Neuer Showmaster

"heute-show"-Star Fabian Köster: Die Überraschung als Quizmaster

29.07.2026, 10.26 Uhr
Fabian Köster, bekannt aus der "heute-show", wird ab dem 2. August erstmals als Showmaster in "Das Fifty-Fifty Quiz" im NDR und der ARD Mediathek zu sehen sein. Mit dabei sind prominente Gäste wie Oliver Welke und Lutz van der Horst.

In "Das Fifty-Fifty Quiz" geht es um Tempo bei der Entscheidung zwischen zwei Antwort-Alternativen. Die Show basiert auf dem erfolgreichen BBC-Quiz "The Answer Run". Fabian Köster, mittlerweile 31-jähriger "heute-show"-Star, übernimmt erstmal den Job des "Hosts" in einer Show. Fünf 45 Minuten Folgen sind zunächst geplant, die im NDR-Fernsehen (ab Sonntag, 2. August, wöchentlich, um 22.45 Uhr) und der ARD-Mediathek zu sehen sind. Zum Auftakt von "Das Fifty-Fifty-Quiz" gibt es für Fabian Köster neben Oliver Welke Besuch von "heute-show"-Kollege Lutz van der Horst. In den nächsten Ausgaben treten unter anderem Michael Kessler, Laura Karasek, Bodo Wartke, Jens Riewa, Michael Thürnau und Zora Klipp an. Im Interview spricht Fabian Köster über die heute junge Generation und darüber, was passieren müsste, damit Politik wieder im positiven Sinne mitreißt.

prisma: Beim "Fifty-Fifty Quiz" gibt es bei jeder Frage nur zwei Antwortmöglichkeiten. Stehen wir im Leben oft vor der Entscheidung A oder B? Oder gibt es bei den meisten Fragen mehr als zwei mögliche Antworten?

Fabian Köster: Oh, Sie steigen gleich mit Philosophie ein! Das ist interessant, aber ich glaube nicht, dass Quiz-Shows wirklich einen philosophischen Unterbau mitbringen. Trotzdem ist die Show so lebensnah, dass alle Teams, die bisher mitgespielt haben, einen Riesenspaß hatten.

prisma: Bietet sich nicht das Raten an, wenn man mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent richtig liegt?

Köster: Grundsätzlich ja. Aber das Regelwerk hat da natürlich dran gedacht. Bei einer falschen Antwort wird einem der angezeigte Betrag vom Konto abgezogen. Man sollte also nur dann raten, wenn man gar nicht mehr weiter weiß, aber die Punkte unbedingt braucht.

"Ich stand schon sehr früh auf der Bühne"

prisma: Wie oft standen Sie im Leben vor der Entscheidung A oder B?

Köster: Jedes Mal, wenn Oliver Welke in der "heute-show" gesagt hat, du musst wieder zum CSU-Parteitag, habe ich mir überlegt: Gehe ich wieder zu Markus Söder oder mache ich mir ein schönes Wochenende? Am Ende hat bei mir immer die Lust auf Satire gesiegt und dafür ist die CSU einfach der beste Ort.

prisma: Sie sind gerade 31 Jahre alt geworden, aber schon seit zehn Jahren bei der "heute-show". Wie passiert so etwas mit gerade mal 20?

Köster: Im Ensemble bin ich seit 2016, aber im Autorenteam fing ich schon mit 16 Jahren an. Ich hatte ein Praktikum in der Redaktion gemacht. Zu dem bin ich gekommen, weil ich davor schon sehr früh auf der Bühne stand mit Comedy-Programmen.

prisma: Überall, wo Sie waren, dürften Sie mit großem Abstand der Jüngste gewesen sein. Fanden Sie das cool oder war es auch ein bisschen komisch?

