Musikalisches Duo

Peter Maffay und Johannes Oerding: „Beide Seiten müssen harmonieren“

28.09.2026, 02.00 Uhr
Peter Maffay und Johannes Oerding sprechen über die Entstehung ihres gemeinsamen Albums "Nashville" und die geplante Tour für 2027. Ein Treffen der Generationen mit tiefgründiger Musik und einer einzigartigen Zusammenarbeit.

Treffen der Generationen: Rock-Legende Peter Maffay und Singer-Songwriter Johannes Oerding sprechen im Interview mit prisma über ihr erstes gemeinsames Album „Nashville“ und ihre gemeinsame Tour, die im Frühjahr 2027 startet.

prisma: Ihr habt Euer Album „Nashville“ in fünf Tagen aufgenommen. Das ist eine enorme Leistung. Wie funktioniert so etwas?

Peter Maffay: Eine wichtige Voraussetzung, um in fünf Tagen zu einem Ergebnis zu kommen, besteht darin, dass beide Seiten miteinander harmonieren. Das war für uns eine wirklich sehr angenehme Erfahrung und auch eine Überraschung: Mit den Musikern, die wir eingeladen hatten, um mit uns zu spielen, war der Dialog sehr einfach und sehr fließend. Es gab keine Reibungen, keine Egos. Wir haben einfach gespielt und gemerkt, dass sich das gut miteinander verzahnt. Am Ende haben wir auch nie auf die Uhr geschaut. Das war gar nicht wirklich relevant. Wir haben tagsüber und bis tief in die Nacht gearbeitet. Wir haben früh angefangen, das aber im Grunde gar nicht gespürt, weil es einfach so gut gelaufen ist.

Johannes Oerding: Vielleicht noch eine kurze Ergänzung zur Arbeitssituation: Es klingt jetzt so, als hätten wir in fünf Tagen wirklich alles gemacht. Aber die richtige Vorbereitung ist dabei tatsächlich alles. Wenn jeder zu Hause seine Hausaufgaben macht, alle ihr Handwerk beherrschen und man generell mit Profis arbeitet, ist so etwas möglich. Ansonsten wäre das schon sehr sportlich.

Peter Maffay: Man kann das sogar noch erweitern. Wir hatten Demos gemacht, die wir den  
Musikern in Nashville schon vorher geschickt haben, um überhaupt zu prüfen, ob sie Lust haben, mit uns zu arbeiten. Sie hatten sich das Material also bereits einmal angehört. Für sie war es nicht völlig neu. Das, was wir dann in den fünf Tagen gemacht haben, war im Wesentlichen die Instrumentierung beziehungsweise die Basisversion. Die Synchronisation, der Mix und alles Weitere sind anschließend hier in Deutschland passiert.

Eure Single „Ein Leben lang ist nicht lang“ ist ein musikalisch leichter Song mit einer sehr tiefen Botschaft. Wenn man sich wirklich darauf einlässt, denkt man: Was habe ich eigentlich alles im Leben liegen lassen? Was muss ich noch machen?

Peter Maffay: Johannes ist, was die Texte betrifft, absolut weit vorne – das muss man einfach sagen. Wir wollten Dinge erzählen, die wir beide vielleicht unterschiedlich, aber mit einem gemeinsamen Nenner erlebt haben: das Leben draußen auf der Straße und das Nachhausekommen. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Polen. Die Botschaften sind klar und einfach, und das gefällt mir persönlich unheimlich gut an diesem Album. Deshalb kam das alles sehr schnell und flüssig zustande. „Ein Leben lang ist nicht lang“ ist eigentlich fast schon profan und gleichzeitig unwiderlegbar.

Und philosophisch.

Peter Maffay: Ja, aber eben auf eine sehr erdige Weise. Wir haben den Song inzwischen einige Male auf der Bühne ausprobiert. Die Leute steigen sofort darauf ein.

Ihr habt ja schon eine gemeinsame Geschichte. Erzählt doch bitte einmal, wie Ihr euch kennengelernt habt und woher ihr Euch kennt.

