"Sollten Sie tatsächlich jemanden treffen, der an den Rollstuhl gefesselt ist, binden Sie ihn los", fordert der Aktivist Raúl Krauthausen. Das ZDF aber wirbt genau mit dieser Formulierung für seinen Film "Ein Sommer im Allgäu" und besetzt die Rolle der Bärbel, die nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, mit Jennifer Ulrich, einer nichtbehinderten Schauspielerin.

Nun könnte man meinen, das sei kein Problem, solange die Darstellung überzeuge. Doch das ist zu kurz gedacht. Besetzungen wie diese zementieren ein System von Schauspielschulen und Castings, das Menschen mit Behinderung nach wie vor ausgrenzt. Und: Die dadurch oft falsche Darstellung von Menschen mit Behinderung festigt Vorurteile und behindert Inklusion.

Auch wir haben diesen Film empfohlen. Und auch wir haben die Umstände weder erklärt noch kritisiert. Das war falsch – und auch das zeigt, wie viel Aufklärungsarbeit in diesem Bereich noch geleistet werden muss.