Franklin J. Schaffner

Franklin J. Schaffner erhielt für "Patton" 1970 einen Oscar Vergrößern
Franklin J. Schaffner erhielt für "Patton" 1970 einen Oscar
Franklin J. Schaffner
Geboren: 30.05.1920 in Tokio, Japan
Gestorben: 02.07.1989

Mit der einfühlsamen Theaterverfilmung "Die verlorene Rose" (1962) von William Inge mit Joanne Woodward gibt der mehrfach ausgezeichnete Bühnen- und Fernsehregisseur Franklin J. Schaffner sein Kinodebüt. Schon hier spürt man, dass Schaffners Stärke in der Arbeit mit den Schauspielern liegt, die er zu äußersten Leistungen herausfordert. Der nächste Film, "Der Kandidat" (1963), basiert auf Gore Vidals Bühnenstück "Der beste Mann" und bestätigt diesen Eindruck: Zwei rivalisierende Präsidentschaftskandidaten werden von Henry Fonda und Cliff Robertson gespielt.

Zwar ist sein nächster Film, "Die Normannen kommen" (1965) mit Charlton Heston, ein Hollywood- Spektakel über einen blutigen Krieg und eine melodramatische Liebesgeschichte um einen normanischen Lehensherrn, der sich auf seinem flandrischen Besitz in eine schöne Druidin verliebt. Doch der Film unterscheidet sich in seiner sorgfältigen Herausarbeitung der Charaktere doch von den üblichen Historienfilmen, wenngleich er nicht über die Distanz und Ironie von Stanley Kubricks "Spartacus" verfügt. Das gilt auch für den 1971 entstandenen Zaren-Film "Nikolaus und Alexandra".

Das Lebensbild des berühmten siegreichen Panzergenerals "Patton - Rebell in Uniform" (1969) wird für Schaffner zum endgültigen Durchbruch. Es regnet sieben Oscars, unter anderem für den Film, die Regie, das Drehbuch von Francis Ford Coppola und den Hauptdarsteller George C. Scott, der sich freilich den Luxus gestattet, den Preis zurückzuweisen.

Nach diesem gewaltigen Erfolg kann Schaffner ein langjähriges 'Wunschkind' realisieren, die Verfilmung des autobiographischen Romans von Henri Charrière "Papillon" (1973) nach dem Drehbuch des McCarthy-Opfers Dalton Trumbo. Die Geschichte von der dramatischen Flucht des Häftlings Papillon von der Todesinsel Cayenne in Französisch-Guayana ist zwar schauspielerisch beeindruckend, enttäuscht aber manche Kritiker, weil der humanistische Gehalt des Romans zur Glorifizierung eines Helden umgemünzt wird. Steve McQueen spielt den traurigen und ehrenhaften, nach eigenen Aussagen Unschuldigen. Sein Freund ist Dustin Hoffman als Dega: mit Brille, schmächtig, ein wenig unsicher, ein Idealist: Er hat Geld gefälscht und unterstützt mit seinem Vermögen immer wieder Fluchtpläne.

Zu den eindrucksvollen Filmen des Regisseurs zählt die Science-Fiction-Vision "Planet der Affen" (1967) mit Charlton Heston. Hier gelang Schaffner das Kunststück, aus einem nicht sehr bedeutenden Bestseller-Roman von Pierre Boulle ("Die Brücke am Kwai") einen unkonventionellen Science-Fiction-Film zu drehen, der trotz des großen Aufwands noch reichlich Platz für utopische Reflektionen lässt.

Im Jahre 2772 landet ein Team von US-Astronauten auf einem von Affen beherrschten Teritorium, das ihnen sehr irdisch vorkommt. Sprachlose Steinzeitmenschen werden von einem totalitären, hochzivilisierten Affenimperium unterdrückt. Taylor, der einzige in menschlichem Zustand Überlebende der Aktion gerät in die Gewalt der Affen, die an ihm wissenschaftliche Experimente durchführen. Denn die dogmatische Religion der Affen räumt dem Menschen nur dienende Haustier-Funktion ein. Die Rettung vor der Enthirnung verdankt Taylor nur dem Fortschrittsglauben einer Anthropoidin, die sich wider die heilige Ordnung des Affenstaates versündigt. Charlton Heston setzt mit seinem Heldenimage dem Homo Sapiens ein Denkmal. Doch am Ende gibt es ein Plädoyer für das äffische Verhalten: Die Intelligenz, die Führungsspitze der Affen weiß um die geistige Überlegenheit des Menschen.

"Wo bleibt die Zukunft?" fragt am Ende die intelligente Forscherin Zita, als man den Menschen aus der "anderen Welt", ohne ihn erforscht zu haben, ziehen lässt. "Ich habe sie eben für euch gerettet!" ist die Antwort, und sie wird bestätigt, wenn Heston/Taylor weit hinter dem Affenstaat zum verschütteten Symbol der "freien Welt", zur amerikanischen Freiheitsstatue gelangt: Mit Fortschritt und Wissenschaft hat der Mensch nicht mehr erreicht, als die Vernichtung seiner Welt.

Nie mehr hat Schaffner einen solchen Film gedreht. 1978 inszeniert er "The Boys from Brazil" mit Gregory Peck, Laurence Olivier, James Mason, Lili Palmer und Bruno Ganz. Gregory Peck als Ungeheuer in Menschengestalt und Laurence Olivier als Nazijäger auf der Spur eines gemeingefährlichen Wissenschaftlers, der neue Hitlers in Umlauf bringen will. Ebenso mysteriös wie fragwürdig.

Mit seinen Fernsehfilmen hat er Mediengeschichte gemacht. Er hat beispielsweise 1955 "Die 12 Geschworenen" erstmals fürs Fernsehen inszeniert, wie auch 1956 "Die Meuterei auf der Caine", sowie 1961 "Sturm über Washington". Schaffner ist mit vier Emmys und vielen anderen Fernsehpreisen ausgezeichnet worden.

Schaffner stirbt 1989 nach einem langen Krebsleiden. Nach den "The Boys from Brazil" entstanden noch "Der Fluch der Sphinx" (1981), "Yes, Georgio" (1982), "Richard Löwenherz und die Kinder Gottes" (1987) und "Welcome Home - Ein Toter kehrt zurück" (1989). Weitere Filme von Franklin J. Schaffner: "Der doppelte Mann" (1966) und "Inseln im Strom" (1976).

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