Kürzlich schrieb die Kollegin Meike Winnemuth, ihr gehe es wie Buridans Esel in dem persischen Gleichnis, der vor zwei gleich großen Heuhaufen steht und nicht weiß, welchen er fressen soll.

Eine ähnliche Entscheidungsschwäche befalle auch sie oft im Supermarkt – etwa vor dem Chipsregal. Viel zu viele Sorten. "Ich komme nicht mehr hinterher, ich fühle mich jeden Tag wie ein frisch durch Checkpoint Charlie gestolperter DDR-Bürger im Herbst 1989."

Diese Überforderung macht mich ratlos. Wo bleibt denn da die Neugier, das Vergnügen an Geschmackserlebnissen?

Bei Kindern halten wir die für wichtig, Psychologen predigen, sie müssten geschmacklich mit Neuem in Kontakt kommen. Doch unser Geschmack ändert sich ein Leben lang, und so sollten wir ihn, wollen wir nicht als sture Esel enden (Buridans Tier verhungert im Übrigen), immer wieder herausfordern. Denn Abwechslung, auch das weiß die Psychologie, ist ein Schlüssel zum Glück.