Filmkritik zu "Toy Story 5": Das Ende der spielenden Kinder?
Große Franchises und die bitter-süße Nostalgie haben Hollywood weiterhin fest im Griff. Zwar schaffen es 2026 wieder mehr originelle oder zumindest weniger verbrauchte Stoffe in die Kinos, (u.a. "Backrooms", "Obsession", "Das Drama – Nochmal auf Anfang"), die große Erfolge feiern können. Gleichzeitig finden sich in den Programmen und Vorschauen für dieses Jahr erneut so einige Fortsetzungen (z. B. "Der Teufel trägt Prada 2", "28 Years Later – The Bone Temple", "Dune – Part Three").
In diese zweite Auflistung reiht sich der neue Animationsfilm aus dem Hause Pixar munter ein: "Toy Story 5". Wie effektiv Nostalgie das Publikum in die Kinos zieht, zeigen die Zahlen. Noch bevor der Film flächendeckend gestartet ist, steuern seine weltweiten Einnahmen schon in Richtung der Eine-Milliarde-Marke. Jetzt (23. Juli) läuft "Toy Story 5" auch in Deutschland an.
"Toy Story 5" und eine überflüssige Rückkehr
"Die Spielzeugbande um Kult Sheriff Woody ist zurück auf der großen Leinwand", heißt es in einer Pressemitteilung zum fünften Teil. Woody kommt jedoch in "Toy Story 5" keine besonders gewichtige Rolle zu. Wer den vierten Teil der gefeierten Reihe – "A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando" (2019) – gesehen hat, wird sich womöglich noch erinnern, dass Woody sich am Ende dazu entschließt, seinen eigenen Weg zu gehen und die Gruppe vorerst zu verlassen. Seinen Sheriff-Stern übergibt er an Jessie.
Ein längerer oder dauerhafter Abschied war das jedoch nicht: Im neuen, fünften Teil holt das Regie-Autoren-Duo Anrew Stanton und McKenna Harris den in die Jahre gekommenen Cowboy zurück. Wirklich bereichernd ist dieses Comeback allerdings nicht, stattdessen muss man es eher unter dem Schlagwort Fanservice verbuchen. Schon die Art und Weise (ein Missverständnis über das Walkie-Talkie) ist uninspiriert und kaum mehr als der nun mal notwendige Vorwand, um die Rückkehr irgendwie zu rechtfertigen.
Das für sich genommen ist noch kein Drama. Schlimmer ist aber, dass Stanton und Harris nicht wirklich etwas mit Woody anzufangen wissen. "Toy Story 5" widmet sich hauptsächlich Jessie sowie dem Menschenmädchen Bonnie, an die Vorbesitzer Andy seine Spielsachen rund um Woody, Buzz Lightyear, Jessie oder auch Bully im dritten Film weitergegeben hatte. Als Konsequenz daraus müssen sich Buzz und die übrigen Spielsachen die knapp bemessene verbliebene Laufzeit auch noch mit Woody teilen, der der Geschichte jedoch keinen echten Mehrwert bietet.
Wie Pixar die beliebte "Toy Story"-Reihe in die Gegenwart holt
Die Kritik an der unnötigen Rückkehr Woodys geht allerdings mit einem Lob einher: Mit "Toy Story 5" ist es dem Produktionsstudio Pixar gelungen, seine erfolgreichste Filmreihe in die Gegenwart zu überführen. Zum einen, indem die Verantwortlichen sich trauten, auf weibliche Protagonistinnen zu setzen, die Woody und Buzz ablösen. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, in der Fans und Meinungsmacher der extremen Rechten nur allzu schnell zum Boykott aufrufen und den eigentlich positiven Begriff "woke" in etwas Negatives umzudeuten zu versuchen. Dass sich Kultur davon nicht einschüchtern lässt, ist von elementarer Bedeutung für jede Demokratie.
Zum anderen kommt die "Toy Story"-Reihe in der Jetzt-Zeit an, indem sie sich mit der Digitalisierung beschäftigt, die teils auch schon die Freizeitgestaltung der Jüngsten prägt. Um endlich dazuzugehören und Freundinnen zu finden, bekommt Bonnie von ihren Eltern ein Kinder-Tablet in Froschform geschenkt, das auf den Namen Lilypad hört. Schnell wird Lilypad zu Bonnies Lieblingsspielzeug. Jessie und ihre Crew sehen deshalb das Wohl Bonnies in Gefahr.
