Dieses Comeback geht in die deutsche Musikgeschichte ein: 2017 feierte die legendäre Spider Murphy Gang ihr 40-jähriges Band-Bestehen, aus diesem Anlass gaben Sänger Günther Sigl, Gitarrist Barny Murphy & Co. im Oktober zwei Jubiläumskonzerte in der Münchner Olympiahalle, die beide Male restlos ausverkauft war. "Ein toller Erfolg", sagt Günther Sigl im Interview nun fast ein bisschen zu bescheiden. Der Frontmann der Spider Murphy Gang, der so gerne Zoten über das hohe Alter seine Combo reißt, ist in diesem Jahr selbst auch schon 70 Jahre alt geworden.

Trotz des enormen Zuspruchs in der riesengroßen Halle lag auf dem Erfolg jedoch ein Schatten: Der Bayerische Rundfunk sagte als Kooperationspartner für das Jubiläumskonzert der Münchner Spider Murphy Gang ab. Für Sigl eine Überraschung – keine schöne, vesteht sicht. Servus TV sprang in die Bresche. Der Sender zeigt zum Jahrewechsel, am 31. Dezember, das Jubiläumskonzert der bayerischen Kultrocker. – "Silvesternacht bei ServusTV: Spider Murphy Gang" läuft um 20.15 Uhr, also parallel zur vom BR mitproduzierten Liveübertragung der "Silvestershow" aus Graz im Ersten. Das Ganze hat damit durchaus medienpolitische Dimensionen ...

prisma: Herr Sigl, der Bayerische Rundfunk soll die Spider Murphy Gang nur noch als eine "Randprogramm" bezeichnet haben. Wie fühlt sich das an?

Günther Sigl: Ganz konnte ich das nicht nachvollziehen. Es war das erste Mal, dass wir abgelehnt wurden. Früher sind unsere Jubiläumskonzerte vom BR immer aufgezeichnet und auch gesendet worden. Vielleicht ist dem Sender der Aufwand zu kostspielig geworden. Es ist bekannt, dass er sparen muss. Es kann aber auch sein, dass wir nach einem Umbau innerhalb des BR jetzt wohl nicht mehr so interessant sind.

prisma: Sind Sie nach so vielen Jahren einer engen Zusammenarbeit denn nicht enttäuscht?

Sigl: Nein, wir können uns da auch nicht beschweren. Wir sind mit dem Bayerischen Rundfunk groß geworden und hatten früh erste Auftritte in verschiedenen Sendungen. Das hat uns in Bayern bekannt gemacht. Auch bei den bisherigen Jubiläumskonzerten waren wir lange Partner. Nun heißt dieser eben Servus TV. Der Sender bringt unser Jubiläumskonzert an Silvester. Und das zur besten Sendezeit. Da wir es selber produziert haben, liegen die Rechte für weitere Auswertungen zudem bei uns. Das passt!

prisma: Beim Jubiläumskonzert der Spider Murphy Gang war die Münchner Olympiahalle zweimal ausverkauft. Haben Sie mit so einem enormen Zuspruch überhaupt gerechnet?

Sigl: Wir haben für die Aufzeichnungen der Jubiläumskonzerte sonst immer drei, vier Konzerte im Circus Krone gespielt. Diesmal haben wir gesagt, das wird ein bisschen zu viel. Deshalb entstand die Idee mit der Olympiahalle. Dass sie bereits ausverkauft war, noch bevor das Konzert überhaupt beworben wurde, war natürlich ein toller Erfolg. Daraufhin kam die Entscheidung: Wir geben noch ein Zusatzkonzert.

prisma: Und vielleicht noch ein drittes?

Sigl: Da die Nachfrage so groß war, hätten wir ein drittes Konzert wohl auch noch geben können. Diesen Aufwand wollten wir dann aber doch vermeiden. Es sollte einfach nicht zu viel werden. Hinzukam, dass ich zur rechten Zeit auch noch eine Erkältung bekommen hatte. Ich war stimmlich etwas angeschlagen. Bei zu vielen Konzerten hintereinander, wird's dann ab einem gewissen Alter schon ein bisschen schwierig.

prisma: Es war nicht das erste Konzert der Spider Murphy Gang in der Olympiahalle, oder?

Sigl: In den 1980er-Jahren, in unserer großen Zeit, hatten wir während einer Konzerttournee durch Österreich, Deutschland und die Schweiz auch schon einmal in der Olympiahalle gespielt. 12.000 Teenager waren damals bei uns. Und das wir nun wieder so viele Zuschauer hatten, war eine tolle Sache. Es sind sogar noch ein paar jüngere Fans hinzugekommen. Bei unseren Jubiläumskonzerten waren jetzt nicht nur Grauhaarige.

prisma: Sie sind auch während des Jahres noch immer viel unterwegs. Herr Sigl, Sie sind inzwischen 70 Jahre alt. Wie lange wollen Sie das noch machen?

