Was spielt im Kino? Der Habicht, der Kraken und Woody
Spielzeug, das erst ein Leuchten in Kinderaugen zaubert und dann irgendwann in der Ecke verstaubt, bevor es in einer Kiste landet und schließlich ganz verschwindet – es ist wohl der Lauf der Dinge. Schon der allererste "Toy Story"-Film erzählte im Grunde genau diese tragische Geschichte. Cowboy Woody musste damals um seine Existenz fürchten, als mit Buzz Lightyear plötzlich ein neueres, lauteres, spektakuläreres Spielzeug auftauchte. Über 30 Jahre später sind Woody und Buzz immer noch da – schon lange nicht mehr als Rivalen, sondern als Freunde und Verbündete. In "Toy Story 5" müssen beide nun gemeinsam fürchten, aus dem Kinderzimmer verdrängt zu werden.
Außerdem neu in dieser Woche: "H wie Habicht" erzählt die wahre Geschichte einer Frau, die sich zur Trauerbewältigung einen Greifvogel zulegt, und in "Kraken – Erwachen der Tiefe" wird ein uralter Hochsee-Mythos neu erzählt.
Toy Story 5
Der kleine Andy aus dem ersten Teil von Pixars "Toy Story"-Reihe ist längst aus dem Spielzeugalter herausgewachsen, an seine Stelle ist inzwischen Bonnie getreten. Aber auch die wird älter und lässt ihre alten Spielsachen irgendwann links liegen. Ein neues Tablet mit dem Namen "Lilypad" zieht das achtjährige Mädchen ganz in seinen Bann.
Die Technik-Revolution im Kinderzimmer, ebenso weitreichend wie gruselig, kommt also in "Toy Story 5" an. Da sehen Woody, Buzz Lightyear und Co. auf einmal richtig alt aus. Also wirklich richtig, richtig alt: Im Trailer blitzte kurz schon eine kleine kahle Stelle am Hinterkopf des Spielzeug-Cowboys auf, dem in der deutschen Fassung wieder Michael "Bully" Herbig seine Stimme leiht (im Original, wie gewohnt: Tom Hanks).
Überhaupt ist der Humor der wegweisenden Animationsreihe ein bisschen erwachsener geworden. In den USA, wo "Toy Story 5" bereits im Juni startete, wurde der Film als erster der Hauptreihe mit einem "PG"-Rating versehen ("Parental Guidance") – das entspräche in Deutschland theoretisch einer FSK-6-Einstufung, hierzulande ist der Film aber trotzdem ab null Jahren freigegeben.
Woody, Buzz, Cowgirl Jessie und all die anderen bekannten Spielsachen aus der "Toy Story"-Palette müssen sich nun also überlegen, wie sie mit Lilypad umgehen sollen. Dieses neue Spielzeug leuchtet zwar sehr schön und gibt sich immer freundlich und hilfsbereit, aber die Gefahr, dass das traditionelle Spielzeug in der Versenkung verschwindet, ist jetzt natürlich so groß wie nie.
Die Geschichte zu diesem fünften "Toy Story"-Film, der in den USA bereits über 900 Millionen Dollar einspielte, entwickelte Andrew Stanton gemeinsam mit McKenna Harris. Stanton, seit dem ersten Teil von 1995 Teil des Autorenteams, führte nun erstmals auch Regie bei einem "Toy Story"-Film. In der Vergangenheit inszenierte der Oscargewinner unter anderem schon Pixar-Klassiker wie "Findet Nemo" und "Wall-E".
H wie Habicht
Helen Macdonald (Claire Foy) möchte einen Habicht zähmen, ausgerechnet – einen der "wildesten und verrücktesten" Vögel überhaupt, wie es im Film heißt. Mit Enten, Krähen oder Tauben wäre es wohl deutlich leichter. Aber leicht soll es gar nicht sein. "H wie Habicht" erzählt basierend auf einer wahren Geschichte von einer Frau, die einen schweren Verlust erlitten hat. Das Tier, das sie durchaus nicht zufällig wählt, soll ihr bei der Trauerbewältigung helfen.
