Es ist Wahljahr – das merkt man nicht nur an ungewohnten Reden und Aktionen der Politiker, sondern auch am Fernsehprogramm. 2017 hat man bei den Öffentlich-Rechtlichen anstatt lahmer Talk-Runden auffallend viel "Bürgernahes" und Experimentelles zu bieten.

"Wähl mich! Jungpolitiker auf Stimmenfang" ist ein weiterer dieser Versuche, dem in den vergangenen zwei Jahren vermehrt kursierenden Vorwurf der Abgehobenheit und politischen Agenda entgegenzuwirken. Nachwuchspolitiker zwischen 18 und 30 Jahren, die für den Bundestag kandidieren, stellen sich in der Sendung ihren "Wunschwähler" zusammen – und treffen ihn. Sandra Rieß präsentiert das laut Senderangaben "innovative Polit-Format" ab Dienstag, 15. August (0.30 Uhr) an drei Abenden hintereinander jeweils zu sehr später Stunde.

Dreiteiliges TV-Experiment

Wie spricht man in diesen politisch turbulenten Zeiten Jung- und Erstwähler am besten an? Diese Frage stellen sich nicht nur die Parteien, sondern auch die Fernsehanstalten, deren Aufgabe neben der Information auch darin bestehen sollte, die Menschen an die Wahlurnen zu bewegen. Durch Formate wie "Wähl mich!" könnte das durchaus gelingen: In dem dreiteiligen TV-Experiment des ZDF stellen sich junge Politiker im Gespräch mit Sandra Rieß Steckbriefe ihres Traumwählers zusammen: Kauft er lieber Öko ein? Macht er gerne Fernreisen? Wie steht er zur Flüchtlingsobergrenze?

Während das Profil des Wunschwählers erstellt wird, zeichnet ein Karikaturist das passende Porträt dazu. Schließlich wird es ernst: Im Wahlkreis des jeweiligen Jungpolitikers begibt sich Sandra Rieß auf die Suche nach dem im Steckbrief erstellten perfekten Wahlberechtigten. Ist der gefunden, darf der Parteikandidat gespannt sein: Kann er seinen Traumwähler im persönlichen Gespräch überzeugen?

Kandidaten von CDU, CSU, SPD, Linken, Grünen, FDP und AfD

Jede Folge widmet sich zwei Politikern, am Ende haben alle Kandidaten von CDU, CSU, SPD, Linken, Grünen sowie FDP und AfD ihren Lieblingsbürger erhalten. Ein Wermutstropfen bleibt: Warum das ZDF das vielversprechende Format jeweils auf nach Mitternacht (Mittwoch, 16.8., um 0.30 Uhr, und Donnerstag, 17.8., um 0.25 Uhr) gelegt hat, ist völlig unverständlich.

Die Wiederholungen auf seinen Spartenkanälen hat das Zweite immerhin auf humanere Zeiten gelegt: Auf ZDFneo läuft die Sendung ab 2. September jeweils samstags, 19.45 Uhr; ZDFinfo strahlt alle drei Folgen am Donnerstag, 7. September, ab 18.45 Uhr aus.


Quelle: teleschau – der Mediendienst