Motsi Mabuse enthüllt intime Details über ihr Leben
Die meisten Menschen kennen und lieben Motsi Mabuse für ihre quirlige Art. Im Interview zum Start zweier neuer Formate zu den Themen Familie, Traumaverarbeitung und Selbstfindung wird die populäre Profitänzerin aber ungewohnt ernst.
Ein schallendes Lachen und Energie für zwei – so kennen und lieben ihre Fans Motsi Mabuse. Die Profitänzerin, die 2011 zum Start der vierten Staffel "Let's Dance" vom Parkett an den Jurytisch wechselte, musste im Laufe der Jahre allerdings auch einiges durchmachen, um dorthin zu gelangen, wo sie heute ist: eine Mutter mit einer hart erarbeiteten Karriere. Mit ihrem Mann Evgenij Voznyuk (42) zieht sie nicht nur eine Tochter groß, sondern sie haben auch eine Tanzschule gegründet. Außerdem pendelt sie so oft es geht zwischen Europa und Südafrika – ihrer Familie wegen. Dieser Alltag will organisiert sein. Wie die 45-Jährige im Interview anlässlich des Starts zweier neuer WDR-Produktionen erzählt, ist das kein leichtes Unterfangen.
In der sechsteiligen Doku "Motsi & Oti – Meet the Mabuses" (ab Montag, 19. Oktober, in der ARD Mediathek sowie im WDR Fernsehen wöchentlich eine Doppelfolge ab Freitag, 30. Oktober, um 23.59 Uhr) nimmt Mabuse ihre Fans mit auf eine Reise zu ihren kulturellen Wurzeln. So private Einblicke lässt der TV-Profi nur selten zu. In dem zehnteiligen Social-Reality-Format "Vibes – Find Your Fire" (ab Donnerstag, 5. November, in der ARD-Mediathek) hingegen richtet die Tänzerin den Blick nach außen und unterstützt andere (prominente) Frauen dabei, zu sich selbst zu finden und Erlebtes zu verarbeiten. Bei ONE laufen die Folgen im Dreierpack wöchentlich ab Donnerstag, 12. November, jeweils um 21.45 Uhr, und im WDR Fernsehen ab Freitag, 8. Januar, jeweils um 23.23 Uhr.
prisma: In der Auftaktfolge von "Motsi & Oti – Meet the Mabuses" sagen Sie über Ihr Alter, Sie seien "mittendrin" und fühlten sich "jung". Wie meinen Sie das?
Motsi Mabuse: Ich weiß gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Ich habe das Gefühl, ich bin gerade erst nach Deutschland gekommen, und wir fangen gerade erst richtig an (schmunzelt). Ja, ich fühle mich jung und mittendrin in all den Möglichkeiten, die mir das Leben bietet. Ich versuche einfach, jeden Tag positiv zu beginnen.
prisma: So kennen Sie Ihre Fans: lachend und voller Optimismus.
Mabuse: Auch ich habe nicht nur gute Momente. Es gibt auch schwierige Zeiten – das ist bei einem so vollgepackten Alltag wie meinem unvermeidbar. Das mag widersprüchlich klingen, aber trotz des ganzen medialen Trubels und obwohl ich oft so "laut" bin, versuche ich, meinen privaten Alltag sehr ruhig zu halten. Das heißt: Die Momente, die ich nicht im Fernsehen oder in den sozialen Medien zeige, sind meine friedvollen Momente. Ich schütze vor allem meine Familie vor den Augen der Öffentlichkeit. Denn meine Familie gibt mir unfassbar viel Kraft.
"Für mich ging es in erster Linie darum, mir so viel Selbstständigkeit wie möglich zu bewahren"
prisma: Sie haben eine Familie, eine Tanzschule, sind "Let's Dance"-Jurorin, starten zwei neue Formate – Wann wird aus Ehrgeiz eigentlich Überforderung?
