Bis 1968 hat Pavel Navratil als Philosophieprofessor einen Lehrstuhl. Seine Studentinnen und Studenten lieben ihn, seine Stimme gilt viel unter den Anhängern des humanen Sozialismus. Doch nach der Zerschlagung des "Prager Frühlings" durch die Sowjetunion verliert Navratil seine Arbeit und schlägt sich als Totengräber durch. Mit seinen Studenten trifft er sich heimlich und "konspirativ" in seiner Wohnung. Eines Tages hat er genug von seiner fatalen Situation und entschließt sich zur Emigration.Irgendwo im Westen beginnt Pavel Navratil ein neues Leben - als Verlader auf einem Flughafen. Abends träumt er bei der Musik von Smetana von Prag, oder er sucht die heimische Atmosphäre bei einer schwermütigen Russin, der Besitzerin eines gut gehenden Bordells. Und immer wieder spielt Pavel mit seinem Prager Freund, dem Flughafenfriseur, "Nach-Prag-Fliegen".Fünf lange Jahre führt Pavel Navratil dieses Leben, dann fliegt er noch einmal nach Prag zurück, um endgültig Abschied zu nehmen.

Impuls und Vorbild für den poetisch verschlüsselten Emigranten-Film, die zweite Kinoarbeit der Grazer Filmemacherin Maria Knilli, die 1984 mit ihrem mehrfach preisgekrönten Regiedebüt "Lieber Karl" großes Aufsehen erregte, waren Schicksal und Person des tschechischen Charakterdarstellers und Autors Pavel Landovsky, der die Hauptrolle spielt. Landovsky - Jahrgang 1936 - war seit Mitte der 60er Jahre nicht nur in der CSSR, sondern auch in der Sowjetunion und in Polen hoch angesehen und umjubelt. 1971 noch hatte er für seine Leistung in der Filmkomödie "Die Leiden des jungen Bohacek" in der Sowjetunion den Preis als "bester Schauspieler des Jahres" entgegennehmen können. Ein Jahr später - am 6. Januar 1972 - sprachen die Behörden seiner Heimat ein Auftrittsverbot in den öffentlichen Medien aus, wenig später galt der Bannspruch auch für die Bühne. 1979 verlässt er zusammen mit Vaclav Havel und Ludvik Vaculic mit einem befristeten Ausreisevisum Prag und tritt ein Gastengagement am Burgtheater in Wien an. Ein Jahr später wird ihm die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft aberkannt. Maria Knilli geht es in ihrem Film um Themen, die auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs aktuell sind: Emigration und Abschiednehmen. "Mich hat diese Spiralbewegung beim Abschiednehmen fasziniert. Ein Mensch geht zurück, um noch einmal wegzugehen. Damit steigt er auf der Abschiedsspirale ein Stückchen höher. Nur im stetigen Hochsteigen wird er es letzten Endes schaffen, sich ganz zu lösen.