25 Jahre SOKO Leipzig: Hätten Sie damals gedacht, dass die Sendung so lange ausgestrahlt werden würde?
Melanie Marschke: Dass die SOKO 25 Jahre und darüber hinaus auf Sendung geht, damit hat niemand gerechnet. Wir waren damals eher so eine Art Versuchsballon. Die SOKO München gab es zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahrzehnten, und man hat sich überlegt, das Konzept auf eine andere Stadt zu übertragen – eine Metropole im Osten Deutschlands. Man wollte testen, ob das Ganze auch in einer anderen Konstellation und einer anderen Stadt funktioniert. Und siehe da: Es hat funktioniert – und so ziemlich von Anfang an erfolgreich. Daraufhin wurden weitere SOKOs wie Köln oder Wismar entwickelt. Wir selbst hätten damals nie damit gerechnet. Wir gingen eher von zwei oder drei Jahren aus. Insofern ist es fast schockierend, wie lange es die Serie nun schon gibt – und dass ich von Anfang an Teil dieser Serie sein durfte und darf.
Marco Girnth: Nein, das hätten wir uns nicht träumen lassen. Wir kamen aus den 1990-er Jahren und waren es gewohnt, dass Serien nach drei bis vier Staffeln auslaufen oder zumindest die Schauspieler die Serie irgendwann verlassen.
Beschreiben Sie SOKO Leipzig in drei Worten.
Girnth: Spannung, Teamgeist, Drama.
Marschke: Erfolg, zweites Leben, Familie.
Können Sie uns von Ihrem ersten Drehtag bei der SOKO Leipzig erzählen?
Marschke: An den ersten Drehtag habe ich nur noch ganz verschwommene Erinnerungen – das ist ja wirklich schon ewig her. Ich weiß nur noch, dass wir in einem Krankenhaus gedreht haben. Wir waren alle vier da: Gabriel Merz, Andreas Schmidt-Schaller, Marco Girnth und ich. Worum es genau ging, kann ich gar nicht mehr sagen. Ich glaube, der Drehtag gehörte auch gar nicht zur ersten Folge, die später ausgestrahlt wurde. Was mir aber seltsamerweise im Gedächtnis geblieben ist, ist dass Andreas und Marco beide fast identische, graue, knielange Mäntel trugen. Die sahen ein bisschen aus wie Kittel – und standen keinem von beiden wirklich gut. Ich sehe die beiden noch, wie sie nebeneinander durch den Krankenhausflur gehen – mit diesen gleichen Mänteln wirkten sie ein bisschen wie Vater und Sohn.
Girnth: Mein erster Drehtag war im St. Georg-Krankenhaus Leipzig. Ich war schrecklich aufgeregt, weil sowohl die ZDF-Redaktion als auch unsere Produzenten vor Ort waren, um zu sehen, ob alles wie vorgesehen abläuft. Keinem von uns war bewusst, dass wir gerade den Startschuss für mindestens 25 weitere Jahre abgegeben hatten. Aber wir haben sofort gemerkt, dass die Stimmung im Team zu 100 Prozent passt.
Was ist Ihre Lieblingsfolge/Ihr Lieblingsfall aus der Reihe?
Girnth: „Wer Wind sät…“
Marschke: Eine konkrete Lieblingsfolge oder einen Lieblingsfall kann ich gar nicht benennen – es sind einfach zu viele. Ich habe so viele spannende und dramatische Geschichten mit Ina Zimmermann erleben dürfen. Manchmal sind es auch nur einzelne Szenen oder Momente, die besonders viel Spaß gemacht haben. Wenn ich einen Fall nennen würde, würde ich bestimmt etwas vergessen.
Es gab viele Highlights und besondere Momente. Das Besondere ist auch, dass man die Figur immer wieder aus ganz anderen Perspektiven zeigen kann. Das macht es so schön, bei der SOKO zu spielen.
An welchen Dreh erinnern Sie sich besonders gerne zurück?
Girnth: „Flucht aus Santo Domingo“. Wir haben damals drei Wochen in Santo Domingo/Dominikanische Republik gedreht, was sich wie eine große Klassenfahrt angefühlt hat. Das werde ich nie vergessen.
