Seinen ersten Spielfilm "Kurz und schmerzlos" (1998) hatte Fatih Akin, Jahrgang 1973, in den Straßen von Hamburg-Altona angesiedelt. Der zweite, "Im Juli", führte den Sohn einer türkischen "Gastarbeiter"-Familie bis nach Istanbul. Der erste Dokumenatarfilm Akins ist zwar kleiner und ruhiger, aber dennoch eine typische Akin-Geschichte geworden. Von Altona über Istanbul führt die Reise diesmal in das türkische Heimatdorf der Familie Akin - eine spiegelverkehrte Rückschau. Entstanden ist ein stimmungsvoller, sehr persönlicher Film über die Familie des Regisseurs, die dem Aufruf, als Gastarbeiter nach Deutschland zu kommen, 1965 gefolgt war.

Zunächst ging Akins Vater allein, zwei Jahre später holte er die Mutter nach, fünf Jahre später wurde Sohn Fatih in der fremden Heimat geboren. Für zwei Jahre war der Aufenthalt in Deutschland eigentlich nur geplant, inzwischen sind reichlich 35 Jahre vergangen und der Vater arbeitet immer noch für denselben Arbeitgeber. Mit Hilfe von Interviews und Anekdoten entsteht im Film ein komplexes Bild von Familienmitgliedern, die sehr unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen haben. Einige kehrten doch in die alte Heimat zurück, andere wanderten gar nicht aus. "Wir haben einfach vergessen, zurückzukehren", sagt der Vater. "Mein Film ist ein Einwanderungsfilm aus der Sicht der zweiten Generation geworden", sagt der Sohn. Zugleich handelt er von "irgendeiner neuen deutschen Familie", wie Fatih Akin es auch ausdrückt. Eines wird in seinem Film ganz deutlich: die unterschiedlichen Facetten des "Deutsch-Türkisch-Seins" sind mindestens so zahlreich wie die Mitglieder eines Familienclans.