Von wegen Männersport: Die Zahl der Jägerinnen steigt. Viele Frauen kommen durch ihren Hund auf die Idee.

Es lebe das Klischee. Täglich denken wir in bestimmten Mustern, drücken Situationen einen vorgefertigten Stempel auf oder legen uns auf Stereotype fest. Die Jagd ist nichts für Frauen – ein Vorurteil, das immer noch in vielen Köpfen festsitzt. "Frauen sind sogar die besseren Jäger", sagt dagegen Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbands (DJV). Sie würden eher auf Nummer sicher gehen und lieber einen dritten Blick auf eine Sache werfen – eben auch bei der Jagd.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Reinwald die steigende Zahl der Jägerinnen in Deutschland sehr begrüßt. Zwar ist ihr Anteil in der Gesamtzahl der Jäger immer noch gering – er liegt etwa bei sieben Prozent –, doch im Vergleich zu den 1980er-Jahren ist er stark gestiegen. Damals war nur rund ein Prozent der Jagdscheinbesitzer weiblich.

Jagd als Hundebeschäftigung

Und der Anteil der Jägerinnen wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Denn laut Reinwald sitzen in den Vorbereitungskursen zur Jägerprüfung bereits heute teilweise 30 bis 40 Prozent Frauen. In der Altersklasse der 18- bis 34-Jährigen machen nach einer Erhebung des DJV sogar mehr Frauen als Männer den Jagdschein.

Überraschend ist eines der Hauptmotive, aus denen sich Frauen für die Jagd entscheiden: ihr Hund. Rund 62 Prozent der Frauen machen laut DJV einen Jagdschein, weil sie ihren Vierbeiner beschäftigen wollen. Männer gaben diesen Grund bei der Befragung nicht an. "Weimaraner und Vizsla sind Trendhunderassen, aber eben auch Hochleistungsjagdhunde. Menschen schaffen sich die Tiere an und merken dann erst, dass die Hunde mehr als Spaziergänge um den Häuserblock brauchen", sagt Reinwald. Selbst Terrier, die aufgrund ihrer Größe oft als passender Hund für die Stadt gelten, können ohne ausreichende Auslastung zum Problemhund werden. Viele Frauen kommen mit ihrem Hund erst zum Jagdhundetraining, finden dann aber Geschmack an dem Sport und machen den Jagdschein.

Jägerinnen wohnen meist in der Stadt

Der Hauptgrund, auf die Jagd zu gehen, ist aber bei beiden Geschlechtern gleich: gern in der Natur sein. Wer jetzt sagt: "Man kann auch einfach im Wald spazieren gehen", dem hält der Experte die Natur in Kombination mit der Jagd entgegen: "Dieses Erleben ist intensiver. Wenn man bis zu 20 Stunden auf einem Hochsitz verbringt, um ein Wildschwein zu erlegen, nimmt man Natur mit anderen Augen und Ohren wahr", sagt Reinwald. In der Stadt sei Natur oft nur Kulisse. Fußgänger schauten auf ihr Handy, Jogger hörten Musik – Pflanzen und Tiere würden kaum wahrgenommen. Dabei kommt die "typische Jägerin" laut Befragung des Deutschen Jagdverbandes aus der Stadt, während mehr als 70 Prozent der Jäger im ländlichen Raum leben. Frauen scheint die Natur als Kulisse nicht auszureichen.