Köster: Ich glaube, es war eine Mischung aus beiden. Für mich war es vor allem cool, dass ich schon so früh den Kontakt zur "heute-show" hatte. Deshalb stellte sich nie die Frage, wie ich in diesen Job reinkommen soll. Wäre die "heute-show" nicht gewesen – wer weiß, ob ich meinen Traum von Comedy als Beruf überhaupt realisieren hätte können. Ich bin mir keineswegs sicher, dass es eine Alternative gegeben hätte. Ein bisschen komisch war es natürlich, im Büro oder im Ensemble immer deutlich der Jüngste zu sein. Man vergisst das dann aber auch im Alltag. Weil sich alle schnell dran gewöhnen ...

"Politiker schauen wirklich fast alle die 'heute-show'"

prisma: Wie war das bei Ihren Auftritten vor der Kamera mit Politikern. Haben die Sie für voll genommen?

Köster: Ganz am Anfang gab es natürlich Überraschungseffekte, aber die waren nach zwei, drei Auftritten verpufft. Politiker, das weiß ich, schauen wirklich fast alle die "heute-show". Insofern kannten die mich ziemlich schnell und das Unterschätzt-werden hatte sich damit erledigt. Trotzdem war genau das für meine ersten Einsätze sehr hilfreich.

prisma: Sie sind im Teenageralter auch bei Poetry-Slams aufgetreten. Hatten Sie damals einen konkreten Traum, was Sie mal werden wollten?

Köster: Ich habe Poetry-Slam gemacht, aber auch Stand-up-Comedy bei "NightWash" oder auch in der alten Stefan Raab-Show. Irgendwie ging es immer weiter. Deshalb musste ich mir nie Gedanken über seriöse Berufe machen. Hätte ich keinen Erfolg gehabt oder wäre er irgendwann in einer Sackgasse geendet, hätte ich vermutlich weiter Sozialwissenschaften studiert, was ich mal angefangen hatte, aber wegen der Arbeit dann auch wieder abgebrochen habe.

prisma: Wissen Sie, welche Art von Befriedigung Ihnen der Job gibt?

Köster: Am Anfang war es das kreative Schreiben und natürlich die Lust, vor Publikum auf der Bühne zu stehen. Ein Grundinteresse an Politik hatte ich aber auch schon immer. Mit der "heute-show" konnte ich beides miteinander verbinden. Das war natürlich ideal.

prisma: Sie standen mit 13 oder 14 Jahren das erste Mal auf der Bühne. Haben Sie damals schon politische Witze gerissen?

Köster: Eher nicht. Damals hatte ich Alltagsthemen. Von der Wanderung mit der Familie bis zu Dingen, die ich im Fernsehen gefunden hatte. Es war die breite Themenpalette eines Teenagerlebens. Wenn du Comedy machst, bleibt dir nichts anderes übrig als in der eigenen Lebensrealität zu fischen. Alles andere ist totaler Quatsch.

"Es freut mich, wenn junge Leute im Publikum über Politik lachen"

prisma: Und Ihr Publikum war die Generation Ihrer Eltern?

Köster: Es war und ist sehr unterschiedlich. Beim "Poetry Slam" war es vor zehn Jahren, als das Phänomen durch die Decke ging, ziemlich jung. Die studentische Szene – würde ich sagen. Als ich übers ZDF bekannt wurde, stieg der Altersschnitt meines Live-Publikums deutlich (lacht). Mittlerweile bin ich mit einem Soloprogramm aus zehn Jahren Reporter-Einsatz bei der "heute-show" unterwegs. Dabei sehe ich oft Familien im Publikum, die zwölfjährige Kinder dabei haben, die ebenfalls regelmäßig die "heute-show" schauen. Das gefällt mir gut, weil man sieht, dass sich auch ganz junge Leute durchaus für Politik interessieren.

prisma: Wie politisch ist die junge Generation in Deutschland?

