Ich liebe Interviews. Durch sie erfahre ich etwa von Gunda Borgeest, dass ich T-Shirts rollen und Spannbetttücher falten soll. Frau Borgeest ist Aufräumcoach, also vertraue ich ihr da.

Das ist nicht immer so. Dass Sänger Lenny Kravitz etwa ein strenger Vater war und es für richtig hält, dass seine Tochter nicht auf jede Party durfte, ist zwar interessant, doch Kravitz' Erziehungs-Expertise? Schwer einzuschätzen. Kunsttheoretiker Bazon Brock verstieg sich gerade erst zu der Aussage, wer sich tätowiere, schätze seinen Körper nicht und sei Faschist. Seine Expertise? Der Antwort nach zu urteilen fragwürdig.

Dann doch lieber das Gespräch mit dem Pianisten Igor Levit. Er twittert derart viel über Politik, dass sich zwei Kollegen kürzlich fast entschuldigten, mit ihm über Musik zu sprechen. Doch das Gespräch war eine Offenbarung. Es zeigt: Alle Interviews verraten etwas über die Befragten. Aber nur die guten auch etwas über das Gegenüber.