Ist "Toy Story 5" Familien- oder nur Kinderfilm?
Wirklich Bahnbrechendes oder Überraschendes hat "Toy Story 5" nicht zu erzählen. Wir sehen, wie süchtig Bonnie innerhalb kürzester Zeit wird. Regelrecht eingeprügelt wird uns zudem die Kernbotschaft des Films: Echte und gesunde Freundschaften findest du nicht, wenn du nur akzeptiert wirst, weil du das neueste Hightech-Gerät besitzt – oder wegen einer sonstigen Oberflächlichkeit. Diese simple Message ist durchaus angemessen und pädagogisch wertvoll für kleinere Kinder. Noch dazu ist die Geschichte, in die diese Botschaft eingebettet ist, gewohnt niedlich erzählt – etwa dahingehend, wie rührend manche Charaktere miteinander umgehen.
Was Pixar-Filme in der Regel aber so auszeichnet ist, dass sie für Klein und Groß funktionieren. Im Fall von "Toy Story 5" lässt sich das leider weniger behaupten als bei seinen Vorgängern. Nicht jeder Erwachsene wird das zwangsläufig so empfinden, doch Teil fünf hat das Potenzial dazu, zu unterfordern und zu langweilen. Es handelt sich damit weniger um einen Familien- als eher um einen Kinderfilm. Mit Blick auf die oft hohen Ticket- und Snackpreise, die mehrköpfige Familien besonders spüren, ist das bedauerlich.
Fäkalhumor und schnelle Sprüche statt echter Witz
Als Hoffnungsträger fungiert bei Animationsfilmen nicht selten der Humor. Leider präsentiert sich dieser in "Toy Story 5" noch unkreativer als die unterkomplexe Handlung, in der stets der einfachste erzählerische Weg gewählt wurde. Witze, die liebevoll und geduldig aufgebaut werden, fehlen gänzlich. Stattdessen sollen es schnelle Sprüche richten, wobei es sich oftmals um Fäkalhumor handelt. Einzig und allein zu diesem Zweck gibt es übrigens den Charakter Schlaumeier, ein elektronischer Töpfchen-Trainer.
Dieser reißt sogar mal einen Analsex-Witz – ein ebenso verzweifelter wie halbherziger Versuch, humoristisch auch die Eltern abzuholen. In einem Film, der sich darüber hinaus primär an kleine Kinder richtet, wirkt das maximal deplatziert. Ganz abgesehen davon, dass auch Eltern es verdienen, mit Witzen unterhalten zu werden, die ein bisschen mehr Tiefe aufweisen. Unglücklicherweise hält "Toy Story 5" so wenige lustige Momenten bereit, wie kein anderer Film aus der Reihe.
Animationen auf einem neuen Level – dennoch steht "Toy Story 5" für den Qualitätsverlust bei Pixar
Aus Erwachsenensicht rettet sich "Toy Story 5" einzig und allein mit seiner visuellen Schönheit. Die Animationen sind detailliert, farbenfroh und wirken teils geradezu wie gefilmt, sodass es einem immer wieder die Sprache verschlägt. Es scheint unmöglich zu sein, sich etwa an der grünen, hügeligen Landschaft oder dem Sonnenuntergang satt zu sehen. Schlicht beeindruckend ist es, wozu Animationskünstler im Zusammenspiel mit moderner Technik mittlerweile in der Lage sind.
Letztendlich muss man festhalten: "Toy Story 5" existiert primär deswegen, weil sich die verantwortlichen Anzugträger in ihren Büros dafür entschieden haben. In Zeiten großer Nostalgie scheint das finanziell betrachtet eine sichere Bank zu sein. Es ist erstmal nichts Verwerfliches daran, dass die Wahl auf "Toy Story 5" gefallen ist und nicht auf einen gänzlich neuen filmischen Stoff. Auch wenn es schade ist, dass frische Pixar-Highlights, wie "Soul" (2020) oder mit Abstrichen "Elemental" (2023) längst eine Minderheit bilden.
Die glorreichen Zeiten in den 1990ern und vor allem 2000er Jahren, in denen uns Pixar mit einem Meisterwerk nach dem nächsten beglückte (Die Monster AG, Findet Nemo, Ratatouille, WALL-E etc.) sind vorbei. Vielleicht müssen wir uns damit abfinden – doch sicherlich müssen wir uns deshalb nicht mit Pixar-Filmen zufriedengeben, bei denen lediglich in das Visuelle wahre Leidenschaft geflossen ist.
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