Köster: Ich glaube, sie ist politischer als viele Leute denken. Das hat man vor fünf Jahren bei "Fridays for Future" gesehen oder neulich bei den Demos gegen Wehrpflicht. Ich beobachte eher eine Enttäuschung der Jungen und kein Desinteresse. Mir tut diese Generation leid. Die Jungen von heute haben viel Mist erlebt. Erst war Corona und Lockdown, dann greift Putin die Ukraine an und wir haben seitdem Krieg in Europa. Von anderen großen globalen Problemen ganz zu schweigen. Ich finde, es gehört mittlerweile einiges dazu, den Mut nicht zu verlieren. Deshalb freut es mich umso mehr, wenn junge Leute im Publikum über Politik lachen. Gerade der Zusammenhalt zwischen den Generationen liegt mir sehr am Herzen. Es freut mich, wenn in meinem Programm Menschen verschiedener Generationen sitzen, die miteinander über die gleichen Dinge lachen.

prisma: Wie enttäuscht sind Sie selbst von der Politik?

Köster: Ich bin oft von der Politik enttäuscht. Insofern kann ich den Frust der Leute, die noch mal zehn oder 15 Jahre jünger sind als ich, gut nachvollziehen. Die Regierung Merz hat viel versprochen und danach viele Aussagen einkassiert. Stichwort: Schuldenbremse. Klar, es gibt immer mal berechtigte Gründe, seine Meinung zu ändern, aber schlimm finde ich, wenn man gar keine klare Meinung hat und alles dem scheinbar kurzfristigen Erfolg unterordnet. Was ich wie viele andere in der Politik vermissen, ist eine positive Vision. Dass mal wieder jemand mutig denkt und das wirklich auch durchzieht. Wenn ich mir den letzten Bundestags-Wahlkampf anschaue, war das nur ein Kampf gegeneinander. Keine der drei Kanzlerkandidaten-Parteien hatte eine Vision zu bieten. Olaf Scholz fand Merz doof und Merz umgekehrt Scholz und Habeck. Und Habeck selbst hat ein bisschen philosophiert. Das reicht aber nicht ...

"Ich brenne genauso für Politik wie für den FC"

prisma: Momentan bangt man um die Zukunft der Demokratie. Haben wir die falschen Politiker im richtigen System?

Köster: Ich würde die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich bald wieder Leute zur Wahl stellen, die Begeisterung und Aufbruch im demokratischen Sinne auslösen. Die Abwahl von Viktor Orbán in Ungarn nach 16 Jahren Macht-Zementierung ist ein wunderbares Beispiel. Er musste abtreten, weil sich ein frischer demokratischer Kandidat mit einer positiven Vision gegen das alte System stemmte. Auch in den Niederlanden musste sich Rechtspopulist Geert Wilders einem jungen, liberalen Demokraten geschlagen geben. Wir müssen nicht so pessimistisch sein, aber gerade die Bundesregierung muss zeigen, dass sie arbeitet statt zu streiten und dass sie wirklich etwas erreichen kann.

prisma: Sie machen seit zwei Jahren auch einen Podcast mit dem ehemaligen Kölner Fußball-Profi und Nationalspieler Jonas Hector. Wie kam es dazu?

Köster: Wir sind beide Kölner und sehr sportinteressiert. Bei Jonas liegt dies als Ex-Profi natürlich auf der Hand, aber auch ich bin sehr sportinteressiert. Ich treibe auch selbst viel und gerne Sport – trotz leider bereits zwei Kreuzbandrissen. Früher spielte ich Fußball, heute gehe ich wegen meines Knies eher zum Laufen oder Radfahren. Außerdem bin ich Fan des 1. FC Köln, was nicht immer einfach ist, aber auch das hat Jonas und mich zusammengebracht.

prisma: Gibt es in Ihrem Leben einen reinen Hobby-Bereich, über den Sie sagen würden: Das hier mache ich nur für mich! Oder ist eigentlich alles eine Vermischung von privatem Interesse und Satire-Job?

Köster: Ich habe schon sehr viel von dem, was mich interessiert, zum Beruf machen können. Das betrachte ich aber als Privileg. Wenn ich selbst Sport treibe oder beim 1. FC Köln bin, sehe ich mich rein als Privatperson. Von der Leidenschaft ist beides gleich stark ausgeprägt. Ich brenne genauso für Politik wie für den FC. Und man weiß nie, in welchem Bereich die Abstiegsgefahr größer ist.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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