Robert Crumb gilt wegen seiner unzähligen aufs Papier erbrochenen Sexphantasien der grobschlächtigen Art als Obervater des Underground-Comic, zumal er sich auch häufig oberflächlicher Angriffe seitens einiger Staatsanwälte und Frauenrechtlerinnen erwehren mußte. Seine Geschichten mit anarchischen und geschmacklosen Bildern sind meist Satiren auf die Doppelmoral der US-Gesellschaft. Seine wohl bekannteste Erfindung ist der freche Kater Fritz, der in der pulsierenden Metropole New York lebt. Ihm steht nur der Sinn nach neuen aufregenden Abenteuern; meist in punkto Sex und Drogen. 1971 wurde einige Abenteuer des Katers von Ralph Bakshi als Zeichentrickfilm "Fritz the Cat" umgesetzt.

Die von David Lynch vorgestellte Dokumentation von Terry Zwigoff führt uns in die finstere und geheimnisvolle Welt des Zeichners Robert Crumb, genannt der "Breughel des 20. Jahrhunderts" (Robert Hughes, Time Magazine). In einigen seiner für ihre schonungslose Selbstkritik bekannten Comics ist der Künstler selbst die Hauptfigur. In dieser Dokumentation stellt Zwigoff den Menschen in den Vordergrund, der sich hinter dem populären Comic-Helden verbirgt. Mit ihm zusammen ist er in das Haus in Philadelphia gefahren, wo Crumb und seine beiden Geschwister eine sehr traditionelle Erziehung genossen haben. In dieser bedrückenden Atmosphäre spielte das Zeichnen für den kleinen Robert bald eine große Rolle als Mittel zur Flucht aus der Alltagsmisere. Er sagt über diesen Abschnitt seines Lebens: "In der Jugendzeit fühlte ich mich von allem ausgeschlossen (...) Als mir bewußt wurde, daß ich ein Outcast war, bin ich kritisch geworden. Von klein auf hat mich die amerikanische Kultur abgestoßen." Die Dokumentation zeigt anhand der persönlichen Geschichte des Künstlers dessen verwirrendes und gewalterfülltes Werk, das nach Meinung vieler Kritiker ein getreues Spiegelbild der psychosexuellen Vorstellungswelt der US-Bürger darstellt.