Findet der Sport sein Vorbild in der Gesellschaft? Oder ist es umgekehrt, dient der Sport der Gesellschaft als Leitstern? Die verbreitete Doping-Mentalität wird ja gern damit entschuldigt, dass es in bürgerlichen Kreisen nicht anders zugehe. Pilleneinwerfen gehöre schließlich zum Alltag.

Fest steht, Sport und Doping sind Partner von alters her. Es ist die Sprache des Sports, die das Leben auch jenseits der Arenen bestimmt. Wer an die "Grenzen des Erlaubten" geht, gilt als Kämpfer. Wer die Grenzen überschreitet und nicht erwischt wird, ist ein Teufelskerl, der mit Fortuna im Bunde steht.

Leistungssport bildet den Charakter. Ob zum Guten oder Schlechten, ist eine Frage von Glück und Auslegung.

Doping ist und bleibt Betrug, ein Verrat an den sportlichen Regeln, die besser (fairer) sein sollen als der Rest des Lebens. Egal, ob der einzelne Doper sein Team verrät, das ihn mit Enthusiasmus getragen hat, oder ob das Team als ganzes zur Täuschung bereit war – es hat mit krimineller Energie zu tun.

Staaten lassen mit Blick auf den Medaillenspiegel dopen, ein kurioser Zerrspiegel, so wertlos wie ein gefälschtes Gemälde.