Marschke: An den Istanbul-90-Minüter, der für Ina eine ganz besondere Geschichte war. Dort zu drehen, war ein Wahnsinn – genauso wie die Kooperation mit The Bill in London. Ich habe auch immer sehr gerne mit meinem Kollegen Rudolf Kowalski gedreht, der meinen Therapeuten gespielt hat, nachdem Ina ein Burnout erlitten hatte. An diese emotionalen, konzentrierten Szenen zu zweit in der Therapiepraxis habe ich sehr schöne Erinnerungen.
Inwiefern hat sich Ihre Beziehung zu Leipzig durch die Drehs verändert?
Marschke: Von der Stadt Leipzig wusste ich vorher so gut wie nichts. Ich hatte keine Vorstellung davon, was mich erwartet. Ich habe die Stadt zunächst nur durchs Drehen kennengelernt. Mit der Zeit bin ich hier heimisch geworden und schließlich auch fest hergezogen. Ich habe mir einen Freundeskreis aufgebaut, mein Sohn wurde hier geboren, ich habe meinen damaligen Mann hier kennengelernt und viele tolle Leipzigerinnen und Leipziger. Ich habe mich also Schritt für Schritt heimatlich gefühlt. Gleichzeitig habe ich miterlebt, welche enorme Entwicklung diese Stadt genommen hat – baulich, kulturell und insgesamt. Diese Veränderung lässt sich auch sehr gut in unserer Serie nachvollziehen: wie Leipzig damals aussah und wie es heute aussieht. In gewisser Weise ist die Serie ein kleines Zeitdokument dieser Stadt.
Girnth: Leipzig ist für mich ein Stück zweite Heimat. Ich habe in Leipzig gelebt, gearbeitet, mit meinen Kollegen gefeiert. Leipzig wird immer bei mir bleiben.
Was wünschen Sie SOKO Leipzig zum Geburtstag?
Girnth: Dass die nächsten 25 Jahre genauso schön werden wie die ersten 25 Jahre!
Marschke: Am allerwichtigsten ist mir, dass anerkannt wird, was es für alle Beteiligten bedeutet, eine Serie über einen so langen Zeitraum in dieser Intensität und dieser Qualität zu produzieren. So erfolgreich zu sein, muss man erst einmal schaffen. Viele der Teammitglieder arbeiten schon sehr lange an der Serie mit – mit enorm viel Herzblut, Energie und Kraft. Deshalb wünsche ich der SOKO vor allem Wertschätzung, Pflege – und vielleicht den einen oder anderen zusätzlichen Drehtag sowie etwas mehr Budget.
„SOKO Leipzig – Was bleibt (2)“: Freitag, 30. Januar, 21.15 Uhr, ZDF, Teil 1 und weitere Folgen sowie Highlights aus den vergangenen 25 Jahren in der ZDF-Mediathek
Wussten Sie, dass…
… die „SOKO Leipzig“ der erste Ableger der „SOKO 5113“ war?
… das Polizeirevier der SOKO sich unterhalb des Produktionsbüros befindet?
… die SOKO mal in Istanbul und London gedreht hat?
… es 2019 ein Crossover mit der „SOKO Wien“ gab?
… es 2009 ein Crossover mit der britischen Serie „The Bill“ gab?
… die „SOKO Leipzig“ das einzige SOKO-Team ist, das in der Primetime ermittelt?
… Melanie Marschke und Ina Zimmermann ihre Schwangerschaften fast parallel durchlebten?
… Marco Girnth und Johannes Hendrik Langer viele ihrer Stunts selbst drehen?
… Johannes Hendrik Langer bevor er SOKO-Kommissar wurde, 2015 einmal in einer Episodenrolle zu sehen war?
… Melanie Marschkes Sohn fast auch ihr Film-Sohn geworden wäre?
… der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung 2012 einen Gastauftritt in der Serie hatte?
… die Stadt Leipzig die fünfte Hauptdarstellerin ist?
… sowohl Marco Girnth als auch Gabriel Merz Drehbücher für „SOKO Leipzig“ geschrieben haben?