Lange habe ich, wie viele, geglaubt, dass wir Menschen nur zehn Prozent unserer Hirnkapazität nutzen. Das aber entlarvte der Psychologe Barry Beyerstein 1999 als "Zehn-Prozent-Mythos". Denn das Gegenteil ist der Fall: Immer wieder müssen wir im Hirn Platz machen, besonders in frühester Kindheit – für all das Neue, das wir lernen.

Dabei vergessen wir vieles, und das unter zwei Voraussetzungen: Was nicht in Sprache gespeichert wird, kann später auch nur schwer in Worte gefasst und so wieder abgerufen werden. Und: Bilder verschwinden nicht, sie verwandeln sich – in Bauchgefühl.

Vielleicht sind wir deshalb so fasziniert von Fotos und machen deshalb so gerne Selfies – zu beobachten kürzlich bei der ersten Bundestagssitzung nach den Wahlen, als viele Neulinge sich selbst im Plenarsaal fotografierten. Vergessen werden sie diesen Tag zwar sicher nicht, doch wie es mit dem Bauchgefühl ausgesehen hat, wissen wir erst in einigen Jahren.