Neues Album

Sheryl Crow blickt zurück: So zwiespältig war ihre Zeit mit Michael Jackson

09.10.2026, 13.51 Uhr
Sheryl Crow veröffentlicht mit "Pick Me Up" ein neues Album. Die Singer-Songwriterin begann ihre Karriere als Background-Sängerin von Michael Jackson und erlebte dabei Höhen und Tiefen des Musikgeschäfts.

Sie wolle Hoffnung und Zuversicht verbreiten, sagte Sheryl Crow in einem Vorabstatement über ihr neues Album. "Pick Me Up" sei ein "Kommentar darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein und Verbindung zu suchen". Ihr Wunsch sei es, "dass alle, die diese Songs hören, die Hoffnung spüren, die ich beim Singen empfinde", sagte die Singer/Songwriterin. Dass Crow inzwischen seit fast 40 Jahren auf der Bühne steht und immer noch Optimismus versprüht, ist durchaus bemerkenswert. Denn gerade zu Beginn ihrer Karriere blickte sie als Background-Sängerin von Michael Jackson auch in die Abgründe des Musikgeschäfts und sah dabei "wirklich seltsame Dinge".

Sheryl Crow blickt zwiespältig auf ihre Zeit mit Michael Jackson zurück

"Ich war bei einigen Dingen dabei, die ich als sehr seltsam empfand, und ich hatte viele Fragen dazu", sagte Crow 2019 der britischen Zeitung "The Telegraph". Gemeint ist ihre Zeit auf Jacksons "Bad"-Welttournee Ende der 1980er-Jahre. Die "Leaving Neverland"-Dokumentation über die Missbrauchsvorwürfe gegen den "King of Pop" habe sie nicht gesehen und werde sie sich auch nicht anschauen. Was genau sie damals beobachtete, führte Crow nicht weiter aus.

Dabei beschreibt sie die Tour keineswegs nur als düster. Dem Musikmagazin "Q" sagte sie, die Tour sei "ein surreales Erlebnis" gewesen. Erst seit sechs Monaten lebte sie in Los Angeles, als sie in Japan vor 75.000 Menschen eine Welttournee eröffnete. In Rom saßen Elizabeth Taylor, Sophia Loren und Liza Minnelli im Publikum. "Ich war eine Country-Blume, die diese Menschen nur im Fernsehen gesehen hat", erzählte Crow dem Magazin. Einmal mietete Jackson nach Feierabend ganz Disneyland für die Crew, die bis vier Uhr morgens Karussell fuhr.

Sheryl Crow erhebt schwere Vorwürfe gegen Michael Jacksons damaligen Manager

Begonnen hatte alles 1987. Die damals 25-jährige frühere Musiklehrerin aus Missouri schlich sich in Los Angeles in die Vorsprechen für Jacksons erste Solo-Welttournee. Einen Monat später stand sie vor Zehntausenden Fans auf der Bühne. Es folgten 123 Konzerte vor 4,4 Millionen Zuschauern, bei Songs wie "I Just Can't Stop Loving You" und "Man in the Mirror" sang sie mit Jackson im Duett. Auch Crow selbst war nach eigenen Worten geblendet, vom Star ebenso wie vom Auftritt vor Tausenden.

Der "Independent" zitierte sie mit den Worten, es sei "in jeder Hinsicht unglaublich für einen jungen Menschen aus einer wirklich kleinen Stadt" gewesen, die Welt zu sehen und mit dem wohl größten Popstar zusammenzuarbeiten. Aber sie habe auch "einen Crashkurs in der Musikbranche" erhalten.

Gemeint ist Jacksons damaliger Manager Frank DiLeo. Nach Crows Darstellung belästigte er sie während der Tour sexuell. Er versprach, sie zum Star zu machen, und drohte, ihre Karriere zu beenden, wenn sie sich weigere oder darüber spreche. Die Klatschpresse spekulierte damals, Jackson habe sich in seine Backgroundsängerin verliebt und ihr zwei Millionen Dollar für ein Kind geboten. In ihren Memoiren "Words + Music" vermutet Crow, DiLeo habe diese Geschichten gestreut, "um Mike so aussehen zu lassen, als wäre er an Frauen interessiert" DiLeo starb 2011, Jackson 2009.

Neun Grammys nach schwieriger Tour-Zeit: Sheryl Crows Weg zum Superstar

Öffentlich sprach Crow lange nur andeutungsweise darüber. Auf ihrem Debütalbum von 1993 bezieht sich der Song "What I Can Do for You" auf DiLeo. 2017 schrieb sie auf Twitter zur #MeToo-Bewegung von "einem Manager auf meiner ersten großen Tour als Backupsängerin". Ein Anwalt habe ihr geraten, nicht auszupacken, "also habe ich auf meiner ersten Platte Songs darüber geschrieben". Nach der Tour 1989 kehrte sie in ihre Wohnung in Los Angeles zurück und kämpfte mit Depressionen.

Dann kam der Durchbruch: 1993 erschien "Tuesday Night Music Club", mit "All I Wanna Do" gelang ihr 1994 der Hit, der alles veränderte. Bis heute hat Crow neun Grammys gewonnen und mehr als 50 Millionen Alben verkauft.

Über Jackson spricht sie bis heute mit gemischten Gefühlen. Dem "Guardian" sagte sie, sie glaube, ein "riesiges Netzwerk von Menschen" habe zugelassen, dass alles weiterging. "Ich bin traurig und ich bin auf viele Menschen sauer", so Crow. "Es ist einfach tragisch."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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