Bad", in dem Van Goghs Lieblingsdarstellerinnen Tara Elders und Katja Schuurman die Hauptrollen spielen sollten.

Für "Blind Date" (1996) und "In het belang van de staat" (1997) bekam er jeweils ein Goldenes Kalb, die höchste nationale Auszeichnung für Filmschaffende. Neben seiner Tätigkeit als Regisseur und Drehbuchautor trat er auch als Schauspieler in Aktion wie etwa als dicker Willi bei seinem Kollegen Alex Van Warmerdam in "Die Noorderlinger" (1992). Darüber hinaus arbeitete er auch viel fürs Fernsehen, schrieb eine stets kontrovers diskutierte, provozierende Kolumne, betrieb als bekennender "Gauloises"-Raucher die provokante Internetseite: "De Gezonde Roker" und war außerdem Mitglied der "Republikeins Genootschap". So gab er etwa auch seine Stimme der aus Somalia stammenden Ayaan Hirsi Ali, die auch die Vorlage für sein kontroverses TV-Werk "Submission" lieferte.

Van Gogh wurde am Dienstag, den 2. November 2004, ungefähr um 9 Uhr morgens auf dem Weg zu seiner Produktionsfirma in Amsterdam überfallen, mit sieben Kugeln niedergeschossen und anschließend mit Messerstichen getötet.

Weitere Werke von Theo Van Gogh: "Ilse verandert de geschiedenis" (1993), "Reunie", "Eva", "Een galerij: De wanhoop van de sirene" (alle 1994, TV), "De Eenzame Oorlog Van Koos Tak" (TV-Serie, 1995) mit Gerard Thoolen und Sylvia Kristel, "In het belang van de staat" (1997), "Zien" (Videoclips für eine DVD von Marco Borsato, 2004).

Als Darsteller: "Luger" (1982), als Junkie in "De witte waan" (1984, Regie: Adriaan Ditvoorst), "De nacht van de wilde ezels" (1990, Regie: Pim de la Parra) "Tadzio" (1991, Regie: Erwin Olaf und Frans Franciscus), "La Sequence des barres parralleles" (1992, Regie: Ian Kerkhof) und als Gottesdienstfanatiker in "Terrorama (2001) von Edwin Brienen.

TV-Arbeiten: Die Interview-Reihe im Amsterdamer Kabel-TV "Een prettig gesprek" (1989), den Berufswahl-Quiz "Wat doe jij nou?", die als Parodie angedachte Dating-Show "De hunkering" (1997), "Het is hier verschrikkelijk gezellig" (1998), zusammen mit Menno Buch "Hoe hoort het eigenlijk?" (1999), das Diskussionsforum "Het laatste Oor" (2000) und die Diskussionsrunde "Bussiness Class" (2002) - die darin enthaltende Kolumne von Van Gogh wurde allerdings nach zwei Sendeterminen von RTL5 wieder gestrichen.

Bücher von Van Gogh: "Engel" (1990), "Er gebeurt nooit iets" (1993), "Sla ik mijn vrouw wel hard genoeg?" (1996) und "Allah weet het beter" (2003).

Zur Filmografie von Theo Van Gogh
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