Platthaus erzählt "Geschichten der Karikatur" und zeigt auf, wo die Grenzen der Toleranz liegen – lebendig und profund.

Ein kleiner Buchstabe nur – und doch ist er entscheidend: Um "Geschichten der Karikatur" geht es im neuen Buch von Andreas Platthaus, "nicht um eine einzelne Geschichte". An der haben sich andere schon versucht, Platthaus aber will "Einblick und Verständnis schaffen" für eine Kunstform, die nicht erst, aber vor allem seit einigen Jahren für echten Zündstoff sorgt.

Dafür hat sich der Journalist 51 Werke herausgesucht – der Schwerpunkt liegt auf Europa, aber auch Indien oder Japan streift das Buch. Bekannte Namen wie Loriot, F. K. Waechter, Marie Marcks oder Cabu sind darunter, und Platthaus nähert sich ihnen nicht nur kunsthistorisch mit Werkbeschreibungen, sondern auch geschichtlich, politisch und in Anekdoten.

So erzählt er vom Besuch bei Sempé in Paris ("ein formvollendeter Mann von ausgesuchter Höflichkeit"), schildert ein Gespräch mit Ronald Searle und seiner Frau in der Provence ("ein Ehepaar mit britischen Umgangsformen wie aus dem Bilderbuch") oder seinen Anruf bei Art Spiegelman am Tag nach den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo.

Platthaus ist mit dieser durchdachten Mischung ein bewundernswertes Buch gelungen – tiefgründig, persönlich, fundiert und fesselnd.

Und wem nach der lohnenden Lektüre oder begleitend der Sinn noch nach Originalen steht: Das Museum Wilhelm Busch in Hannover zeigt in "Caricatures" noch bis 6. November französische Karikatur von 1700 bis heute – von Jacques Callot bis Charlie Hebdo.