Ein unterhaltsames Beispiel moderner Gastronomiekritik zeigt Restauranttester Jürgen Dollase, als er vor laufenden Kameras den Hamburger einer großen Fast-Food-Kette probiert.

Wobei eines ins Auge sticht: Dollase hat während der gesamten 3:50 Minuten ein unübersehbar großes Kochmesser neben sich liegen – benutzt es aber nicht ein einziges Mal. Stattdessen isst er stilecht mit Besteck. Und doch erfüllt das Messer einen Zweck, es weist Dollase als Vertreter einer Klasse aus, für die Kochen Handwerk ist, in Konkurrenz zu der, die auf Hightech setzt – auf Sous-vide-Garer, Thermomix und Co.

Umso trauriger, dass er das Messer liegen ließ, er hätte wie der "scissor" – der Vorschneider im alten Rom – den Hamburger sicher vortrefflich tranchiert, dabei – wie es Altphilologe Theodor Birt schildert – "die allergraziösesten Posen" eingenommen und so die Überlegenheit des Handwerks demonstriert. Denn versuchen Sie das mal mit einer Küchenmaschine.