Seit vor einigen Wochen der Begriff "Fake-News" zum Anglizismus des Jahres gewählt wurde, freue ich mich. Nicht über den Begriff selbst, dahinter steckt etwas höchst Bedrohliches, sondern darüber, dass die Jury um den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch Lehnwörter nicht als sprachliche Mängel, sondern als Bereicherung empfindet – und sie für ihren positiven Einfluss auf das Deutsche auszeichnet.
Das ist nicht selbstverständlich – Anglizismen haben einen schlechten Ruf. Doch nicht nur in der Sprache gilt: Abschottung bedeutet Stillstand, lebendig bleibt nur, wer offen ist für Neues, für Veränderung, wer neugierig ist auf das Fremde. Wäre dem nicht so, wir würden heute nicht durch Parks flanieren und keine Kekse essen, wir würden nicht streiken und keinen Sport treiben. All diese einst englischen Begriffe würde es bei uns nicht geben. Doch mit Sprache stemmen wir unseren Alltag – und jedes neue Wort ist dabei wie ein neuer Muskel.