Tatort-Jubiläum

Maria Furtwängler: Ein besonderer "Tatort" zum 60. Geburtstag

07.09.2026, 02.00 Uhr
Maria Furtwängler feiert ihren 60. Geburtstag mit einem neuen "Tatort"-Fall. Im Interview erzählt sie von ihrer Rolle als Charlotte Lindholm und ihren Zukunftsplänen.
Maria Furtwängler
Maria Furtwängler am Set des "Tatort: König in Gelb" im Demenzdorf Sunderhof in Seevetal. Fotoquelle: picture alliance / C. Erler | Carlotta Erler

Im exklusiven prisma-Interview spricht Maria Furtwängler über Charlotte Lindholm, die besondere Verbindung zu ihrer „Tatort“-Rolle und darüber, warum an Abschied noch lange nicht zu denken ist.

"Tatort: König in Gelb": Maria Furtwängler über Demenz und Erinnerung

prisma: "König in Gelb" beginnt scheinbar mit einem Routinefall in einem Demenzdorf und entwickelt sich dann zu einer Geschichte, in der Erinnerung und die Verlässlichkeit der eigenen Wahrnehmung eine zentrale Rolle spielen. Was macht dieses Thema für einen Krimi besonders spannend?

Maria Furtwängler: Um einen Fall zu lösen und Täter zu überführen, braucht es glasklare Fakten. Eine gute Ermittlerin ist in der Lage, sie zu beschaffen und einzuordnen. Spürsinn und Intuition helfen dabei, reichen aber allein nie aus. Es braucht eine gute Beobachtungsgabe und, wie Sie sagen, Erinnerungsvermögen. All das gerät in “König in Gelb” ins Rutschen. Und damit auch Charlottes Gewissheit. Sie spürt, dass ihr von Demenz betroffener Kollege Recht haben könnte und muss nicht nur gegen einen Täter, sondern auch gegen eigene Zweifel und die der anderen ermitteln.

Demenz wird im Film nicht nur als medizinisches Thema behandelt, sondern bestimmt auch die Art, wie Wahrheit überhaupt festgestellt werden kann. Hat die Beschäftigung mit dem Thema während der Dreharbeiten Ihren eigenen Blick auf Erinnerung oder Demenz verändert?

Ja, ich habe noch einmal besser verstanden, dass es nicht darum geht, den Verlust in den Vordergrund zu stellen, also alles, was mit Demenz lebende Menschen nicht mehr können. Und darauf womöglich gereizt zu reagieren. Entscheidend ist es, zu sehen, was da ist, was geht und damit zu arbeiten, ja, sich darüber zu freuen. Das ist ja auch der Lernprozess, den Charlotte durchläuft.

Maria Furtwängler über Charlotte Lindholm und ihre "Tatort"-Rolle

Wie viel Maria Furtwängler steckt heute in Charlotte Lindholm - und wie viel Charlotte Lindholm hat sich über die Jahre vielleicht in Maria Furtwängler eingeschlichen?

Ja, das ist schon ein sehr lebendiges Miteinander! Ich habe die Figur ja mit entwickelt und versuche sie lebendig zu halten mit all ihren Macken aber auch Entwicklungen. Sie ist mir schon ans Herz gewachsen, und ich lasse mich sehr auf sie ein. Umgekehrt gilt das nicht - ich lasse sie am Drehort zurück, wenn wir fertig sind und freue mich auf ein Wiedersehen.

Charlotte Lindholm war nie die klassische sympathische Fernsehkommissarin. War gerade ihre Sperrigkeit für Sie ein Reiz?

Unbedingt. Ich selbst neige ja dazu, es Menschen recht machen zu wollen. Da ist Charlotte ganz anders. Ich mag es, dass sie weder diese weiblich konnotierte Empathie vor sich herträgt, aber auch nicht ins Gegenteil, also eine übertriebene Toughness verfällt. Sie beschäftigt sich wenig mit sich selbst, weil sie einen Job zu erledigen hat. Mir imponiert das.

