Nach dem Welterfolg "Shadowland" zeigt die Tanzkompanie Pilopolus jetzt "Shadowland 2" – unter anderem in Köln.

In einigen seltenen Momenten bekommt das Publikum dann doch eine Ahnung davon, wie viel Arbeit Schatten machen können. Dann nämlich, wenn hinter den Kulissen, den halbtransparenten Leinwänden, die Schauspieler hervorblitzen in ihren verrenkten Posen und ihren Hochleistungs-Bewegungen. Dann können Sie einen Blick hinter den Zauber der Schatten erhaschen, denn "für das Publikum besteht ein Teil der Magie darin, zu überlegen, wie das funktioniert", sagt Marlon Feliz, Tänzerin der Tanzkompanie Pilopolus und in "Shadowland 2" ein Vogel Strauß, eine der anstrengendsten Rollen. Denn während die Meisten sich als Kind vielleicht noch an einem Hasen oder einem Fuchs vor der Schlafzimmerlampe versucht haben, heißt es für diese und all die anderen Rollen: ausharren in unbequemsten Haltungen und akrobatischen Tanz mit penibler Genauigkeit in den Figuren verbinden, damit vor der Leinwand, beim Publikum, eine ganz eigene Welt entsteht.

Der Weg in eine fantastische Welt

Nach dem Welterfolg "Shadowland", der aus dem Leben eines jungen Mädchens und über ihr Erwachsenwerden erzählt, geht es im zweiten Teil um die Liebe. Die Geschichte in Kurzform: In einer Fabrik der Zukunft frönen Lagerarbeiter, darunter ein junger Mann und eine junge Frau, einem stupiden Job: Sie stapeln Kisten. Ebenso streng verboten wie aus der Reihe zu tanzen ist es, die Kisten zu öffnen. Dafür sorgt der herrische Vorarbeiter. Doch eines Tages passiert genau das – und in der Kiste befindet sich ebenjener Vogel Strauß, der dem Paar, das heimlich verliebt ist, den Weg in eine völlig andere, fantastische Welt zeigt.

Anders als im ersten Teil aber findet in "Shadowland 2" eben nicht mehr alles nur hinter den Kulissen statt. Immer wieder tritt das Paar auch vor die Leinwände, immer wieder agieren die Lagerarbeiter auch tanzend im Vordergrund, um mit ihrer Choreographie etwas von der Tristesse dieses Arbeitsalltags zu vermitteln. Doch seine schönsten Momente hat "Shadowland 2" dann, wenn die Tanzkompanie das tut, was sie so gut kann. Aus Schatten Tiere, Gegenstände, Gebäude und ganze Welten erschaffen – in herrlichsten Farben und untermalt von der mitreißenden Musik von David Poe.

"Darauf bereitet dich nichts vor"

Nicht nur für das Publikum, auch für einige der Kompanie-Mitglieder ist Shadowland eine völlig neue Erfahrung. "Egal wie lange du schon tanzt, bei Shadowland fängst du von null an", sagt Marlon, die dem Ensemble 2014 beigetreten ist. Und ihr Kollege Antoine Sullivan bestätigt sie: "Darauf bereitet dich nichts vor", sagt er – und meint wohl nicht nur die Anstrengungen des Stücks selbst, sondern auch das Programm, das die Truppe gerade absolviert: drei Monate in 41 Städten, da gehen die Künstler an ihre Grenzen.

Und das tun sie auch auf der Bühne. Acht Tänzer, 460 Requisiten – jeder Handgriff muss sitzen. Und zum Ende jeder Show, das hat Tradition bei Shadowland, verabschiedet sich das Ensemble ganz individuell von der Stadt, in der es gerade gastiert. Auch für Köln haben Regisseur Itamar Kubovy und sein Team da schon eine Idee. Doch die ist noch geheim.