Das kleine Dorf Balliova im von türkischen Kurden besiedelten Niemandsland an der Grenze zum Iran und Irak im Jahr 2005: Immer wieder sorgen Grenzscharmützel für Unruhe in der Bevölkerung, das türkische Militär ist omnipräsent, die Menschen den Repressionen der Soldaten ausgesetzt. Trotz dieser schwierigen Umstände wollen Azad und seine Freundin Nazenin heiraten. Auf der Hochzeitsfeier kommt es jedoch zu einem Handgemenge mit dem türkischen Militär, in dessen Folge Azad auf einen Kommandanten schiesst. Seine einzige Chance zu überleben ist die Flucht ...

"Dol" bezeichnet ein traditionelles kurdisches Schlaginstrument, das im Mittleren Osten für Feierlichkeiten wie auch Beerdigungen verwendet wird. Diese unmittelbare Nähe von Freude und Leid durchzieht das Drama des kurdischen Regisseurs Hiner Saleem ("Wodka Lemon", "Kilomètre zéro") wie ein roter Faden. Im zeitweise betörend schönen Bildern macht Saleem das Publikum auf sein Volk aufmerksam, auf die Kurden, die zwischen den Grenzen leben. Auch wenn Saleem einen scharfen Blick auf die Realität wirft, verliert der Filmemacher nicht seinen künstlerischen Ansatz aus den Augen. In Zusammenarbeit mit dem langjährigen Kameramann von Theo Angelopoulos, Andreas Sinanos, schafft er es, minimalistische und fast choreographische Bilder einer verwundeten Erde einzufangen. "Dol" ist nicht nur eine Reise durch die beeindruckende Landschaft der kurdischen Berge, sondern porträtiert auch, wie der Krieg das Leben einfacher Menschen beeinflusst.

Foto: Mîtosfilm