Mabuse: Das muss natürlich jeder für sich selbst wissen, aber ich habe im Laufe der Jahre gelernt, in entscheidenden Momenten auf mich zu hören. Dann sage ich auch: "Stopp, Leute! Das wird mir zu viel." Allerdings arbeite ich auch einfach extrem gerne. Wenn ich es mir recht überlege, sind es wohl eher die anderen, die mir sagen, ich solle langsamer machen (lacht). Nichtsdestotrotz höre ich auf meinen Körper. Ob mir alles zu viel war, kann ich jedoch immer erst im Januar sagen, wenn ich auf das Jahr zurückblicke. Da kam es in den vergangenen Jahren schon ab und an mal vor, dass ich mir dachte: "Ja, da hast du etwas übertrieben, Motsi."
prisma: Wie ist es, als Mutter so eine TV-Karriere wie Ihre zu haben?
Mabuse: Ich bin ganz ehrlich: Es ist nicht einfach. Man muss mit allem klarkommen, was diese Entscheidung bedeutet, und mit sich selbst im Reinen sein. Ich frage mich immer wieder: Für wen mache ich das – für mich, meine Tochter, unsere Familie, unsere Sicherheit? Für mich ging es in erster Linie darum, meine Familie zu schützen und mir so viel Selbstständigkeit wie möglich zu bewahren. Gleichzeitig muss man irgendwann sagen können: Genug ist genug.
prisma: Würden Sie Ihre Tochter – sofern sie diesen Wunsch hat – dabei unterstützen, in Ihre Fußstapfen zu treten?
Mabuse: Ich würde ihr nicht unbedingt dazu raten. Aber wenn sie ins Fernsehen möchte und bereit ist, die nötige Arbeit zu investieren, würde ich sie unterstützen. Das Gleiche gilt fürs Tanzen: einfach ist nichts davon, auch wenn es manchmal so aussieht. Ich unterstütze mein Kind wie jede Mutter, sage ihr aber ganz klar, was das bedeutet. Vorschriften mache ich ihr letztlich aber nicht.
"Eine einfache Alltagsplanung ist bei uns nicht möglich"
prisma: Sie scheinen ein echter Familienmensch zu sein. Warum ist in der Doku nur Ihre jüngste Schwester Oti mit von der Partie und nicht Phemelo?
Mabuse: Es lag lediglich an der Logistik: Phemelo lebt immerhin noch in Südafrika. Daher kommt sie nur an manchen Stellen in der Doku vor. Aber natürlich vermisse ich meine ganze Familie. Ich vermisse diese klassischen Familienmomente. Dieses: "Sonntags gehen wir zu Oma." Eine einfache Alltagsplanung ist bei uns nicht möglich, und Momente mit allen sind selten. Zum Glück haben wir unsere Schwiegereltern, die uns hier in Deutschland das Gefühl einer großen Familie vermitteln. Mit meiner Familie in Südafrika telefoniere oder facetime ich so oft wie möglich. Mindestens einmal im Jahr steigen wir auch in den Flieger. Sie kommen uns auch besuchen. Meine Eltern haben jetzt ein Fünf-Jahres-Visum für London, wo wir viel arbeiten. So ist es für alle einfacher.
prisma: Was unterscheidet Sie denn am meisten von Ihren Schwestern?
Mabuse: Wir sind zwar verschiedene Charaktere, aber wir haben alle Feuer. Der wohl größte Unterschied liegt in unserer Erziehung. Ich bin schließlich zehn Jahre älter als Oti und bin deshalb in einer ganz anderen Lebensphase unserer Familie aufgewachsen. Unsere Eltern waren damals selbst jünger und unsere Lebensumstände waren andere. Trotzdem haben wir dieselben Werte mitbekommen.
prisma: Wie hart ist der Konkurrenzkampf zwischen Ihnen beiden als erfolgreiche Tänzerinnen?
Mabuse: Konkurrenzkampf haben wir von Anfang an ausgeschlossen. Es gibt da draußen genug Stress – den wollen wir nicht auch noch untereinander haben. Stattdessen versuchen wir, uns gegenseitig zu unterstützen. Natürlich sind wir Schwestern, da bleiben Streit und unterschiedliche Meinungen nicht aus. Aber wir haben früh beschlossen, auch in solchen Momenten erwachsen miteinander umzugehen – auch wenn es mal kriselt. Kommunikation ist dabei entscheidend – und genau das macht den Unterschied.
"Ich liebe es, mich mit Frauen zu vernetzen"
prisma: Sie sprechen von Stress: Frauen im Fernsehen werden leider noch zu oft nach ihrem Aussehen, ihrem Alter und ihrem Körper beurteilt. Hat Ihr Standing in der Öffentlichkeit es für Sie schwieriger gemacht, Veränderungen an sich selbst zu akzeptieren?