Charlotte wirkt in "König in Gelb" auch privat ziemlich allein. Ihre Arbeit gibt ihr Halt, gleichzeitig scheint ihr Leben außerhalb des Berufs immer kleiner zu werden. Wo steht Charlotte Lindholm für Sie persönlich heute?

Wir, also allen voran der Autor und Regisseur Alexander Adolph, haben uns bewusst entschieden, die Beziehung zwischen Charlotte und dem von Andreas Lust großartig verkörperten Kollegen in den emotionalen Mittelpunkt zu stellen. Es ist ja eine sehr besondere, fast zärtliche Beziehung, die sich zwischen den beiden entwickelt. Da hätte ein weiterer, privater, Erzählstrang nicht mehr gepasst.

Würden Sie Charlotte Lindholm eines Tages gerne einen richtigen Abschied gönnen - oder wäre es Ihnen lieber, einfach irgendwann mit einem letzten Fall aufzuhören?

Ganz ehrlich: Darüber werde ich nachdenken, wenn es soweit ist. Und das ist derzeit ganz sicher nicht der Fall.

Maria Furtwängler über den "Tatort" und das Sonntagsritual

Schauen Sie Ihre eigenen „Tatorte“ sonntags selbst?

Auf jeden Fall und diesen ganz sicher mit ganz vielen Freunden und Freundinnen. Er läuft ja an einem besonderen Geburtstag von mir.

Der "Tatort" begleitet das deutsche Fernsehen seit Jahrzehnten. Warum funktioniert dieses Format Ihrer Meinung nach noch immer?

Der “Tatort” ist eine Wundertüte, oder, wie Forrest Gump einmal über das Leben gesagt hat, "Er ist wie eine Schachtel Pralinen und man weiß nie, welche man erwischt”. Es gibt diese Geborgenheit im Ritual, Tag, Uhrzeit, Vorspann - und dann beginnt das Abenteuer.

Haben sich die Geschichten, die im "Tatort" erzählt werden können, seit Ihrem Einstieg verändert?

Ich denke schon. Viele Geschichten oder Fälle orientieren sich an der Realität, beziehen Stellung und erzählen kontrovers wahrgenommene Themen. Natürlich ist jeder “Tatort” ein Krimi, idealerweise ein spannend erzählter. Aber weil er als Marke so gesetzt ist, kann er auch Experimente wagen. Ich denke, “König in Gelb” zeigt ganz gut, wie sich ein Thema, das viele Menschen bewegt und betrifft - das Leben mit Demenz - auf Augenhöhe mit den Betroffenen erzählen lässt und dabei kein bisschen an Spannung verliert, im Gegenteil.

Maria Furtwängler über ihre Karriere und neue Rollen

Sie sind einem Millionenpublikum vor allem als Charlotte Lindholm bekannt. Ist eine derart prägende Rolle für eine Schauspielerin eher Geschenk oder manchmal auch Begrenzung?

Ich empfinde es nicht als Begrenzung, zumal Charlotte im Laufe der Jahre so viele Häutungen vollzogen hat, die Rolle mir also im wahrsten Sinne des Wortes Spielräume gibt. Und dann tobe ich mich natürlich als Darstellerin auch gerne in anderen Filmen aus, wie zuletzt etwa in “Bis zur Wahrheit” unter der Regie von Saralisa Volm. Über den Deutschen Fernsehpreis als beste Hauptdarstellerin habe ich mich wirklich außerordentlich gefreut. Auch weil diese Figur eben so gar nichts mit der souveränen Charlotte gemeinsam hatte.

Wann fühlen Sie sich beruflich wirklich zufrieden?

Wenn ich Rollen spiele, die mich herausfordern und an meine Grenzen bringen. Diese Grenzen überwinden zu können, das geht nur im Team, man muss sich auf die Kollegen verlassen können, auf die Regie sowieso. Zu wissen, ich darf, ja, ich soll etwas wagen, weil ich meinem Team vertrauen kann, das bedeutet mir viel.

Haben Sie noch eine schauspielerische Wunschliste?

Aber ja! Und ich habe auch vor, sie abzuarbeiten.

„Tatort: König in Gelb“
Sonntag, 13. September, 20.15 Uhr
Neu: vorab auch in der ARD-Mediathek