Die jamaikanische Fußball-Nationalmannschaft konnte sich bislang nur ein einziges Mal für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Das war 1998 beim Turnier in Frankreich. Seitdem hecheln die "Reggae Boyz" einer weiteren Teilnahme hinterher. Auch 2014 bei der letzten WM in Brasilien klappte es nicht. Bereits 2013 reiste Filmemacher Till Schauder auf die Karibikinsel, um das jamaikanische Nationalteam bei seinen Bemühungen um eine Quali für die WM zu begleiten. Seine Doku zeichnet dabei mehr als nur das Bild eines sportlichen Scheiterns. Die Musik und das Lebensgefühl der vibrierenden Insel erhalten eine ebenso große Bedeutung. Zum Glücksfall der einstündigen Doku wird, dass mit der Verpflichtung des deutschen Trainers Winfried "Winnie" Schäfer als neuer Coach der "Reggae Boyz" ein alter Bekannter aus der Bundesliga urplötzlich in den Mittelpunkt rückt. Die Begegnungen des blonden Pfälzers mit Größen des Reggae sorgen für skurril-unterhaltsame Höhepunkte.

"Die Leute sagen, ich bin verrückt, dass ich diesen Job angenommen habe. Im Grunde ist es unmöglich, die noch zur WM zu führen", sagt Schäfer. Erst seit wenigen Tagen ist der Trainer der jamaikanischen Nationalmannschaft auf seiner neuen sportlichen Insel. Wenigstens weiß er über seine Mannen, die er kaum beim Namen kennt, dass sie wie die Löwen kämpfen können. Immerhin tragen sie die Verantwortung für ganz Jamaika auf ihren Schultern. Portia Simpson-Miller, die Premierministerin von Jamaika, hat sie ihnen aufgebürdet. Vor einem Quali-Spiel hatte sie den Spielern mitgeteilt: "Wir haben es einmal geschafft und wir erwarten von euch, dass wir es wieder zur WM schaffen. Ihr seid nicht nur unsere Stars, sondern ihr seid die Hoffnung und der Traum und der Ansporn für unser Land."

Dass Schäfer den Amateur-Helden Jermaine "Tuffy" Anderson ins Nationalteam beruft, bringt dem Trainer zunächst viel Zuspruch. Ihm wildfremde Menschen besingen seine Entscheidung spontan auf der Straße. Schäfer scheint gerührt. Und er ist umso bewegter, als er von Bunny Wailer, Mitgründer der legendären Bob Marley & The Wailers zu einer Art Audienz gerufen wird. In dem beinahe unfassbaren Unterschied deutscher Fußball-Korrektheit und jamaikanischer Reggae-Lässigkeit hat Schauders Film seine stärksten Szenen.

Wailer erklärt: "Seit ich denken kann, spiele ich Fußball. Aber den wahren Fußball spiele ich erst, seit ich angefangen habe, Gras zu rauchen." Als Zeichen seines Segens überreicht er Schäfer eine Pfeife. Willkommen auf Jamaika! Der deutsche Trainer will nicht unhöflich sein, nimmt an. Er sagt: "Das ist das erste Mal, dass ich das in der Hand habe. Das Problem ist, wenn ich damit nach Germany komme, gehe ich direkt ins Gefängnis. Gleich am Flughafen: Bye-bye Winnie."

Letztendlich scheitern die Reggae Boyz trotz eines vielfach umjubelten Tores "Tuffy" Andersons bei der WM-Qualifikation. Schäfer nimmt das eher gelassen. Er und mit dem Film der Zuschauer haben einiges über den Fußball auf Jamaika gelernt. Das Spiel bedeutet viel, ist aber längst nicht alles. So spricht Chinna Smith, früherer Gitarrist von Bob Marley, über den Sport: "Ich verstehe nicht, wieso die ganze Welt durchdreht, wenn Menschen einen Ball in ein Netz dreschen. Ich habe keine Zeit gegen einen Ball zu treten." Im nächsten Moment widmet er sich wichtigeren Beschäftigungen. Er zieht kräftig an einer Bong und spielt Gitarre.


Quelle: teleschau – der Mediendienst