Mabuse: Wer in der Öffentlichkeit steht, weiß, dass Veränderungen oft öffentlich wahrgenommen und kommentiert werden. Natürlich gibt es Momente, die man lieber für sich behalten würde. Als ich während der Dreharbeiten zur elften Staffel von "Let's Dance" schwanger war, ließ sich das beispielsweise nicht verbergen – ich war schließlich im Fernsehen. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass mir die Öffentlichkeit das Leben schwer macht. Ich betrachte das aus einer Haltung der Dankbarkeit und denke daran, was andere Menschen in ihrem Leben durchmachen müssen.
prisma: In "Vibes – Find Your Fire" geht es genau darum: den Zugang zu sich selbst neu zu entdecken oder überhaupt erst zu erschließen.
Mabuse: Ja, daran arbeite ich seit Jahren mit vielen Frauen. Mich interessieren und bewegen die vielen Geschichten und Schicksale, die ich höre. In den Erzählungen anderer Frauen und im Zusammenhalt mit ihnen finde ich Ruhe und Verbundenheit. Ich liebe es, mich mit Frauen zu vernetzen. Das Format würde ich durchaus als "Reality-TV" bezeichnen, weil es auf der Realität basiert. Frauen kommen zusammen, sprechen über unterschiedliche Themen, Traumata und Sorgen und werden in ihrem Alltag begleitet. Aber Trash-TV? Niemals! Dafür steigen wir viel zu tief ein. Mir war besonders wichtig, dass sich die Frauen gut repräsentiert fühlen und mit Würde aus dem Format gehen. Sie sollen anschließend in den Spiegel schauen und stolz auf sich sein können.
"Wie sollen wir vorankommen, wenn wir es nicht aushalten, dass auch Frauen einmal laut sind?"
prisma: Mit Ihren neuen Formaten bieten Sie Ihren Kritikern noch mehr Angriffsfläche. Wie gehen Sie mit Kritik oder gar Hass um? Mabuse: Die entscheidende Frage lautet: Was kann ich tun, um mich in diesen Momenten selbst zu schützen? Ein gutes Support-System ist dafür enorm wichtig. Gerade wenn Sender mit People of Color arbeiten, ist mir wichtig, dass es ein Bewusstsein dafür gibt, dass rassistische Anfeindungen leider Teil der Realität sein können und dass entsprechende Unterstützung vorhanden ist. Man muss auch auf Hasskommentare vorbereitet sein. Ich neige zwar dazu, zu viele davon zu lesen, mache mir aber fast mehr Sorgen um die Menschen, die ich liebe und die davon getriggert werden könnten. Umso wichtiger ist die Unterstützung innerhalb der Familie: Wir wissen, was passiert, und helfen uns gegenseitig. Dank unseres starken Support-Systems können wir auch diese Art von Gegenwind bewältigen.
prisma: "Vibes – Find Your Fire" ist ein Format nur mit Frauen. Was halten Sie in diesem Zusammenhang von dem Begriff "Misandrie"? Sollten wir auch wieder mehr über die Bedürfnisse von Männern sprechen?
Mabuse: Es muss Platz für alle geben. Ich stehe für Vielfalt, für Frauen, Männer und Menschen mit Migrationsgeschichte, für alle, die menschlich miteinander umgehen. Wir sollten uns alle gegenseitig unterstützen, vor allem aber Minderheiten. Wir produzieren derzeit eine Dokumentation über eine Patchworkfamilie, die teilweise aus Südafrika stammt, aber in Europa lebt. Wir sind Diversity. Es gibt genug Raum für unterschiedliche Geschichten. Aber wie sollen wir vorankommen, wenn wir es nicht aushalten, dass auch Frauen einmal laut sind? Wir dürfen andere Geschichten erzählen. Es geht nicht darum, Männer leiser zu machen. Es geht darum, dass Frauen und andere Perspektiven genauso viel Raum bekommen dürfen. Gleichberechtigung bedeutet für mich nicht, jemandem seine Stimme wegzunehmen, sondern mehr Stimmen hörbar zu machen.
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH