Drei Personen - der 10jährige Jumbo, der 30jährige François und die 40jährige Zaza - sitzen an einem sonnigen August-Tag an einem Strand in der Bretagne. Sie beobachten den 45jährigen Vincent, der ein Stück von ihnen entfernt unermüdlich an einer Sandburg baut. Vincent ist der Bruder von François und Zaza. Die Sandburg scheint die Blicke der drei nicht nur aufzufangen, sondern auch zu reflektieren und in ihre Seelen zurückzuleiten: Während sie Vincent und seine Burg beobachten, wird jeder der drei nachdenklich. Für den Zuschauer beginnt nun eine Reise in ihr Innenleben auf den gewundenen Pfaden ihrer herumschweifenden Gedanken. Im Laufe der Geschichte wird eine Verbindung zwischen den drei Personen deutlich : Jeder von ihnen wurde in der Vergangenheit durch den Tod einer nahestehenden Person gezeichnet. Alle drei fühlten sich schuldig, aber jeder hat schließlich für sich einen Weg gefunden, damit fertig zu werden.

Seine dreigeteilte Struktur und mutige Erzählweise verleihen diesem ersten Spielfilm der jungen französischen Regisseurin Pascale Ferran seine Besonderheit: Brüche im Ton und im Ablauf der Geschichte, Figuren, die sich auf einmal direkt an den Zuschauer wenden, Lücken und Überschneidungen - um das Unsagbare zu sagen, wird nicht alles gesagt. Das gibt den Figuren ihre Intensität und macht sie geheimnisvoll. Dem Zuschauer wird es überlassen, die einzelnen Teile richtig zusammenzusetzen, um ihrem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Nach seinem Kinostart stieß "Die Sandburg" bei den Kritikern auf große Begeisterung. Die französische Zeitung Le Monde verglich Pascale Ferran aufgrund ihres Stils und der Struktur ihres Films sogar mit großen Namen wie Fritz Lang, Alain Resnais, John Manckiewicz und Stanley Kubrick. Der Film bekam 1994 die Goldene Kamera in Cannes und den Goldenen Bayard als bester Film bei den Filmfestspielen Namur 1994.