Peter Maffay: Johannes, fang du an.

Johannes Oerding: Gerne. Meine erste Begegnung mit Peter – abgesehen davon, dass ich ihn natürlich vorher schon kannte: durch Tabaluga, als deutschen Star, den man im Fernsehen gesehen und als Musiker bewundert hat – war tatsächlich ein Anruf, den ich eines Tages bekam. Es hieß: Peter möchte morgen früh mit dir telefonieren.

Um dieses Telefonat überhaupt führen zu können, musste ich damals – das ist ungefähr elf oder zwölf Jahre her – erst einmal den Berg hinauf. Also machte ich mich morgens gegen sieben Uhr auf den Weg und stand abends irgendwo oben auf der Bergspitze. Dann bekam ich einen Anruf: Peter verspätet sich um eine Stunde. Man muss aber fairerweise sagen: Ich glaube, das war das einzige Mal, dass Peter mich versetzt hat. Normalerweise kannst du davon ausgehen, dass Peter zehn Minuten vor der Zeit da ist.

Peter Maffay: Der ganze Zweck der Sache war, dass du endlich einmal einen Sonnenaufgang mitbekommst.

Johannes Oerding: Ja, genau (lacht). Aber von da an ging es mit uns beiden natürlich los. Wir haben zusammen für Tabaluga gearbeitet. Ich durfte bei einem Jubiläumsprojekt dabei sein. Dann hat Peter mich bei seinem MTV-Unplugged-Projekt als Gastsänger mitgenommen. Das war für mich eine der schönsten Erfahrungen und Touren überhaupt. Danach haben wir angefangen, gemeinsam Songs zu schreiben – und immer mehr Songs. Daraus entstand dann letztlich eine Idee nach der anderen.

Wie habt Ihr Euch über die Jahre gegenseitig beeinflusst? Wenn man kreativ mit jemandem zusammenarbeitet, bleiben ja meistens einige Dinge hängen, die plötzlich auch in der eigenen Arbeit auftauchen.

Peter Maffay: Es bleibt nicht aus, dass man sich auf den anderen einlässt, wenn man zusammenarbeitet und ein überdurchschnittliches Interesse füreinander da ist. Es gibt dann Ergänzungen und komplementäre Situationen, in denen der eine dem anderen zeigt, wie er bestimmte Dinge handhabt. Wenn diese Dinge für einen selbst Gültigkeit besitzen, übernimmt man sie. Das ist ein sehr schöner Prozess. Bei uns beiden hatte ich immer den Eindruck, Johannes, korrigiere mich, wenn ich falsch liege, dass alles sehr einfach, schnell und direkt läuft – ohne dass man, wie ich immer sage, mit der rechten Hand am linken Ohr kratzt. Das gilt musikalisch, aber auch für die Texte, die Johannes wunderschön schreibt. Er schreibt sie so, dass man sie gut singen kann, weil er weiß, wie das zu handhaben ist. Diese unkomplizierte und direkte Arbeitsweise war sicherlich ausschlaggebend dafür, dass wir uns immer wieder auf der Bühne und im Studio getroffen haben und wahrscheinlich auch in Zukunft gerne miteinander arbeiten werden.

Johannes Oerding: Das kann ich so unterstreichen. Was ich von Peter besonders mitgenommen habe, ist ein sehr präzises Arbeiten im Studio. Ich war immer schon detailverliebt, aber bei Peter habe ich noch einmal erlebt, wie präzise man arbeiten kann – bis man wirklich keine Fragen mehr an einen Song hat. Man sitzt immer wieder daran, hört gegen und hört noch einmal gegen: morgens um fünf Uhr und abends um acht Uhr. In jedem Zustand und in jeder Verfassung. Am Ende willst du wirklich sagen können: Das ist genau richtig, jetzt kann es raus. Das habe ich aus dieser Albumarbeit mitgenommen. Bei meinen eigenen Sachen bin ich manchmal eher der Typ, der sagt: Ach komm, das reicht jetzt, raus damit. Da bin ich gelegentlich etwas schneller unterwegs. Und ansonsten müssen wir über Professionalität, Disziplin und Ähnliches gar nicht sprechen. Da macht Peter in Deutschland, glaube ich, niemand etwas vor. Auch da treffen wir uns. Jeder von uns hat natürlich seine eigene Art, zu kommunizieren und zu arbeiten, aber wir haben für uns einen sehr schönen Dienstweg gefunden.

Peter Maffay: Es gab von Anfang an ein klares Verständnis darüber, wie das Album gewichtet sein sollte. Die DNA von Johannes und meine eigene DNA sollten erhalten bleiben. Gleichzeitig wollten wir eine Ergänzung durch die amerikanischen Kollegen, weil wir mit Musikern zusammenarbeiten wollten, die diese Musik und diese Stilistik – wenn man so will – mit der Muttermilch aufgenommen haben. Das sind Dinge, die wir nicht auf dieselbe Art und Weise beherrschen. Aber diese Zusammensetzung fanden wir schon in den ersten Ansätzen sehr gelungen. Uns hat das wahnsinnig glücklich gemacht.

Ihr habt gerade diese Dynamik beschrieben. Wenn Ihr mit diesen Profis in den USA arbeitet: Seid Ihr dann schneller bereit zu sagen, dass etwas richtig klasse ist? Oder gibt es einen Unterschied zu Eurer Soloarbeit?

Johannes Oerding: Mir ist aufgefallen, dass wir uns bei allen Dingen stärker miteinander abgesprochen haben. Man wartet kurz auf die Reaktion des anderen. Das war für uns beide neu: Wir hatten die Zügel nicht allein in der Hand, sondern haben uns bei allen Entscheidungen tief in die Augen geschaut. Wir haben uns ganz am Anfang gesagt: Wenn einer bei einer Entscheidung Nein sagt, ist es schwierig, das trotzdem zu machen. Es sei denn, man hat so gute Argumente, dass man den anderen davon überzeugen kann. Das ist uns hin und wieder auch gelungen. Und um die andere Frage zu beantworten: Die Musiker dort spielen ihre Instrumente teilweise auf eine Art, wie ich sie so noch gar nicht gehört hatte. Wir saßen im Studio, und dann kam ein 80-jähriger Pedal-Steel-Spieler dazu, der schon mit Johnny Cash gespielt hatte. Er baute sich auf, kroch auf dem Boden herum, machte und tat, setzte sich hin und spielte – und veredelte unsere Songs wirklich von der ersten Sekunde an. Da saßen zwölf oder 15 Leute im Raum, und alle hatten ein Tränchen im Auge. So etwas hatte ich bei einer Produktion von mir ehrlich gesagt noch nie erlebt. Auch das war etwas, das wir dort neu gelernt haben – oder zumindest ich.

Nashville ist ja immer ein bisschen der Sehnsuchtsort für handgemachte Musik. Man stellt sich das nostalgisch und romantisch vor. Ist das tatsächlich noch so? Ich war vor 25 Jahren dort und fand es schon damals sehr beeindruckend. Nimmt man dieses Historische, das in den Gebäuden, den Clubs und den Studios steckt, in eine Produktion mit?

Peter Maffay: Warst du in diesem Studio?

Nein, in diesem Studio war ich tatsächlich nicht. Ich habe damals nur diese klassische Tour gemacht, die man als Besucher macht, mit verschiedenen Stationen und Aufnahmestudios. Also eher touristisch.

Peter Maffay: Dann habe ich das gerade falsch verstanden. Für uns war es jedenfalls die erste Erfahrung dieser Art. Ich kann deshalb nicht beurteilen, wie es früher war und ob es heute noch genauso ist. Was mir bei unseren amerikanischen Kollegen aufgefallen ist, war eine bestimmte Haltung: „Geht nicht“ gibt es nicht. Wenn du dort sagst, du möchtest etwas ausprobieren, gibt es sofort eine große Bereitschaft und den Willen, auf diesen Vorschlag einzugehen. Das war wahnsinnig wohltuend, weil das Zusammensein dadurch viel unkomplizierter wird. Egos und solche Dinge spielen dort keine Rolle. Die Musiker, die dabei waren, haben sich auf nichts berufen außer auf ihr Können. Und wir haben versucht, ehrlich zu reagieren. Es hätte auch jemand anderes sein können. Es ging nur darum, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Dieses Verständnis war ausschlaggebend für die Zeit, die wir dort hatten. Natürlich gehst du in ein solches Studio hinein und siehst an den Wänden, wer dort alles aufgenommen hat. Da gehst du innerlich manchmal schon ein bisschen in die Knie und denkst: Donnerwetter, worauf haben wir uns hier eingelassen? Aber diese Ehrfurcht löst sich dann sehr schnell auf. Die Pfannen, die dort an der Wand hängen, darfst du benutzen. Natürlich fasst du sie zunächst ehrfürchtig an, weil du weißt, wer alles darauf gespielt hat – bei einigen Namen weiß man das ja. Aber diese Ehrfurcht ist nicht bestimmend. Bestimmend ist, wie man miteinander umgeht. Und das war richtig gut.

Johannes Oerding: Du kannst dort in ein Lager gehen, in dem alles vertreten ist, was Vintage ist. Es gibt Effektgeräte, die du buchen kannst, und Gitarren stehen dort in großer Zahl. Man kann sie sich aussuchen und ausleihen. Das ist vom Sortiment und von der Organisation her wirklich beispielhaft. Und dann spielt natürlich auch die Fantasie eine Rolle. Du bekommst plötzlich Instrumente in die Hand, mit denen man anders umgehen kann und die anders klingen. Diese Reichhaltigkeit habe ich in dieser Form noch nie erlebt.

Ihr hattet Eure Ideen und Demos vorher schon an die Musiker geschickt. Haben sich die Songs vor Ort trotzdem noch komplett verändert? Waren sie am Ende ganz anders als das, was Ihr ursprünglich geplant hattet?

Johannes Oerding: Komplett anders sind sie nicht geworden. Die Grundidee blieb dieselbe, ebenso unsere grundsätzlichen Soundvorstellungen. Aber was vor Ort passiert, wenn ein echter Mensch etwas live spielt, ist etwas völlig anderes, als wenn wir zu Hause etwas rudimentär aufnehmen, programmieren und schneiden.

Ich mache ein Beispiel: Der Drummer, der sonst unter anderem mit Sheryl Crow spielt, sagte irgendwann, er habe ein Waschbrett im Auto. Wir hatten vorher gesagt: Ein Waschbrett wäre doch lustig. Wenn wir da noch ein Waschbrett einbauen könnten. Dann holt er das Waschbrett tatsächlich aus dem Auto und wir spielen damit. Das hatten wir zu Hause natürlich nicht. Aus Spaß haben wir gesagt: Stell dir vor, wir hätten jetzt noch Pfannen und Töpfe. Auf einmal holt er Pfannen und Töpfe aus seinem Van. Wir spielen mit Löffeln, Pfannen und Töpfen und mit großen Rasseln, die ich so noch nie gesehen hatte. Das ist eine menschliche Komponente, die hinzukommt. Ich bin mir sicher, dass man sie auf dem Album zumindest subtil spürt und hört. Unsere Prämisse war: Es soll menschlich sein. Es soll handgemacht sein. Es soll live gespielt sein – mit allen Fehlern, mit dem Schmutz und Dreck, mit den Atemgeräuschen und auch mit schiefen Tönen hier und da. Es soll sich lebendig anfühlen. Das meine ich mit dem Spirit dieser Stadt und dieser historisch gewachsenen Musikszene. Es unterstreicht auch dieses „Geht nicht, gibt’s nicht“. Innerhalb weniger Minuten heißt es: Probier es einfach aus. Das ist eigentlich das Schöne. Es ist fast das komplette Gegenteil davon, wie heute ein großer Teil der Musik entsteht. Wir sind leider in einem Reißbrettzeitalter angekommen, in dem man alles planen kann. Wenn ich einen bestimmten Klang brauche und ihn nicht bezahlen kann, macht mir die künstliche Intelligenz einen solchen Klang. Deshalb ist es schön, wenn noch ein bisschen Echtheit in die Moderne gerettet wird.

Ihr habt eine gemeinsame Tour vor Euch. Wie wird das ablaufen? Auf was können sich die Zuschauer da freuen?

Johannes Oerding: Das grobe Konzept hatten Peter und ich schon sehr schnell, wahrscheinlich während wir die ersten Songs geschrieben und gemacht haben. Wir saßen bei Peter im Studio, und Peter sagte: Wir brauchen eine 360-Grad-Bühne in der Mitte der Leute. Dann fing ich an, mit Hanuta, Duplo und Taschentüchern eine Bühne zu bauen. Wir waren wie mit Lego spielende Kinder und hatten eine riesige Freude daran, diese Bühne zu konzipieren, obwohl wir noch gar nicht wussten, ob das überhaupt alles funktionieren würde. Es wird also eine 360-Grad-Bühne geben, was ich grundsätzlich toll finde. Wir brauchen dafür aber auch den Platz und dieses Rundumgefühl, weil wir beide unsere Bands mitnehmen – sowohl Peters komplette Mannschaft als auch meine. Es ist ein Konglomerat aus beiden Bands und Crews. Teile von Peters Familie und Crew sind dabei, und das Gleiche gilt für mich. Außerdem werden wir Musiker aus Nashville dabeihaben. Das grobe Konzept ist natürlich, dass wir das Album mit einer All-Star-Band spielen wollen – wirklich als zusammenhängenden Teil des Konzerts. Links und rechts davon wollen wir aber gewissermaßen eine Klammer setzen und die Leute nicht nach Hause schicken, ohne ihre Lieblingssongs, Klassiker, Evergreens und vermeintlichen Radio-Hits zu hören. Das wird ein buntes Ding. Ich sage immer: ein großes Hippiefestival auf der Bühne. Mit Sicherheit werden sich die Schlagzeuger die Klinke in die Hand geben. Vielleicht spielen sogar zwei Schlagzeuger gleichzeitig. Jeder hat einmal eine Rassel oder ein Waschbrett in der Hand. Ich kann mir vorstellen, dass das ein großes Hallo wird.

Also ist Bertram (Maffays langjähriger Drummer Bertram Engel; Anmerkung der Redaktion) auch dabei?

Peter Maffay: Ja, so wie es aussieht. Einen kleinen Vorgeschmack gab es jetzt in Hamburg in der Barclays Arena. Johannes hat dort ein wunderschönes und eindrucksvolles Konzert mit dem NDR-Orchester gespielt, und ich durfte als Gast mit auf die Bühne. Dieses Duo, das da am Werkeln ist, nehmen die Leute, glaube ich, sehr gerne an. Wenn wir dann im April auf der Bühne stehen, gibt es für mich nur eines: Bei diesem Konzert wollen wir Party machen. Wir wollen den Leuten eine gute Zeit bereiten – auch wenn es im Programm kritische Momente gibt. Es gibt Songs, die sich auf die augenblickliche Situation und auf die Entwicklung in der Gesellschaft beziehen. Aber grundsätzlich wollen wir nach dem Motto von „Ein Leben lang ist nicht lang“ den Menschen eine gute Zeit anbieten und selbst eine gute Zeit haben.

Ihr habt es gerade angesprochen: Gesellschaftlich und politisch seid Ihr dafür bekannt, ähnliche Ansichten zu vertreten. Das ist wahrscheinlich auch wichtig für eine solche Partnerschaft. Peter, Du hast am eigenen Leib erfahren, was in der letzten Zeit bei Festivals passiert ist. Du hattest diese schwierige Erfahrung mit den Regensburger Schlossfestspielen. Dann gab es das Glücksgefühle-Festival, bei dem eine eigentlich völlig selbstverständliche Aussage plötzlich so groß gemacht wurde, dass die ganze Nation darüber gesprochen hat.

Nehmt Ihr diese Entwicklung wahr? Muss man heute vorsichtiger sein mit dem, was man öffentlich sagt – oder gerade deshalb nicht vorsichtiger? Hat sich die Wahrnehmung des Publikums verändert? Solche Diskussionen hätte es vor zehn Jahren doch in dieser Form nicht gegeben.

Peter Maffay: Darf ich, Johannes?

Johannes Oerding: Ja, gerne.

Peter Maffay: Mir ist ein Satz durch den Kopf gegangen, den ich Johannes dann auch geschrieben habe: Wenn man auf die Bühne geht und schweigt, hat man anscheinend nichts zu sagen. Diese Bühne ist eine Herausforderung, sich selbst zu positionieren. Ich glaube, das Publikum hat ein Recht zu wissen, wo man steht und wofür man steht. Jeder macht das natürlich auf seine Weise. Johannes hat es immer wieder betont: Wir sind ganz stinknormale Bürger. Wir gehen zur Wahl und machen unser Kreuz. Das muss man auch einmal klarmachen und artikulieren. Als Musiker kann man das gut. Das haben wir zuletzt vor zwei Tagen in Hamburg gemacht. Das brauchen wir. Wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann begleitet uns diese Entwicklung, und wir bekommen Wiederholungen, die wir nie haben wollten.

Johannes Oerding: Menschen, die sagen: Macht lieber Liedchen da oben und macht Musik, die gab es natürlich immer schon. Es gab immer Leute, die sagten: Ich komme nicht zum Konzert, wenn ich dort zusätzlich noch eine politische Meinung oder ein großes Pamphlet hören muss. Aber da müssen die Leute dann durch. Letztlich sind wir, wie Peter sagt, auch Bürger. Wir haben eine Haltung. Manchmal überkommt uns dieses Gefühl, dass wir etwas sagen müssen und wollen. Ich halte es deshalb auch für eine Verantwortung, das zu tun – gerade jetzt, wenn an den Rändern Ideen auftauchen, bei denen Kultur beschnitten werden soll, Kunst und alles, was damit zusammenhängt. Da werde ich schon nervös. Ich hoffe, dass wir genügend Kraft haben, uns dem entgegenzustellen. 

Vielleicht noch eine letzte Frage: Johannes, ich habe gelesen, Du hättest Peter – in Anführungszeichen – in die Tour hineingequatscht. Peter wollte eigentlich gar nicht mehr so wahnsinnig viel machen. Wenn ich mir die Tourdaten anschaue, ist das jetzt aber doch eine ziemlich schöne Reise, die Ihr gemeinsam unternehmen werdet.

Johannes Oerding: Peter, wir haben es geschafft. Wir waren heute groß. Große Überzeugungsarbeit musste man ehrlich gesagt nicht leisten. Aber ich dachte zunächst auch: Peter wollte ein bisschen weniger spielen und zumindest keine so langen, zusammenhängenden Touren mehr machen. Von einem Rücktritt war aber nie die Rede. Deshalb habe ich meine Chance gesehen. Peter und ich saßen relativ zeitgleich da und sagten: Wenn wir jetzt schon zehn Songs haben, dann müssen wir ein Album machen. Und wenn wir ein Album haben, müssen wir auch auf Tour gehen. Es stand eigentlich außer Frage. Ich war aber schon ein bisschen überrascht, dass Peter sich darauf eingelassen hat, weil mir klar war, dass dazu einige Fragen kommen würden: Ist das jetzt der Rücktritt vom Rücktritt?

Peter Maffay: Es ist nicht der Rücktritt vom Rücktritt. Es ist die Pause von der Pause.

Sehr geschickt ausgedrückt. Vielen Dank. Alles Gute, vor allem viel Erfolg mit dem Album.

 

„Nashville“  

Das Album ist mit Maffay + 
Oerding überschrieben und bietet den Fans das Beste aus beiden Musiker-Welten. 
Ein wunderbares Album.