"Trotz der vielen Arbeit bin ich wohlauf und schlafe gut", schrieb der Massenmörder Heinrich Himmler mitten im Grauen des Holocaust nach Hause. Das Dokument einer maßlosen Verdrängung.

Am 6. Mai 1945 besetzten Soldaten der 88. US-Armeedivision das Haus der Familie Himmler in Gmund am Tegernsee. Sie fanden hunderte von privaten Briefen, Dokumenten, Tagebüchern und Fotos des SS-Reichsführers und obersten Polizeichefs unter Adolf Hitler, der unter anderem für die sogenannte "Endlösung", die Vernichtung der Juden, verantwortlich war. Da die Amerikaner die Dokumente nicht bei den Behörden ablieferten, blieben sie für Jahrzehnte verschollen. Dann tauchten sie in Israel bei Chaim Rosenthal wieder auf, der sie dem Vater der Filmautorin Vanessa Lapa übergab. Anhand dieses Materials sowie mit historischen Aufnahmen skizziert der Film das Denken, die Ideale, Pläne und Geheimnisse des SS-Führers und "Architekten der Endlösung" Heinrich Himmler.

Der Film fragt: "Wie konnte aus dem nationalistischen Kleinbürgersohn jener enge Gefolgsmann Hitlers werden, der die Strategien zur Ermordung von Millionen Juden, Homosexuellen, Kommunisten, Sinti und Roma entwarf und durchführte? Woher kam seine Ideologie? Wie sah der Sohn eines Münchner Gymnasialdirektors sich selbst und wie wurde er von seinem privaten Umfeld wahrgenommen, von seiner Frau Margarete, der Tochter Gudrun, seiner Geliebten Hedwig? Wie konnte der Mann, der sich in seinen Briefen stets auf sogenannte "deutsche Tugenden" berief, auf Ordnung, Anstand, Güte, mitten im Grauen des Holocaust nach Hause schreiben: "Trotz der vielen Arbeit bin ich wohlauf und schlafe gut"? – Der Film zeigt die Anmaßungen eines Massenmörders und die Verdrängung jeglicher Schuld.

"Man muss im Leben immer anständig und tapfer sein und gütig", schrieb Heinrich Himmler an seine Tochter 1941. Der Brief ist in deren Poesiealbum erhalten. Die Filmemacherin Vanessa Lapa stellt die unter anderem von Tobias Moretti (Stimme Heinrich Himmlers) und Sophie Rois (Stimme Margarete Himmlers) gesprochene Text-Auswahl einer Collage aus überwiegend unveröffentlichten Archivbildern gegenüber.


Quelle: teleschau – der Mediendienst