Im ZDF-Thriller "Brandnächte" ist Sophie von Kessel als Münchner Anwältin zu sehen, die sich auf die Suche nach dem wahren Mörder ihrer vor acht Jahren getöteten Schwester begibt.

Es beginnt wie ein Schwedenkrimi – düster und melancholisch. Tobias Moretti steigt ins Boot am See, der auch ein Fjord sein könnte, er wirkt aber wie eine Mischung aus Starnberger- und Walchensee. Wer hier bleibt, wird es später im Film einmal heißen, "wird eines Tages vom Berg erschlagen, oder er ertrinkt im See". Ein Satz wie ein Felsbrocken, der allerdings in diesem Intrigen-Panorama aus dem Voralpenland kaum gerechtfertigt erscheint, auch wenn es zwei Tote gibt. Die Münchner Anwältin Julia Gerber (Sophie von Kessel) kehrt an den See ihrer Heimat zurück, sie will versuchen, die Wahrheit über den Tod ihrer Schwester herauszufinden. Man habe damals vor acht Jahren den Falschen verurteilt, so heißt es ganz unvermittelt. Nun ist der Arme in der Psychiatrie verstorben.

Julia stößt, aus München angereist, auf eine "Mauer des Schweigens", wie es in solchen Fällen heißt. Aber sie kennt sich gut aus in ihrem Heimatort, sie hat dort noch viele alte Bekannte. Der Herr Maurer ist darunter, ein früherer Kommissar, der nun fischend und zweifellos biestig den frühen Lebensabend verbringt. Er sei zum Trinker geworden, wird man später erfahren. Moretti spielt den Verbitterten wie hinter Nebeln – monoton und rotzig, wie man es von ihm kennt. Irgendwann wird ihn Julia in einem Zuneigungsanfall küssen. Es ist mitsamt der müden, geradezu toten Lippenberührung die bewegendste Szene des Films.

Der wirkt sonst – mit allen Vor- und Nachteilen – eher wie eine Skizze als ein rundum fertiger Film (übrigens die 16. Zusammenarbeit zwischen der Drehbuchautorin Hannah Hollinger und Matti Geschonneck, dem Regisseur). Neben Maurer, dem früheren Kommissar, tummelt sich vor allem Nikolaus Paryla als seltsam ungebrochener Vater des vermeintlichen Täters, eines geistig Zurückgebliebenen, im Bild. Johannes Falk (nomen est omen) schießt gerne seltene Vögel. Freilich behauptet er, es nur auf kranke Tiere abgesehen zu haben. Gesunde lässt der selbsternannte Züchter leben. Andererseits macht sich der Rollstuhlfahrer über seinen Helfer lustig, den er zärtlich "Bufdi" ("Bundesfreiwilligendienstler") nennt und als Pazifist beschimpft.

Falk rückt immer mehr ins Zentrum des Films, er hatte einst ein Kraftwerk (!) bauen wollen, und bei einem Sprengversuch mehrere Männer in die Luft gesprengt. Dazu hatte er, wie sich herausstellt, über Mittelsmänner Grundstücke am See zu ergattern versucht. Aber er deckte auch Skandale auf – etwa den eines Grünen, der Staatsgelder an private Firmen verschob. Zu seinem behinderten Sohn hielt er, erzürnt sich aber mächtig über den Mann der Anwältin (Thomas Loibl), der seine Journalistenkarriere dem von ihm durchgesteckten Skandal verdankt haben soll.

Der Reiz des Films liegt allenfalls darin, dass sich hier alles um zwei Tote – den vermeintlichen Täter und sein Opfer – dreht. Rückblenden werden glücklicherweise nur sparsam eingesetzt, alles spielt in einer erzählten Vergangenheit. "Es war gut, dass wir damals weggegangen sind!", das sind dann so Sätze, schwer wie Steine, mit denen man die Vergangenheit zu vergegenwärtigen versucht.

Die Schwester, die vor acht Jahren bei einem Brand ums Leben kam, sie war wohl eine leichtlebige Frau. Fast jeder am Ort hatte etwas mit ihr, auch der Mann der Anwältin. Schon gar nicht der Herr Kommissar, ein voralpenländischer homme à femmes und Saibling-Fischer. Nur der arme Behinderte blieb offensichtlich außen vor, und ausgerechnet ihm gaben die anderen am Ende die Schuld. Die anderen, das sind, klar doch, die Kirchgänger und Frömmler – die, welche im schönen, hier allzu pittoresk eingefangenen Vilsmaier-Oberbayern das Osterfest mit seinen Gebräuchen feiern. Viel gedämpfte Schwermut also. Und, nicht zu vergessen, eine Sophie von Kessel, der man als bildschöner Anwältin auf Schwesternsuche ohne Weiteres stundenlang zusehen kann.


Quelle: teleschau – der Mediendienst