Sigl: Auch im kommenden Jahr ist unser Kalender gut gefüllt. Ich sage jetzt mal, wenn wir gesund sind, dann machen wir das noch zehn Jahre weiter.

prisma: Könnten auch 20 sein, oder?

Sigl: Aber dann bin ich schon 90. Obwohl, der Chuck Berry und viele weitere Rock'n'Roller haben bis ins hohe Alter gespielt. Und wir haben ja auch Münchner Vorbilder. Max Greger beispielsweise, die Swing-Legende, oder Hugo Strasser standen sehr lange auf der Bühne.

prisma: Anders als Sie waren die beiden aber keine Rock'n'Roller.

Sigl: Stimmt, das mit dem Rock'n'Roll ist immer auch ein bisschen körperlicher.

prisma: Merken Sie, dass der Rock'n'Roll mit Ihnen auch älter wird?

Sigl: Man macht eben sein Ding. Vor allem aber kommt Routine dazu. Wie gesagt, man muss halt gesund sein. Ich habe auch ab und zu meine Wehwehchen. Beispielsweise eine Arthrose in der Halswirbelsäule. Aber wenn der Barny Murphy, unser Gitarrist, und ich dann doch über die Bühne hupfen im Rock'n'Roll-Schritt, jubeln die Leute natürlich. Sie freuen sich darüber, dass die alten Herren da oben doch noch etwas aufs Parkett legen.

prisma: Dann müssen Sie nicht, wie Sie beim Jubiläumskonzert gesagt haben, vor Mitternacht wieder im Heim sein.

Sigl: Über das Alter mache ich gerne mal einen Witz. Aber es ist nun einmal so: Die Kräfte lassen irgendwann nach. Keiner muss sich einbilden, er könnte alles immer noch so leisten, wie er es mit 30 oder 40 Jahren noch konnte.

prisma: Wie halten Sie sich fit?

Sigl: Ich rauche und trinke nicht. Zudem schaue ich, dass ich ausreichend Schlaf bekomme und mich gesund ernähre. Jetzt bin ich zwar kein Gesundheitsapostel, aber auch genug Bewegung in der frischen Luft ist wichtig.

prisma: Die Spider Murphy Gang ließ es früher doch aber auch krachen.

Sigl: Ich erinnere mich an einen Abend in Berlin. Obwohl Dieter Thomas Heck uns eigentlich nicht wollte, sind wir in der "ZDF-Hitparade" aufgetreten. "Skandal im Sperrbezirk" war damals immerhin auf Platz eins. Nach dem Auftritt sind wir durchs Nachtleben gezogen und haben es krachen lassen. Mit viel Schampus! Und alles auf Kosten der Plattenfirma.

prisma: Sie haben sich aus den damals kleinen Musikclubs in München-Schwabing bis nach oben gespielt. Das nennt man Ochsentour ...

Sigl: Genau. 1962 habe ich angefangen, Musik zu machen. Damals habe ich von meinem Vater eine Gitarre bekommen. 40 Mark hat sie gekostet. Ab diesem Zeitpunkt war Musik immer die Nummer eins für mich. Für diese Leidenschaft habe ich dann auch meinen Bankkaufmann an den Nagel gehängt. Denn: Ich wollte Profi-Musiker werden. Einen anderen Weg als diesen könnte ich mir nicht vorstellen. Das war schon alles super und ist es bis heute.

prisma: Was hat Sie angetrieben?

Sigl: Der Rock'n'Roll, die Freiheit, die Unabhängigkeit. Wir sind im Sommer beispielsweise immer im Englischen Garten gewesen. Am Abend haben wir dann ein paar Gigs gespielt, um ein paar Mark zu verdienen. Sowieso gibt es kaum einen besseren Job. Als Musiker kann man vor Leuten auftreten und diesen dann bestenfalls eine Freude machen.

prisma: Wie würde eine junge Spider Murphy Gang denn heute klingen? Wieder Rock'n'Roll?

Sigl: Jede Band ist von der Zeit geprägt, in der sie aufwächst. Als ich in den 1960er-Jahren angefangen habe, waren die Beatles und die Stones aktuell. Damals hatte man dann eben eine Beat-Kapelle, der Rock'n'Roll kam hinzu. Später noch der Punk, die Neue Deutsche Welle, in die wir irgendwie mit reingefallen sind. Das Gute an der Musik bleibt jedoch, dass sie sich immer wieder erneuert. Aber auch heute noch reichen oftmals nur ein paar gute Gitarrenriffs aus und ein Sänger, der sich die Seele aus dem Leib schreit.


Quelle: teleschau – der Mediendienst