Interview zur neuen Staffel

Alexander Herrmann: "Sorgenfrei kocht am besten"

12.10.2026, 02.00 Uhr
Am 21. Oktober startet die neue Staffel von "The Taste" mit Alexander Herrmann als Coach. Die Show verspricht mehr Emotionen und eine stärkere Fokussierung auf die Kandidaten.

Am Mittwoch, 21. Oktober, fällt der Startschuss für die neue Staffel von „The Taste“. Sternekoch Alexander Herrmann ist wieder als Coach dabei.

prisma: Sie sind schon seit Beginn bei „The Taste“ dabei. Was macht für Sie die Teilnahme immer noch spannend?

Alexander Herrmann: Es sind natürlich die Teilnehmer. Jedes Jahr, wenn die 16 Kandidaten ausgewählt sind, entsteht eine eigene Aura, eine eigene Stimmung, etwas ganz Besonderes. Das ist immer so eine Form von Gemeinschaft, wobei man aber auch Gegner ist. Das erzeugt Reibung, das erzeugt Spannung, das erzeugt natürlich große Gefühle. Und vor allem ist es jedes Jahr wieder aufs Neue hochinteressant zu sehen, wer welche Dinge am besten kann und wie sich die Stilistik verändert hat. Man merkt, wie sich die Küchen und die Teilnehmer über die Jahre hinweg entwickelt haben. Das jedes Mal neu zu erleben, das ist einfach unfassbar. Das ist das Salz in der Suppe bei „The Taste“, das Salz auf dem Löffel.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsmoment bei jeder Staffel? Worauf freuen Sie sich besonders?

Da gibt es eigentlich sehr viele, aber es gibt einen magischen Punkt. Der ist natürlich nach dem Casting, wenn du zum ersten Mal deine vier ausgesuchten Kandidaten, die sich ja dann auch für dich entschieden haben, zusammen hast, ihnen einmal so die Geheimnisse von „The Taste“ erklärst, sie mitnimmst und ihnen verrätst, was sie in den nächsten Wochen erwartet. Wie wird das Ganze sein? Da gibt es immer leuchtende Augen und zugleich Unsicherheit, weil es plötzlich losgeht. Und dann kommt eben das erste Teamkochen, da trennt sich dann auch sofort die Spreu vom Weizen für sich selber und für uns alle. Deswegen ist dieser Moment eigentlich der schönste, weil alle noch so was unfassbar Liebevolles, Naives haben. Die wirkliche Spannung entsteht ab dem ersten Teamkochen. Und der zweite schönste Moment ist eigentlich das Finale.

Und auf welche Neuerungen dürfen sich die Zuschauer dieses Jahr freuen?

Man kann sich auf mehr Emotionen freuen, auf eine andere Form von Fallhöhe. Es wird sogar noch ein Stück nahbarer, weil der Fokus noch stärker auf unsere Kandidatinnen und Kandidaten ausgerichtet ist. Es gibt Änderungen im Spielablauf, die möchte ich jetzt noch nicht verraten. Das Team-Kochen und das Solo-Kochen gewinnen im Grunde an Bedeutung. Was im Studio passiert, hat eine Energie, die man auch zu Hause spüren kann.

Was ist die größte Herausforderung für die Teilnehmer?

Erst einmal, nicht an sich selbst zu scheitern. Denn es ist nur Kochen, und man muss es einfach nur perfekt auf dem Löffel bringen. Egal, welche Aufgabe: Lasst es uns einfach gut machen und diese innere Ruhe und Stärke bewahren. Diejenigen, die sorgenfreier sind, kriegen am schnellsten die größten und besten Bewertungen, weil sie eben losgelöster sind und von Freude angetrieben werden. Wie man immer so schön sagt: Die Freude am Gewinnen treibt dich mehr an als die Sorge, zu verlieren. Und wenn dieser Schalter möglichst schnell umgelegt wird und man ein Vertrauen zu seinen eigenen Fähigkeiten hat, dann wird‘s gut.

Sie waren zuletzt 2024 „Winning Coach“. Was für Chancen rechnen Sie sich dieses Mal aus?

Man muss aufpassen, dass man den Gewinner-Coach nicht zu wichtig nimmt, denn am Schluss gewinnt der Kandidat. Aber es ist richtig, dass man als Coach schon einen sehr hohen Anteil daran hat und dem Gewinner Stärke, Ruhe und vor allem auch eine Taktik antrainiert beziehungsweise diese mit ihm herausarbeitet. Nach dem Casting, wenn du dein Team triffst, beginnst du dann dieses erste Gefühl zu entwickeln: Wer könnte es denn werden? Und unterm Strich rechne ich mir immer beste Chancen aus. Und ich meine wirklich „immer“. Das war von Anfang an so, und es wird auch immer so bleiben. Niemand von uns tritt an, um zu verlieren.

