Nolans Epos

"Ich würde mich schämen": Altphilologin zerreißt Christopher Nolans "Odyssee"

28.07.2026, 16.20 Uhr
Eigentlich beruft sich Regisseur Christopher Nolan bei der Entwicklung seines Filmstoffs auf ihre Übersetzung. Doch nun zerlegt die Altphilologin Emily Wilson sein Werk.
Christopher Nolan
Christopher Nolan beruft sich für die Entwicklung seines Films "Die Odyssee" auf die Übersetzung der britischen Altphilologin Emily Wilson. Doch die zerreißt das Werk nun.  Fotoquelle: 2026 Getty Images/Aalok Soni

Für die Entwicklung seines Monumentalfilms "Die Odyssee" berief sich Regisseur Christopher Nolan auf die Übersetzung und Interpretation der britischen Altphilologin Emily Wilson aus dem Jahr 2017. Umso deutlicher fällt nun ausgerechnet ihr Urteil über die Verfilmung aus.

In einer Rezension für die London Review of Books spart Wilson nicht mit Kritik. "Ich würde mich dafür schämen, wenn ich davon auch nur einen kleinen Teil geschrieben hätte", sagt sie über Nolans rund 250 Millionen Dollar teure Produktion. Dem Film fehle es an "psychologischer, emotionaler, politischer und ethischer Tiefe". Zudem wirke die Vision des Regisseurs unausgereift und die Figuren blieben erstaunlich blass. Ein eher ironisches Lob findet Wilson allerdings doch: Das Publikum werde mit spektakulären Effekten und imposanten Riesen bestens unterhalten.

Mit ihrer Kritik steht die Wissenschaftlerin nicht allein. Auch andere Althistoriker und Philologen bemängeln die aufwendig inszenierte Adaption von Homers Epos. Besonders die historische Darstellung sorgt für Diskussionen. So wird etwa hinterfragt, ob die gezeigten Schiffe tatsächlich dem antiken Griechenland entsprechen oder eher an Wikingerschiffe erinnern. Die Diskussion um historische Ungenauigkeiten greift allerdings zu kurz. Schließlich handelt es sich bei Homers "Odyssee" nicht um einen historischen Roman, sondern um ein mythologisches Epos, das seit jeher von fantastischen Figuren und übernatürlichen Ereignissen geprägt ist.

Die Kinokasse klingelt

Trotz der kritischen Stimmen feiert der Film an den Kinokassen große Erfolge. Matt Damon verkörpert Odysseus, der nach dem Trojanischen Krieg den langen und gefährlichen Weg zurück zu seiner Frau Penelope antritt, die von Anne Hathaway gespielt wird. Bereits nach zwei Wochen Laufzeit gehört "Die Odyssee" zu den zehn erfolgreichsten Filmen des Jahres. Zudem verzeichnet der Blockbuster das bislang erfolgreichste zweite Kinowochenende eines Christopher-Nolan-Films.

Nun richtet sich der Blick auf die nächsten Rekorde. Sollte der Film tatsächlich die Marke von 1,3 Milliarden erreichen, könnte er aktuelle Konkurrenten wie "Toy Story 5", "Michael" und "Der Super Mario Galaxy Film" hinter sich lassen. Damit würde sich das Rennen um den erfolgreichsten Kinofilm des Jahres zu einem Duell zwischen Woody und Buzz auf der einen sowie Odysseus und Penelope auf der anderen Seite entwickeln.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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