Salonta, eine Kleinstadt an der rumänisch-ungarischen Grenze: Hier lebt der 40-jährige Nelu mit seiner Frau auf einem abgelegenen Aussiedlerhof. Er hat schon lange aufgehört, die umliegenden Felder zu bestellen, und für die dringend nötige Reparatur des Daches fehlt das Geld. Bei seinem Job als Wachmann im örtlichen Supermarkt langweilt er sich und hilft stattdessen lieber beim Einräumen der Regale oder gibt Hausfrauen Tipps für die Zubereitung von Dosensuppen. Die Tage ziehen im immer gleichen Rhythmus dahin. Abwechslung bietet ihm nur das abendliche Angeln in den umliegenden Flüssen. Dort findet er eines Tages einen türkischen Flüchtling, der bei dem Versuch, nach Ungarn und weiter nach Deutschland zu gelangen, in Rumänien gestrandet ist. Nelu nimmt ihn mit nach Hause, gibt ihm Essen und saubere Kleidung und versteckt ihn im Keller. Obwohl sie keine gemeinsame Sprache haben, entwickelt sich zwischen den beiden ungleichen Männern eine Art stiller Freundschaft. Und so gerne Nelu Behran helfen würde, er weiß nicht wie. Zahlreiche Versuche, ihn über die Grenze zu bringen, scheitern. Vielleicht gelingt es morgen?

Regisseur Marian Crisan legte mit dieser stillen und mit lakonischem Humor inszenierten Tragikomödie sein Kinodebüt vor. Crisan weiß wovon er erzählt, stammt er doch selbst aus westrumänischen Salontat. Stimmig und in atmosphärisch dichten Bildern von Kameramann Tudor Mircea zeigt der Regisseur das ärmliche Leben am Rande Europas und zeichnet eine Parabel über Politik und Ökonomie, über Freundschaft und das verrückte Verlangen nach einem besseren Leben in der Zukunft. "Morgen" wurde beim Filmfestival von Locarno 2010 mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und erhielt beim Wiesbadener Osteuropa-Filmfestival "goEast" 2011 den Preis für die beste Regie.

Foto: ZDF/Tudor Mircea