Inwiefern profitiert man eigentlich von der Teilnahme bei „The Taste“?

Man gewinnt eigentlich mehrfach für sich selbst als Person. Vor allem diejenigen, die in der Sendung wirklich weitkommen, bekommen einen guten Blick auf sich. Was kannst du unter Druck leisten? Was ist dir leichtgefallen? Was ist dir schwergefallen? Das sind Fragen, die man nachher für sich beantworten kann. Und bei vielen entzündet „The Taste“ nochmal so ein zusätzliches Feuer. Es ist besonders, als Coach ein Teil dessen zu sein. Manche erleben dabei einen regelrechten Wachstumsschub, weil sie plötzlich ihr eigenes Potenzial erkennen, und das geht oft weit über das Kochen hinaus. Manche richten danach ihr Leben neu aus, verändern ihren Job, entdecken eine neue Passion oder erfinden sich ein Stück weit neu.

Ihr Restaurant „Aura“ hat vor Kurzem die Auszeichnung mit zwei Michelin-Sternen verteidigt. Wie wichtig ist Ihnen diese?

Ja, die zwei Michelin-Sterne sind natürlich ganz besonders. Aus Unternehmersicht deshalb, weil man damit zeigt, dass es sich lohnt, dafür extra nach Wirsberg zu fahren. Und aus persönlicher Sicht ist es eine Bestätigung, dass Tobias Bätz und ich zusammen mit dem Service und der Küche zu einem Team, einer richtigen Gemeinschaft, zusammengewachsen sind. Es ist ein besonderes Ziel, das wir haben. Man kann es damit vergleichen, dass man zu Olympia anreist und aufs Treppchen will. Oder dass man in der Bundesliga spielt und von der Champions League-Teilnahme träumt. Das zu schaffen und das immer wieder zu bestätigen, das gibt einem viel Kraft, viel Seelenheil und ist etwas Bedeutsames für das tägliche Tun.

Eine Frage noch zum Schluss: Was kochen Sie privat am liebsten in der „dunklen Jahreszeit“?

Ich bin ein großer Wirsing-Fan. Also diesen in Streifen zu schneiden, ganz kurz zu blanchieren, abzugießen und dann mit Speck und Zwiebeln zu braten, das liebe ich total. Manchmal gibt es dann auch noch ein Spiegelei oben drauf. Das esse ich privat echt gerne. Ein zusätzlicher Gamechanger sind geräucherte, gesalzene Mandeln, diese Snackmandeln. Wenn man die noch hackt und untermischt – absolut spitze!

„The Taste“
ab Mittwoch, 21. Oktober, 20.15 Uhr bei Sat.1 und Joyn

Wirsingschnitzel mit Meerrettich und Tomaten

Zutaten (für zwei Portionen):

- 4 große Wirsingblätter, links und rechts am Strunk entlang durchgeschnitten
- Meersalz
- 200 g Doppelrahmfrischkäse
- 1 Bio-Eigelb
- 4 EL geriebener Meerrettich
- 100 g Mehl
- 3 Bio-Eier, leicht verschlagen
- 100 g Semmelbrösel
- 100–150 g Butterschmalz
- 4 Tomaten, gehäutet und entkernt, in Dreiecke geschnitten
- 2 EL Olivenöl
- schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung:

Die acht gleich großen Wirsingblätter in Salzwasser blanchieren, abschrecken und mit Küchenpapier gut trocken tupfen. Frischkäse und Eigelb verrühren und mit Salz abschmecken. Die Wirsingblätter auf der Arbeitsfläche nebeneinander aufreihen. Sechs Blattstücke mit der Mischung bestreichen, mit Meerrettich bestreuen und je drei davon aufeinanderlegen. Jeweils mit den beiden restlichen Blättern abdecken und gut andrücken. Die Schnitzel sollten etwa daumendick sein. Zehn Minuten in den Kühlschrank legen. Wirsingschnitzel zuerst in Mehl, dann in Ei und zum Schluss in Semmelbröseln wenden. Butterschmalz in einer beschichteten, großen Pfanne erhitzen, Wirsingschnitzel einlegen und von beiden Seiten bei mittlerer Hitze goldbraun braten, dabei mehrfach wenden und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Tomaten kurz in einer heißen Pfanne im Olivenöl schwenken. Mit Salz und Pfeffer würzen und zu den Schnitzeln servieren.

„Ich lieb‘s“
von Alexander Herrmann, DK Verlag, 256 Seiten, 29,95 Euro
ISBN: 978-3-8310-5220-2