Matthias Reim deutet nicht nur mit dem Titel seines aktuellen Albums „Flashback“ eine nostalgische Reise an. Auch die Jubiläums- Tour entführt die Fans in die 90er-Jahre.
prisma: Im Grunde war der Titel „Flashback“ schon ein Teaser für die aktuelle Tour, auf der du unter anderem dein erstes Album „Reim“ in voller Länge spielst.
Matthias Reim: Ja, und das fühlt sich irre an. Ich habe das in meinem Leben noch nie gemacht.
Vor allem in dieser Konsequenz. Denn wenn du das Album komplett chronologisch spielst, dann beginnt das Konzert mit „Verdammt, ich lieb dich.“
Das stimmt, und ich hätte nicht damit gerechnet, dass das so gut funktioniert. Du hast alle im Raum erstmal direkt in der Spur, die feiern sofort los. Und ich habe gedacht: Au Backe, jetzt hast du dir natürlich eine gigantische Zugabe genommen, indem du das vorne spielst. Nun spielen wir die aktuelle Version des Liedes, die in einer tieferen Tonlage gesungen wird, am Anfang des Konzerts und die Originalversion am Ende. Das klappt gut.
Was denkst du, warum solche Konzerte so gut funktionieren?
Weil man die schönsten Erinnerungen an Musik heftet. Man wird stets in seiner Jugend von Musik geprägt. Bei meinen Konzerten erzähle ich auch, warum welcher Song an welcher Stelle der Platte steht und wie die Lieder entstanden sind. Bei einigen herrschte damals ziemlicher Zeitdruck.
Gibt es Dinge, die du heute anders machen beziehungsweise Songs, die du so nicht mehr schreiben würdest?
Na ja, ich höre ja meine eigenen alten Alben für gewöhnlich nicht mehr durch. Dazu habe ich gar keine Zeit und auch keine Lust. Auch weil ich sehr selbstkritisch bin und dann wahrscheinlich sagen würde: “Das hätte ich besser machen können.” Das lasse ich lieber und finde die alten Sachen gut so wie sie sind.
Wahrscheinlich auch, weil du damals ohne Erwartungsdruck ans Songwriting gegangen bist, oder?
Genau. Es gab ja damals keinen Stempel, kein Label für den Namen Reim. Keiner wusste, ob das jetzt Rock, Pop oder Schlager sein sollte. Das erste Album ist stilistisch auch deshalb so breit, weil es keinen Algorithmus gab, nach dem ich hätte arbeiten sollen. Auch die Plattenfirmen wussten nicht, wer ich bin. Sie hatten einen Song gehört und sagten: “Mach mal ein Album!” Ich habe einfach gemacht, das war das Witzige und Spontane. Deshalb ist dieses erste Album auch so besonders gewesen.
Auch die technischen Hilfsmittel waren seinerzeit begrenzt.
Es gab noch kein Autotune oder Kopiermöglichkeiten. Du hast auf Band gesungen, und ein Band kennt kein Erbarmen. Du musst etwas so lange auf die gleiche Spur singen, bis es sitzt, und dafür ist es richtig geil geworden.
Warum hast du beim Debütalbum eigentlich so unter Druck gestanden?
Weil die Plattenfirma damals das Album herausbringen wollte, während “Verdammt, ich lieb dich” noch oben in den Charts ist. Hätten wir damals geahnt, dass die Nummer 16 Wochen lang auf Platz eins stehen würde, hätte ich mir sicher mehr Zeit gelassen. Aber, dass man damals überhaupt ein Album von mir wollte, war ja das Größte überhaupt für mich. Ich hatte aber nun mal keine Songs.
Dein neues Album „Flashback“ hast du im Gegensatz zum Debüt ganz in Ruhe aufgenommen. Die Platte basiert auf alten Demoaufnahmen, die dein Sohn mit dir durchgehört hat. Wie muss man sich das vorstellen?
Nimm mal „Von fernen Sternen“. Das war 1984 der vielleicht erfolgloseste Song. Der Text über Weltall und Kriegsängste traf eigentlich den Zeitgeist während des Kalten Krieges. Meinem Sohn gefiel er, und wir sagten: Mal sehen, wie das Lied im neuen Soundgewand 40 Jahre später ankommt.
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„Flashback“ und „Reim“ |