Als Vorlage für das Drama "H wie Habicht" dient die gleichnamige Autobiografie von Helen Macdonald, einer britischen Autorin und Lyrikerin, die bevorzugt über die Natur schreibt. Ihre 2014 veröffentlichten Memoiren gewannen mehrere internationale Preise, das Buch wurde zum Bestseller. Jetzt also findet Macdonalds ergreifende Geschichte auch den Weg auf die Kino-Leinwand. Philippa Lowthorpe führte Regie und verfasste mit Emma Domoghue auch das Drehbuch. Hauptdarstellerin Claire Foy wurde beim Züricher Filmfest mit dem "Golden Eye Award" ausgezeichnet und erntete vor dem Kinostart bereits viel Lob, auch von Helen Macdonald selbst, die schwärmt: "Claire Foy ist großartig und eine geborene Falknerin."
Helen ist die Tochter von Alisdair Macdonald (Brendan Gleeson), einem bekannten britischen Fotografen, der sich ebenfalls am liebsten in der Natur aufhält. Die beiden verbindet vor allem ihre gemeinsame Leidenschaft für Greifvögel. Und als Alisdair stirbt, stürzt Helen böse ab: "Er war der einzige Mensch, der mich verstanden hat." Die Akademikerin zieht sich zurück, legt sich einen Habicht zu, nennt ihn Mabel. Die Frau richtet bald ihr ganzes Leben auf das Tier aus, findet so einen neuen Zugang zur Natur und zu sich selbst. Ihr Umfeld allerdings hat wenig Verständnis für Helens absolute Hingabe. Ein Vogel kann schließlich keine Menschen ersetzen, schon gar nicht die, die man am meisten liebt.
Kraken – Erwachen der Tiefe
Über 95 Prozent der Weltmeere sollen unerforscht sein. Wahrscheinlich trägt das auch zu dem besonderen Grusel bei, der für viele Menschen von großen Gewässern ausgeht. Wenn man nur genauer wüsste, was da unten in der dunklen Tiefe alles herumschwimmt, vielleicht hätte man dann auch weniger Angst? In diesem Fall würde es wohl alles nur schlimmer machen: In "Kraken" taucht ein mysteriöses Ungetüm auf, das in der realen Welt bislang kaum dokumentiert wurde, aber schon seit vielen Jahrhunderten Gegenstand zahlreicher maritimer Schauergeschichten ist.
Die Erzählungen von Riesenkraken lassen sich in der nordischen Literatur mindestens bis ins zwölfte Jahrhundert zurückverfolgen, das Stückchen Wahrheit hinter dieser Legende hängt wohl an den tellergroßen Saugnäpfen der Riesenkalmare. Bis heute beschränkt sich fast alles, was die Wissenschaft über die mächtigen Tiere weiß, auf gelegentlich angespülte tote Überreste. Die norwegischen Regisseure Pål Øie und Sjur Aarthun und ihr Autorenteam erwecken diesen Mythos nun in einem Monsterfilm zum Leben.
Nur knapp über fünf Millionen Dollar kostete dieser Horrorstreifen, das würde bei vergleichbaren amerikanischen Produktionen rund um Godzilla oder King Kong heutzutage nicht einmal mehr für den Vorspann genügen. Skandinavische Filmemacher haben aber schon oft damit erstaunt, wie viel Spannung und Action sie auch mit kleinen Mitteln erzeugen können. Pål Øie selbst demonstrierte es 2019 eindrucksvoll in seinem Katastrophenfilm "The Tunnel", und auch die ersten Reaktionen zu "Kraken – Erwachen der Tiefe" fielen mehrheitlich positiv aus.
Die Geschichte spielt im norwegischen Sognefjord, dem tiefsten Fjord Europas. 1.303 Meter sind es bis zum Grund. Die Meeresbiologin Johanne (Sara Kohrami) soll hier die Fischbestände genau untersuchen, zuletzt sind nämlich größere Mengen Wildlachs unter seltsamen Umständen verendet. Überhaupt gab es in dem Fjord ein paar seltsame Vorfälle, in einem relativ kurzen Zeitraum sind auffallend viele Menschen im Wasser verschwunden. Und plötzlich beginnt man sich an furchterregende alte Geschichten rund um diese Gewässer zu erinnern ...
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH