Simon Böer verstärkt als Hauptkommissar Dirk Trebbe das Team der „SOKO Leipzig“. prisma sprach mit ihm über seine neue Rolle und seine Lieblingsorte in Leipzig.
prisma: Stelle uns doch einmal Hauptkommissar Dirk Trebbe vor.
Simon Böer: Trebbe ist jemand, der sich nicht so leicht beeindrucken lässt. Nicht von Titeln, nicht von großen Gesten und schon gar nicht von Leuten, die sich selbst besonders wichtig nehmen. Trebbe selbst ist das Leben nicht einfach zugeflogen. Er kommt aus einfachen Verhältnissen im Ruhrpott und hat sich jeden Schritt seines Weges selbst erarbeitet. Das hat ihn geprägt: Er hat einen ziemlich guten Blick dafür entwickelt, was wirklich zählt und was nur Fassade ist. Er hat Humor, kann sehr charmant sein, aber eben auch eigensinnig, beharrlich und unbequem. Diese Mischung und seine grundsätzliche Sympathie für Menschen – gerade auch für die, bei denen im Leben nicht alles ganz gerade gelaufen ist – gefällt mir sehr. Nach Leipzig verschlägt es ihn aus familiären Gründen. Seine Frau kommt gebürtig von hier; und nun beginnt in dieser schönen Stadt ein neuer Lebensabschnitt. Nicht nur für ihn – auch für mich.
Welche Rolle spielt er innerhalb des Teams, und wie kommt er mit den anderen klar?
Dirk Trebbe kommt – genau wie ich – in ein bestehendes Ensemble und muss sich erst einmal orientieren und seinen Platz finden. Und er stößt in einem sehr vulnerablen Moment dazu: Das Team hat gerade einen Kollegen und Freund verloren. Da ist es wahrscheinlich ganz hilfreich, dass Trebbe nicht mit dem Anspruch auftaucht, gleich alles auf links zu drehen. Er ist empathisch, kann gut zuhören und hat ein Gespür dafür, wann man sich besser ein bisschen zurücknimmt. Aber natürlich muss auch er erst herausfinden, wie die anderen ticken – und umgekehrt.
Und wie schwer war es für dich selbst, dich in das bestehende Team zu integrieren?
Ich hatte einen entscheidenden Vorteil gegenüber Trebbe: Ich war vor circa zwei Jahrzehnten schon einmal in anderer Rolle eine Zeit bei der „SOKO Leipzig“. Insofern war es tatsächlich ein bisschen wie Nachhausekommen. Melanie Marschke kenne ich dementsprechend schon lange. Aber es waren auch noch einige Gesichter vom damaligen Team am Start und ich wurde sehr herzlich aufgenommen und mit offenen Armen empfangen – Trebbe hat es da durchaus schwerer.
Und wie ist es den Zuschauern gegenüber? Hast du das Gefühl, dass du in große Fußstapfen trittst?
Ich schätze Marco sehr – als Kollege und als Mensch. Er hat gemeinsam mit Melanie diese Serie maßgeblich geprägt. Wir standen ja hier schon gemeinsam vor der Kamera, und ich habe den Weg der Serie seitdem immer verfolgt. Ich habe mir immer gewünscht, nochmal als Kommissar nach Leipzig zurückzukehren und mit ihm gemeinsam ermitteln zu dürfen. Aber Marco hat dieses Kapitel seines Schaffens beendet. Für mich bedeutet das nicht, dass ich jetzt in seine Fußstapfen treten muss. Es ist ein bisschen wie im richtigen Leben: Wenn ein Mensch geht, der lange Zeit Teil unseres Lebens war, hinterlässt er eine Lücke, und das ist meist schmerzhaft. Diese kann nicht von jemand anderem gefüllt werden, weil wir Menschen alle so wundervoll verschieden sind. Trebbe kommt mit seiner eigenen Geschichte, seiner eigenen Art und wird seine eigenen Fußstapfen hinterlassen. Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass die Zuschauer auch dieser Spur gerne folgen werden.
Worauf freust du dich besonders?
Erst einmal macht die Arbeit einfach riesigen Spaß. Es ist ein großartiges Team, und bei dem enormen Pensum, das wir zu bewältigen haben, ist das unglaublich viel wert. Ich verbringe hier ja einen großen Teil wertvoller Lebenszeit. Deshalb freue ich mich auf gute Drehbücher, spannende, gesellschaftsrelevante Fälle und tolle Kollegen. Das ist übrigens auch ein schöner Aspekt dieser Arbeit, dass ich in jeder Folge auch neuen Kollegen begegnen darf. Ich empfinde das als sehr inspirierend.
Hast du einen Lieblingsort in der Stadt?
Ich mag den Leipziger Westen sehr, besonders Plagwitz und die Gegend um den Karl-Heine-Kanal. Da kommt für mich vieles zusammen, was Leipzig ausmacht: diese alten Industriebauten, das Wasser, Ateliers und Galerien, Kneipen und Cafés – und dazwischen immer wieder Ecken, die überhaupt nicht herausgeputzt sind. Ich mag Städte, denen man ihre Geschichte noch ansieht. Und wahrscheinlich gefällt mir gerade, dass Leipzig dort so selbstverständlich mit seinen Gegensätzen umgeht: ein bisschen rau, ein bisschen improvisiert und gleichzeitig unglaublich lebendig. So ein bisschen was von Berlin, das ich in den 90ern kennenlernen durfte. Wenn ich Zeit habe, drehe ich da einfach gerne eine Runde. Und durch unsere Dreharbeiten entdecke ich ja auch immer noch neue Orte dieser lebendigen Stadt.
Was macht für dich „SOKO Leipzig“ aus?
„SOKO Leipzig“ hat durch den Sendeplatz in der Prime Time die Möglichkeit, auch Themen anzufassen, die etwas kontroverser und komplexer sind. Was ich an der Serie mag, ist, dass sie versucht, auch Inhalte abzubilden, die unsere Realität bestimmen. Im besten Fall erzählt man dann eben nicht nur: Wer war der Täter? Sondern auch: Warum ist etwas passiert, und was hat das mit unserer Gesellschaft zu tun? Es ist jedenfalls aufregend, nun ein Teil davon zu sein. Ein bisschen so, wie der neue Gitarrist einer Band zu sein, die seit Jahrzehnten vor ausverkauften Stadien spielt: Du weißt, welchem Stil du dich verpflichtest, bist aber auch gebeten, deine eigene Klangfarbe einzubringen.
Was kannst du denn beisteuern?
Sicherlich meine langjährige Erfahrung in diesem Beruf und meine Neugier auf Trebbe. Wir sind ja noch in der Kennenlernphase. Mit jedem neuen Buch, stellt er mir bestenfalls auch neue Herausforderungen. Er bringt, wie ich, eine gewisse Lebenserfahrung mit, eine Bodenständigkeit, aber auch seinen eigenen Schmerz und seine Erfahrung mit Verlust – so viel darf ich verraten. Und damit trifft er auf ein Team, in dem Verlust gerade ebenfalls eine große Rolle spielt. Ich finde diese Konstellation sehr spannend, weil sich da Aspekte begegnen, die nicht gleich ausgesprochen werden müssen. Ich darf diesen Kerl jetzt über einen längeren Zeitraum entwickeln, und das ist ein Geschenk.
Welche Serie oder welcher Film hat dich zuletzt begeistert?
„The Invite“ hat mich zuletzt wirklich begeistert. Vier großartige Schauspieler, im Grunde eine sehr überschaubare Situation – und daraus entsteht ein Film, der wahnsinnig komisch ist und gleichzeitig ziemlich genau dahin schaut, wo es in Beziehungen auch mal wehtut. Ich mag Filme, die einem nicht erklären müssen, wann man lachen oder nachdenklich werden soll. Der schafft beides gleichzeitig. Und natürlich schaue ich als Schauspieler auch darauf, was die Kollegen machen. Penélope Cruz, Edward Norton, Olivia Wilde und Seth Rogen dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig die Bälle zuspielen, macht einfach großen Spaß. So etwas würde ich auch gerne mal spielen.
„SOKO Leipzig“
Staffel 27 ab Freitag, 2. Oktober, immer freitags um 21.15 Uhr im ZDF und in der ZDF-Mediathek