Alte Spielzeuge in der neuen Zeit: Warum "Toy Story" auch nach 30 Jahren noch begeistert
Als Woody und Buzz Lightyear vor 30 Jahren zum ersten Mal über die Kinoleinwand liefen, gab es weder Tablets noch Smartphones. Heute wachsen viele Kinder ganz selbstverständlich mit Bildschirmen auf – und genau diese Entwicklung greift "Toy Story 5" auf, der jetzt im Kino läuft. Plötzlich muss Spielzeug um Fantasie, Aufmerksamkeit und Zeit kämpfen.
Genau diese Frage beschäftigt längst auch die Menschen, die Woody und Buzz als Spielzeug entwickeln. Beim exklusiven Blick hinter die Kulissen von Mattel gibt Nick Karamanos, Senior Vice President und Leiter des Actionfiguren-Bereichs, Auskunft. "Wir kennen Woody. Wir kennen Buzz. Wir kennen Rex", sagt er lachend. Seit vielen Jahren entwickelt er mit seinem Team die Spielzeuge zu "Toy Story" – und erlebt aus nächster Nähe, wie sich das Spielverhalten von Kindern verändert.
"Wir fühlen uns privilegiert, Kindern die Werkzeuge für ihre Fantasie zu geben", sagt Karamanos gegenüber teleschau. Gerade heute gehe es nicht mehr nur darum, eine Figur möglichst originalgetreu nachzubauen. Viel wichtiger sei die Frage, ob sie Kinder überhaupt noch dazu inspiriere, eigene Geschichten zu erfinden. "Wenn daraus Erinnerungen entstehen, die ein Leben lang bleiben, dann haben wir unser Ziel erreicht."
Viele Details entscheiden über den Erfolg
Damit beginnt die Arbeit, lange bevor der Film fertig ist. Während Disney und Pixar noch an der Geschichte arbeiten, entstehen parallel bereits die ersten Spielzeugideen. "Die Zusammenarbeit ist unglaublich eng", verrät Karamanos. Gemeinsam werde über Charaktere, Bewegungen und Persönlichkeiten gesprochen. Viele Entwürfe verschwinden wieder, andere werden immer wieder verändert. "Der Druck besteht darin, authentisch zu bleiben und die bestmögliche Qualität zu liefern." Denn bei Figuren wie Woody oder Buzz reichten oft kleinste Veränderungen aus, damit sie sich plötzlich nicht mehr "richtig" anfühlten.
Ein besonderes Ziel konnte das Team diesmal endlich umsetzen. Zum ersten Mal reagieren Woody und Buzz als Spielzeug direkt aufeinander und können miteinander kommunizieren. "Damit bringen wir endlich das zum Leben, was damals in Andys Kinderzimmer passiert ist", sagt Karamanos. Technisch sei das lange nicht möglich gewesen. "Es gibt Ideen, die heute noch nicht funktionieren – aber vielleicht in fünf Jahren." Manche Konzepte müssten deshalb jahrelang warten, bis die Technik bereit dafür sei.
Beim Blick hinter die Kulissen wird schnell deutlich, wie viele Details über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Zwischen digitalen 3D-Modellen und ersten Prototypen wird ausprobiert, verworfen und wieder neu begonnen. Überraschend traditionell geht es dagegen an anderer Stelle zu: Barbies Haare werden bis heute mit einer speziellen Maschine eingesetzt, die bereits seit den 1950er-Jahren verwendet wird. "Eine Frisur einmal perfekt hinzubekommen, ist das eine", erklärt Karamanos. "Sie anschließend hunderttausendmal in derselben Qualität herzustellen, ist die eigentliche Kunst."
Spielzeuge werden an den eigenen Kindern getestet
Ob eine neue Figur später tatsächlich funktioniert, entscheidet allerdings nicht im Besprechungsraum. Viele Designer nehmen Prototypen mit nach Hause und beobachten, wie ihre eigenen Kinder damit spielen. Greifen sie sofort zu? Erfinden sie eigene Abenteuer? Oder verschwindet die Figur nach wenigen Minuten wieder in der Ecke? "Kinder spielen völlig anders als Erwachsene", erklärt Karamanos. Genau deshalb seien ihre Reaktionen oft ehrlicher als jede Präsentation.
Während Kinder mit Woody und Buzz neue Abenteuer erleben, wächst gleichzeitig eine ganz andere Fangemeinde. "Der Sammlermarkt wächst derzeit am schnellsten", erzählt Karamanos. Erwachsene kauften die Figuren oft aus Nostalgie. Für "Toy Story" bleibe die wichtigste Zielgruppe aber dieselbe wie vor 30 Jahren: Kinder, die mit Woody, Buzz und ihren Freunden ihre ganz eigenen Geschichten weiterspinnen.
Warum ihm das so wichtig ist, hat auch persönliche Gründe. Karamanos selbst wuchs in den 1980er-Jahren mit den Figuren aus "Masters of the Universe" auf. Damals hätte er nie gedacht, dass er eines Tages selbst Spielzeuge entwickeln würde. "Jemand in meiner heutigen Position hat damals die Produkte entwickelt, mit denen ich aufgewachsen bin", erzählt er. "Diese Erinnerungen haben mich letztlich hierhergeführt."
Genau das hofft er heute auch für die nächste Generation. Nach dem Kinobesuch sollen Kinder nach Hause gehen, Woody oder Buzz in die Hand nehmen und die Geschichte einfach weitererzählen.
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH